Abschied von Chautauqua - Stewart O'NanAbschied von Chautauqua
Stewart O'Nan

Gebundene Ausgabe, 18. März 2005
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Auf den 700 Seiten des Romans Abschied von Chautauqua passiert herzlich wenig. Man muss das gleich am Anfang sagen, denn sein Verfasser, der 44-jährige U S-amerikanische Autor Steward O? Nan, ist mit seinen bisher acht Büchern eher als eine Art ? Stephen King der Hochliteratur? bekannt geworden. In Speed Queen zum Beispiel rasen Mörderinnen meuchelnd durch die Landschaft, und in Das Glück der anderen rottet eine Seuche einen ganzen Landstrich aus. In Abschied von Chautauqua verschwindet nur eine Tankstellenkassiererin. Und bis zum Schluss bleibt eigentlich offen, ob es sich bei dem Ereignis überhaupt um ein Verbrechen gehandelt hat.
In Abschied von Chautauqua ist das Leben ein wenn auch unterbrochener, so doch ruhiger Fluss. Nach dem Tod von Emiliy Maxwells Mann vor einem knappen Jahr hat sich der neunköpfige Rest der Familie im Sommerhaus am Lake Chautauqua im Bundesstaat New York zusammen gefunden, in einem Domizil der Erinnerungen, das jetzt verkauft werden soll. Man geht einkaufen, unterhält sich, kocht zusammen und besucht die Nachbarn, mehr nicht. Und doch sind die acht Augusttage, in denen die Handlung spielt (und nach denen der Roman gegliedert ist), die spannendsten, die Steward O? Nan jemals beschrieben hat.
Denn der Autor entfaltet im scheinbar dahinplätschernden Dasein seiner Hauptfiguren einen wahren psychologischen Makrokosmos, der die Innenwelt der Protagonisten auf unglaublich subtile Art und Weise offen legt. So erfahren wir etwas über die lesbischen Phantasien der 13-jährigen Enkelin Ella, über die Angst des Enkels Justin vor dem Dunkel des Wassers, aber auch einiges über die Psyche von Rufus, dem Familienhund. Das gelingt O? Nan, weil er seine Geschichte jeweils aus der Perspektive einer seiner Heldinnen und Helden erzählt - unglaublich leise und packend zugleich. Vor allem dieser Kunstgriff macht Abschied von Chautauqua zu einem der einfühlsamsten und schönsten Bücher dieses Jahres. -Isa Gerck







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