Eine kurze Geschichte des Mythos - Karen ArmstrongEine kurze Geschichte des Mythos
Karen Armstrong

Taschenbuch, 1. November 2007
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Diese brillante und anregende Einführung in das Thema äMythos" ist der Auftakt zu einer Aufsehen erregenden verlegerischen Herkulestat. Gemeinsam mit 30 internationalen Verlagen startet der Berlin Verlag eine Buchreihe, in der weltbekannte Autoren große Mythenstoffe neu erzählen und deuten. Was sind überhaupt Mythen? Wie sind sie entstanden, und welche Rolle spielten und spielen sie im Leben der Menschen? Karen Armstrong beschreibt die Geschichte des Mythos von den Anfängen in der Steinzeit mit den Mythen der Jäger und Schamanen bis zu den weltanschaulichen Umwälzungen der Neuzeit und schließlich der Moderne mit ihrer Diskreditierung des Mythos für uns Menschen, die wir stetig versuchen, die Welt und das Universum und damit auch unser eigenes Leben und Schicksal zu verstehen und zu bewältigen. Die Geschichte des Mythos ist somit die Geschichte der Menschheit.

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)

Ein fesselnder Überblick ohne schlüssige Antworten      4 von 5 Punkten
In Eine kurze Geschichte des Mythos liefert Karen Armstrong, die überaus ideenreiche und weithin bekannte Religionsautorin, einen zusammenfassenden und fesselnden Überblick über die Funktion und die Bedeutung der Mythologie. Beginnend bei den Höhlen der frühesten Neandertaler verfolgt sie, wie sich die Mythen im Laufe der Zeit verändert und Bedeutung in eine rätselhafte Welt gebracht haben. Als eine Art Vorwort für eine große internationale publizistische Serie geschrieben, in der zeitgenössische Autoren und Dichter einen Mythos ihrer Wahl beschreiben, setzt Armstrongs gut gemachtes Essay den Kontext, um uns an die Bedeutung der mythischen Erzählungen zu erinnern, die uns mit einem Sinn für das Göttliche verbinden können und Inspiration bieten, unser Leben in einer mitfühlenderen Art und Weise zu leben. Dazu unterscheidet sie zwischen zwei Denkweisen, die seit dem Paläolithikum maßgeblich waren: dem mythischen Geist, der sich als Antwort auf die Angst vor der eigenen Sterblichkeit entwickelte, und dem rationalen Geist, der mit der Herausforderung des Lebens für praktische Lösungen korrespondiert und versucht, Herrschaft über die Natur zu erlangen. Ohne eine klare historische Unterscheidung trennten sich diese beiden sich ergänzenden Denkweisen im 16. Jahrhundert voneinander, was zur Dominanz der wissenschaftlichen Interpretation der Welt führte. Armstrong zeigt, dass die Konsequenzen technologisch ebenso beeindruckend waren wie sie Ende des 20. Jahrhundert kulturell und moralisch gesehen verheerend wurden. Als Gegenmittel empfiehlt sie, dass wir uns wieder mehr den Arbeiten der Künstler und Schriftsteller zuwenden, um die heilige Dimension des Lebens neu zu entdecken. Sie erklärt, dass diese Meisterwerke, selbst wenn sie nicht so perfekt funktionieren wie die Mythologie es einst tat, unser Gewissen neu erwecken und uns sogar dazu inspirieren könnten, unser Leben zu verändern. An dieser Stelle ihrer Analyse ist das Buch mit der Erklärung, wie man die Kraft der Mythen in die heutige Zeit wieder integrieren kann, weniger befriedigend. Während sie das Dilemma unserer postmodernen Welt akribisch beschreibt übermäßig beherrscht vom Logos (Rationalität) und elendiglich arm an Mythen vermag sie das Dilemma in einer übergeordneten Synthese nicht überzeugend zu lösen. Um aber fair zu sein: Diese kurze Arbeit war wahrscheinlich gar nicht dafür gedacht, einem so großen Anspruch gerecht zu werden. Ungeachtet dessen ist man am Ende von Armstrongs Buch mit dem Wunsch allein gelassen, eine umfassendere Lösung für die gegenwärtige Lage zu finden, in der die Einsichten von Mythos und Logos in gänzlich neuer Art und Weise wieder vereint werden. Armstrongs Buch wirft eine wichtige Frage auf, überlässt es aber anderen oder zukünftigen Arbeiten, uns eine schlüssige Antwort zu geben.