Der Mann aus Mesopotamien: Roman (suhrkamp taschenbuch) - Amin MaaloufDer Mann aus Mesopotamien: Roman (suhrkamp taschenbuch)
Amin Maalouf

Taschenbuch, 24. Februar 2003
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Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)

Mehr als nur ein guter historischer Roman      5 von 5 Punkten
Dieses ist bereits das vierte Buch, welches ich von Maalouf gelesen habe und auch hier fand ich diese hohe Qualität - die niveauvolle Sprache(wenn auch nicht ganz so geschliffen wie in "Leo Africanus"),die spannende Geschichte und die uns bewegende BOtschaft bescheren uns einen Lesegenuss höchster Güte.
Erzählt wird die Geschichte vom Mesopotanier Mani, welcher nach einer entbehrungsreichen Kindheit und Jugend in den engen Grenzen einer der zu diser Zeit (um 240 n. Chr.) häufigen fanatischen Sekten aufbricht um der Welt eine Botschaft mitzuteilen die ihm eine innere göttliche Stimme kontinuierlich mitteilt. Mani gelingt es zeitweise, die Gunst der Herrscher des mächtigsten Imperiums, des Sassaniedenreiches, zu erlangen und kann unter deren Schutz weite Teile des Orients bereisen um zu predigen, zu lehren und um Anhänger zu finden.
Was ist der Inhalt seiner Lehre? Maalouf beschreibt sie als eine Art spiritueller Universalreligion, die jedem Menschen seine eigenen religösen Riten lassen möchte, dabei aber den Kern der Religionen als das göttliche Licht erkennt, nach dessen innerer und äußerer Verwirklichung alle Menschen der Welt trachten sollten. Dabei ist ihm der Frieden bringende Aspekt seiner Botschaft sehr wichtig : Die Mauern, die die Menschen aus Rassismus, Kastenwesen und der Gier nach materiellem Reichtum und Macht zwischen sich ziehen, und das damit verbundene Leid möchte er überwinden um eine neue Gesellschaft ohne Krieg und Unterdrückung zu bauen. Dies zieht natürlich den Groll weiter Kreise der etablierten Eliten auf sich, Feindseligkeit und Heimtücke schlagen ihm entgegen. Mani erkennt, dass die Zeit für eine umfassende Veränderung der menschlichen Gesellschaft hin zur universellen Liebe und Toleranz noch Jahrtausende auf sich warten lassen wird, doch versucht er seine Botschaft in die Herzen derer zu sähen, die bereit sind, sich für diese spirituelle Weisheit zu öffnen, nach ihr zu leben und sie weiter zu geben. Seine Lehre wird allgemein als Manichäismus bezeichnet, sie verbreitete sich während der Spätantike von Spanien bis tief nach Zentralasien, war aber auch teilweise heftigen Verfolgungen ausgesetzt, wie z.B.im römischen Reich und in Persien .Tragische Ereignisse lassen nicht lange auf sich warten, ich will dem aber nicht vorgreifen um die Spannung zu erhalten.
Viel scheint nicht von seiner Lehre bis in unsere Zeit überlebt zu haben, doch ist es uns auch nicht fremd, andere weise Menschen haben uns Ähnliches auch gelehrt und tuen dies auch heute. Egreifend ist der warme Anteil den Maalouf am Leben Manis und an seinem Werk nimmt, somit wird er auch zu einem Botschafter, der weit mehr als einen bewegenden Roman geschrieben hat - ich kann das Buch nur wärmstens empfehelen!

Ein feines Büchli      4 von 5 Punkten
Der Manichäismus ist eine kontroverse Angelegenheit. Wenn jemandem was dazu einfällt, dann wahrscheinlich vor allem der berüchtigte Dualismus, angebliche zwei Götter die sich unversöhnlich gegenüberstehen, so wie es ja auch Zarathustra gelehrt haben soll - auch heutzutage wird die Aufteilung der Welt in Gut und Böse noch gern als manichäisch bezeichnet. Maalouf sieht Mani allerdings etwas anders - für ihn war er ein Vertreter einer liberalen Religion/Kirche, die sich im Einklang mit anderen Verkündern wie - der eben schon erwähnte - Zarathustra oder auch Siddharta Gautama sah. Obwohl Maalouf Mani als äußerlich eher unschön beschreibt - mit einer "dritten" Augenbraue und einem verkruppelten Fuß - zeigt er ihn auch als charismatisch und gewinnend. Ich weiß nicht genau was sich in dem Buch wirklich auf anerkannte Geschichtsschreibung bezieht - wußte er wirklich, daß er und seine Lehre in Verruf geraten würden als er sich weigerte mit König Schapur in den Krieg zu ziehen? Hat er wirklich diese außerordentlich gescheiten Dinge über die Atheisten gesagt? - aber auf jeden Fall läßt sich das Leben von Mani wirklich schön und flüssig lesen. Und wer noch mehr über Mani und den Manichäismus wissen und lesen will, dem sei unbedingt "Mani, the Angel and the Column of Glory" von Andrew Welburn empfohlen. Der Prophet und seine Lehre haben diese Aufmerksamkeit auf jeden Fall verdient.