Anils Geist - Michael OndaatjeAnils Geist
Michael Ondaatje

Taschenbuch, 1. November 2001
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In seinem Booker-Preis-gekrönten dritten Roman, Der englische Patient, untersuchte Michael Ondaatje das Wesen der Liebe und des Betrugs vor dem Hintergrund des Krieges. Sein vierter, < I> Anils Geist, spielt ebenfalls in einem Krieg, aber im Gegensatz zum Zweiten Weltkrieg, ist der Feind im blutigen Konfessionskonflikt, der Sri Lanka in den Achtziger- und Neunzigerjahren auseinanderriss, nur schwer auszumachen. Die Protagonistin, Anil Tissera, verließ ihre Heimat Sri Lanka im Alter von 18 Jahren und kehrt nun 15 Jahre später als Mitglied einer internationalen Menschenrechts-Untersuchungsmission zurück. In den dazwischenliegenden Jahren machte sie Karriere als Kriminalanthropologin, ein Beruf, der sie zu den Killing Fields von Mittelamerika führte, wo sie die Opfer des schmutzigen Kriegs in Guatemala ausgrub. Nun ist sie mit einer ganz ähnlichen Mission nach Sri Lanka gekommen. Wie sie aber bald feststellt, gibt es zwischen den beiden Aufträgen grundlegende Unterschiede.
Die Leichen tauchen hier wöchentlich auf. Der Höhepunkt des Terrors fand in den Jahren 1988-89 statt, aber er fing natürlich schon lange vorher an. Beide Seiten töteten und vertuschten. Dies war ein inoffizieller Krieg, und keiner wollte es sich im Ausland verscherzen. Es lief also alles über Geheimkommandos und -gangs ab. Anders als in Mittelamerika, tötete hier die Regierung nicht direkt.
In einer solchen Situation ist es nicht leicht zu erkennen, wem man vertrauen kann. Anils Kollege ist ein gewisser Sarath Diyasena, ein srilanker Archäologe, dessen politische Zugehörigkeiten, wenn er denn welche hatte, undurchsichtig waren. Zusammen decken sie durch den Fund eines Skeletts, dem sie den Namen Sailor geben, die Beweise eines von der Regierung in Auftrag gegebenen Mordes auf. Als Anil jedoch ihre Untersuchungen über die Ereignisse aufnimmt, die zu Sailors Tod geführt hatten, erkennt sie, dass sie in einem Netz aus Politik, Paranoia und Tragödie gefangen ist.
Wie bei seinem Vorgänger untersucht der Roman den Bereich, in dem sich das Persönliche und das Politische im Angelpunkt des Krieges überschneiden. Der Stil ist jedoch viel direkter, weniger dicht poetisiert. Obwohl viele der literarischen Markenzeichen Ondaatjes vorhanden sind - häufige Zeitsprünge, geradezu halluzinatorische Bilder, das allmähliche Verweben der Vergangenheit der Charaktere mit deren Gegenwart - ist der Schreibstil hier viel zugänglicher. Das soll aber nicht heißen, dass der Autor seine poetischen Wurzeln vergessen hat; es gibt unterschwellige, evokative Bilder zuhauf. Nehmen Sie zum Beispiel nur diese Beschreibung Anils, die am Ende des Tages in einem Teich steht, "ihre Zehen zwischen den weißen Blütenblättern, mit verschränkten Armen, während sie den vergangenen Arbeitstag auszog, die Schichten der Ereignisse und der Vorfälle nach und nach ablegte, damit sie nicht mehr in ihr waren. " Mit < I> Anils Geist hat Michael Ondaatje sowohl eine brutale Untersuchung eines gegenseitigen Vernichtungskrieges geschaffen als auch eine bleibende Betrachtung über Identität, Loyalität und den festen Griff, den die Vergangenheit auf die Gegenwart ausübt. < I>-Alix Wilber







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