Einleitung in das Alte Testament
Broschiert, 16. Oktober 2008 Verkaufsrang: 131421 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Die -Kohlhammer Studienbücher Theologie- , konzipiert für das Studium an der Hochschule, für das Selbststudium wie auch für die Weiterbildung, führen in alle Bereiche der katholischen Theologie ein.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 4 Bewertungen)
Klassisch, kompetent, katholisch 4 von 5 Punkten Eine Einleitung, die es bis zur siebten Auflage schafft, verdient zweifelsohne Beachtung. Abgesehen vom beeindruckenden Umfang des Werks stehen neben Erich Zenger weitere hochkarätige katholische Theologen wie Heinz-Josef Fabr., Georg Braulik u. a. auf der Autorenliste. Um so spannender wird die Lektüre für evangelische Leser werden, die gerne einen Blick über den Tellerrand werfen möchten. Dies wird dem Leser insbesondere durch die Ausführungen zu den (zum römisch-katholischen Kanon gehörenden) Apokryphen möglich. Die Einbeziehung der Apokryphen stellt auch eine Ursache für den deutlich größeren Umfang im Vergleich zu ähnlichen alttestamentlichen Werken wie etwa der Einführung von Jan Christian Gertz dar. Wer jedoch nach eigentlichen exegetisch-theologischen Unterschieden sucht, dürfte nur bei ausreichender eigener Fachkompetenz erfolgreich sein. Das Werk reiht sich von der historisch-kritischen Methode her gesehen in eine Reihe mit anderen Einleitungen ein, betont jedoch stark den kanonischen Endtext. Die Darstellung der einzelnen biblischen Bücher erfolgt in der Regel nach einem standardisierten Schema: Den Ausführungen zur Textüberlieferung folgen Darstellungen zum Aufbau, denen sich Erläuterungen zur Entstehung anschließen. Abgeschlossen wird das Schema durch Anmerkungen zur Theologie des entsprechenden Buchs. Im ersten Kapitel Heilige Schrift der Juden und der Christen wird der Selbstanspruch Zengers herausgestellt, nämlich dass das Werk als ein eher konservatives aufzufassen ist: Es soll [...] eingeführt werden in das Verstehen des Ersten Testaments als Heilige Schrift (9). Konservativ darf jedoch nicht in dem Sinne missverstanden werden, dass Spuren biblizistischen Denkens zu erwarten seien. Vielmehr ist die Aussage so zu verstehen, dass die Autoren dem kanonisierten Text einen hohen Stellenwert beimessen. Die wissenschaftlich fundierten Ausführungen wollen den Text in seiner Entstehung und in seinen theologischen Aussageabsichten würdigen und unterstreichen gerade durch die besondere Gewichtung des Endtextes seine Bedeutung für das christliche Selbstverständnis. Das Kapitel Der Text und seine Geschichte führt in einem knappen Überblick in die verschiedenen Theorien zur Entstehung und Ausbreitung der Texte ein und stellt eine gute Zusammenfassung des Wissens dar, das ein Theologiestudent im Proseminar Altes Testament erwirbt. Spätestens in Die Bücher der Tora/des Pentateuch wird der Leser förmlich erschlagen von der Fülle der dargebotenen Informationen. Glücklicherweise werden die Ausführungen durch unterschiedliche Textgrößen aufgelockert, so dass Überblickswissen von Detaildarstellungen gut unterschieden werden kann und ein zügiges Lesen möglich wird. Zusätzlich erleichtern mehrere Grafiken den Einstieg in das komplexe Thema der Entstehungsmodelle des Pentateuchs. Das Kapitel bietet somit einen guten Überblick über zurzeit diskutierte Entstehungstheorien. Im vierten Kapitel Die Bücher der Geschichte zeigt Zenger, dass die Intention des Alten Testaments primär nicht die Darstellung historischer Abläufe, sondern die Interpretation der Ereignisse im Hinblick auf den Gott Israels sei. Hilfreich sind hier v. a. Darstellungen von Strukturmerkmalen, die Gattungsbegriffe für Texte vorschlagen bzw. eine Gattungszuordnung erleichtern. Die Ausführungen im Kapitel Die Bücher der Weisheit erwecken den Eindruck, dass sich Zenger zum Anwalt eines durch die reformatorische Tradition in Misskredit geratenen Teil des Alten Testaments macht. Unklar bleibt, wogegen er sich konkret abgrenzt, indem er Vorbehalte aus besagter Tradition gegenüber den Weisheitsbüchern darstellt und entkräftet, zumal die von ihm erhobenen Vorwürfe in der evangelischen Theologie deutlich differenzierter betrachtet werden. Sein Plädoyer für eine offene und interessierte Beschäftigung mit der Weisheitsliteratur ist überzeugend und weckt das Interesse auf eine Auseinandersetzung mit ihr. Hin und wieder finden sich gerade in den Ausführungen zu apokryphen Schriften kleine Bonbons. In der Regel nicht bekannte Details zu den apokryphen Büchern wie z. B. Jesus Sirach, dessen Inspiration sich in Kirchenliedern wie Nun danket alle Gott und Nun danket all und bringet Ehr niederschlägt, werden erwähnt. Den größten Anteil am Umfang des Buches haben die Darstellungen der Prophetenbücher. Hier wird das Selbstverständnis der Einleitung wieder deutlich, nämlich dass auch wissenschaftliche Methoden von einer theologischen Perspektive her reflektiert werden müssen. Die Untersuchung von Texten kann nämlich nicht Selbstzweck sein, sondern muss zu theologischer Erkenntnis führen. Unter der Grundannahme der Propheten als Gesellschaftskritiker und Visionäre einer bereits hereinbrechenden katastrophalen Zukunft erwartet den Leser bei der Lektüre jedoch eine Liebe zum Detail, die einer Geduldsprobe gleicht. Dieses Kapitel eignet sich deshalb mehr zu einer guten Nachschlagemöglichkeit, weniger zu fortlaufender Lektüre. Das letzte Kapitel dreht sich um die Geschichte Israels und stellt eine wertvolle Neuerung in der siebten Auflage dar. Sie kann insgesamt in der Mitte zwischen einer Minimal- (nur das ist historisch, was von bibeltextunabhängigen Wissenschaften wie der Archäologie bestätigt wurde) und einer Maximalposition (alles wird als historisch wahr angenommen, bis es widerlegt wird) eingeordnet werden. Klar positioniert sich der Autor mit Sätzen wie: Zum einen ist richtig, dass die Bibel theologische Tendenzliteratur ist, aber deswegen muss sie noch nicht eine späte unhistorische Fiktion sein (588). Die Geschichte Israels liest sich auf Grund einer klaren Strukturierung und einem griffigen Sprachstil besonders gut. Fazit: Ohne Frage erhält man mit der Einleitung in das Alte Testament von Erich Zenger nicht nur eine große Menge, sondern auch qualitativ hochwertige Inhalte bei einem angemessenen Preis-Leistungs-Verhältnis. Viele Tabellen und einige Karten erleichtern den Überblick, auch wenn mehr Abbildungen wie sie z. B. die Einführung (eine Einleitung beinhaltet klassischerweise ja nur die Entstehungsgeschichte der Texte, nicht auch ein Methodenkompendium und eine Geschichte Israels) von Gertz bietet, hilfreich gewesen wären. Die Lektüre des anspruchsvollen Werkes fordert in mehrfacher Hinsicht heraus. Zum einen verdienen der Umfang und die große Fülle von Details Respekt, zum anderen dürfte das Buch als Nachschlagewerk noch zu wenige Informationen liefern. Wer sich auf eine Prüfung vorbereitet, wird abwägen müssen, ob er in Anbetracht der ihm zur Verfügung stehenden Zeitressourcen eventuell zu einem knapperen Werk greift. Wer genaue Informationen zum Forschungsstand im Alten Testament braucht, wird möglicherweise Details vermissen. Wer jedoch unbefangen einen wissenschaftlichen Zugang zum Alten Testament mit einem katholischen Akzent sucht, ist mit dieser Einleitung hervorragend bedient. Viktor Weber ichthys 26 (2010), 133-135
Summe des gemäßigten alttestamentlichen Minimalismus 3 von 5 Punkten Erich Zenger, der verantwortliche Herausgeber des Einleitungswerkes, gilt als der große alte Mann der gegenwärtigen alttestamentlichen Exegese der Römischen Kirche und darüber hinaus. Bekannt geworden ist Zenger v.a. durch ein neues (Münsteraner) Modell der Pentateuchredaktion und als Psalmenkommentator. Das Buch vereint darüber hinaus nahezu alles, was an katholisch-theologischen Fakultäten des deutschen Sprachraums Rang und Namen hat. Wer sich einen formal und methodisch gut aufbereiteten Überblick zur klassischen historisch-kritischen Exegese (Vierquellenmodell bzw. neuere Urkundenhypothese etc., 1850-1970) und zum nachklassischen, minimalistischen Ansatz des retrospektiven Fiktionalismus (seit ca. 1970) verschaffen möchte, sollte zu diesem Handbuch greifen. Er wird wahrscheinlich nirgends eine ähnlich umfassende, systematische und didaktisch aufbereitete Darstellung finden. Positiv ist auch eine nicht selbstverständliche spirituelle Einfühlung bzw. ein genuin theologisches Interesse an den Themen und Gestalten der hebräischen Bibel oder des Tanakh. Negativ anzumerken ist ein oft problematischer Einfluss des Zeitgeistes, namentlich in Bezug auf den Stellenwert der neutestamentlichen Schriften der Bibel, welchen eine universelle Geltung abgesprochen wird, insbesondere im Blick auf das nichtchristliche Israel (16-21). Programmatisch explizit etwa S. 20: "Konkret bedeutet dieses Programm, dass es keine vorgegebene Sinn- und Bedeutungspriorität des Neuen Testaments vor dem Alten Testament gibt und demnach auch keine Superiorität des Christentums". Auch wenn das Handbuch das Verdienst hat, Tora, Propheten und Schriften des Tanakh sehr gelungen als notwendige und bleibende Basis auch des christlichen Israel herauszustellen - was in dessen Theologie der letzten 200 Jahre weithin aus dem Blick geriet -, ist der o.g. Standpunkt für christliche Theologie und Exegese, und das ist das Selbstverständnis des Handbuches, schlicht inkonsistent. In letzter Instanz wird von Zenger et al. der messianische Unbedingtheitsanspruch Jesus Nazarenus' und der christlichen Gründungsschriften als problematisch eingestuft, weil er die theologische Position des nichtchristlichen Israel delegitimiert. Zur Erinnerung: Das christliche [= wörtlich: messianische] Israel definiert sich genau dadurch, dass es "Jesus, den Nazoräer" (Apostelgeschichte 2, 22) als Messias anerkennt: "Mit Gewissheit erkenne also das ganze Haus Israel: Gott hat ihn zum Herrn und Messias gemacht" (Simon Bar Jona [Petrus] in Apostelgeschichte 2, 36). Und. "Jeder Geist, der Jesus nicht [als Messias] bekennt, ist nicht aus Gott", sondern der "Geist des Antichrists" (1 Joh 4, 3). Gegenstand der Schriften des christlichen Israel (Neues Testament, v.a. Evangelien und Apostelbriefe) ist die geschichtliche und theologische Legitimierung dieses Anspruches. Das nichtchristliche Israel definiert sich nun genau dadurch, dass es diesen Messiasanspruch ablehnt und die maßgeblichen Schriften des nichtchristlichen Israel (Talmud) behandeln den Gegenstand im gegensätzlichen Sinn. Wie die führenden Experten zum Thema Peter Schäfer (Princeton) und Israel Yuval (Hebräische Universität Jerusalem) gezeigt haben, formuliert "der Talmud, das Gründungsdokument des rabbinischen Judentums in der Spätantike" ein "Gegen-Evangelium zum Neuen Testament [...] daß er [= Jesus Nazarenus] den Tod verdiente, weil er ein Gotteslästerer war, daß er auf ewig in der Hölle sitzen wird, und daß jene, die seinem Beispiel bis in die Gegenwart folgen, nicht, wie er versprochen hat, das ewige Leben erwerben, sondern sein furchtbares Schicksal teilen werden." (Schäfer: Jesus im Talmud, Tübingen 2007, 1, 260 [engl.: Jesus in the Talmud, Princeton 2007]. Es ist offensichtlich, dass das Handbuch hier die Situation seit dem I. Weltkrieg und verstärkt seit dem II. Weltkrieg und der 68er Kulturrevolution widerspiegelt, die nicht zuletzt dadurch charakterisiert ist, dass die Tradition des nichtchristlichen Israel zur globalen Leitkultur wurde und in Religion und öffentlicher Meinung der westlichen Welt jene moralische Autorität besitzt, welche früher dem Glauben und den Symbolen des christlichen Israel entgegengebracht wurde. Doch das in Rede stehende Werk bzw. das von ihm vertretene exegetische Paradigma wird m.E. durch jüngste Entwicklungen in den Bereichen Archäologie, Ägyptologie, Altorientalistik noch ganz anders und grundsätzlicher in Frage gestellt. Um auch noch in, sagen wir 10 bis 20 Jahren, auf dem Laufenden zu sein, sollten Interessierte daher parallel das denselben Themenbereich abdeckende Handbuch von K. Kitchen: On the Reliability of the Old Testament, Grand Rapids / Cambridge 2006, lesen. Der Liverpooler Ägyptologe und Archäologe Kenneth Kitchen ist für das pharaonische Ägypten der Perioden von 1180-650 v.C. die weltweit unbestrittene Nr.1. Er ist darüber hinaus ein international führender Experte zur Archäologie und Geschichte Palästinas und des Nahen Ostens in der Bronzezeit (3000-1200 v.C.) und Eisenzeit I-III (1200-450 v.C.). Der Brennpunkt von Kitchens fast singulärer Kompetenz liegt mithin auf den geographischen Räumen und geschichtlichen Epochen, welche Gegenstand der Bücher der Tora, Propheten und Schriften der hebräischen Bibel (Tanakh, Altes Testament [AT])sind. Deswegen ist die Kernthese von Kitchens Buch (500 S. plus 162 Seiten Anmerkungsapparat und Indices) von mehr als gewöhnlicher Brisanz. Sie lautet: Die sog. historisch-kritische alttestamentliche Exegese der letzten 150-200 Jahre (Julius Wellhausen et al.) ist - methodologisch und inhaltlich - wissenschaftlich nahezu wertlos und in ideologischen Vorurteilen erstarrte Schreibtischspekulation, welche auf Schritt und Tritt dem inzwischen sehr umfassend vorliegenden Daten- und Faktenmaterial widerspricht. Dasselbe gilt für die aktuelle sog. minimalistische alttestamentliche Exegese seit den 70er Jahren des 20. Jh., welche die klassische Urkundentheorie (Jahwist, Elohist, Deuteronomist, Priesterschrift) aufgegeben hat und die Tora sowie die vorexilische Geschichte Israels überhaupt als fiktive Rückprojektion der Theologie und Ideologie der nachexilischen Gemeinde (4. Jh. v.C.) in eine mythische Vergangenheit deutet (Niels Peter Lemche, vgl. auch Israel Finkelstein et al.). Man muss Kitchen nicht in jeder Einzelheit und jeder These überzeugend finden. Aber er zeigt m.E. zwingend, dass dieser Minimalismus bei entsprechender Kenntnis der archäologischen, literaturwissenschaftlichen und historischen Faktenlage nicht intellektuell redlich vertreten werden kann. Als interdisziplinärer, detailgesättigter Kommentar zur biblischen Geschichte des AT aus der aktuellen Spitzenforschung heraus ist das Buch ohne Konkurrenz. Das theologische Establishment wird wohl zunächst das erdrückende Datenmaterial abwehren, aber früher oder später sich damit auseinander setzen müssen.
Solide, Must-have für Theologen 4 von 5 Punkten Die Einleitung in das AT von Zenger ist an der renommierten theologischen Fakultät in Tübingen DAS Standardwerk, das jeder im Schrank haben sollte. Demensprechend ist sie allen wissenschaftlich Interessierten zu empfehlen. Positiv ist: - der didaktische Aufbau - überragend! - die distanzierte bzw. differenzierte Herangehensweise an die verschiedenen kritischen Fragestellungen - die solide Argumentation bei kontroversen Streitthemen. Allerdings gibt es auch eine m.E. sehr negative Seite: Alle 2-3 Jahre erscheint eine neue Auflage. Deswegen nur 4 Sterne. Allerdings wird eigentlich fast nur der Pentateuch-Teil überarbeitet, der Kauf lohnt also trotzdem. Das Buch ist allerdings wirklich eher für wissenschaftlich Interessierte zu empfehlen, da für den mäßig interessierten Laien vieles schwer verständlich sein könnte. Da gibt es andere Bücher, die besser in das Thema einführen. Aber für Theologen, wie gesagt, top und 5 Sterne.
informiert kompetent über Aufbau und entstehung des AT 5 von 5 Punkten Die Einleitung in das Alte Testament von Zenger u.a. ist die aktuellste und didaktisch beste Einleitung. Es ist ein solides Handbuch, das über den Aufbau und die Entstehung des Alten Testaments und der einzelnen Bücher kompetent informiert. Zudem ist die Einleitung hilfreich bei der Literatursuche zu Einzelthemen. |
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