Geschichte Portugals: Vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart

Walther L. Bernecker

Durchschnittliche Gesamt-Lesermeinung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)


Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de):

Gelungene Einführung in die portugisische Geschichte.      5 von 5.00 Punkten       Verfasser
Dieses Buch der C.H.Beck Reihe ist absolut empfehlenswert, was bekanntlich nicht auf alle Bücher dieser Reihe zutrifft. Die Geschichte Portugals wird knapp, interessant und verständlich geschildert und setzt eigentlich keine besonderen Vorkenntnisse voraus. Besonders positiv hervorzuheben ist die Tatsache, dass in diesem Buch auch etwas auf die Geschichte der portugisischen Kolonien, allen voran Brasilien, eingegangen wird, was dabei hilft die Beziehungen zwischen beiden Ländern besser zu verstehen. Die Kolonien kommen beispielsweise im Buch "Spanische Geschichte" von Bernecker zu kurz.
Für alle die sich über die Geschichte Portugals informieren möchten, ist dieses Buch wohl die erste Adresse. Deshalb fünf Sterne!

packende geschichte kompakt geschichtet      4 von 5.00 Punkten       Verfasser
Die Dominanz der großen mitteleuropäischen Staaten innerhalb der Europäischen Union täuscht immer auch darüber hinweg, wie vielfältig Europa eigentlich ist. Gerade die kleinen Staaten an der Peripherie geraten - fatalerweise? - zu oft auch an den Rand nicht nur europäischer Politik sondern auch an den des europäischen Geschichtsverständnisses. Von Portugal weiß man oft nicht viel mehr, als dass dort sehenswerter Fußball gespielt wird und es mit der Algarve eines der schönsten Fleckchen des Kontinents hat, in dem es sich herrlich Urlaub machen lässt. Dass - und warum - Portugal "zu den ältesten und (im Hinblick auf Sprache und Kultur) homogensten Nationen" gehört und wohl eine der abwechslungsreichsten Historien überhaupt aufzubieten hat, darüber klärt dieser kleine Band auf, der mithin hilft, ein klareres Verständnis über das Land zu gewinnen.
Und es lohnt sich, denn die Geschichte Portugals an sich bietet schon viel Spannendes: Erstaunlich, wie das selbstbewusste, aber kleine Mittelalter-Königtum zur Weltmacht wurde. Erschreckend, in welch kurzer Zeit es vom global player zum Spielball der großen Mächte Spanien, Frankreich und vor allem Großbritannien verkam, (was - wie eingehend verständlich gemacht wird - nicht nur am legendären Pech lag, an der kühnen Idee eines Christoph Columbus keinen Gefallen - weil Nutzen - gefunden zu haben.) Die jahrhundertelange ökonomische und politische Unselbstständigkeit und "atlantische Ausrichtung" hinterließ dann die Spuren, die Portugal nicht nur geografisch für Europa derart marginalisierte. Aber wenn man in unserer Zeit zum Beispiel die führende Rolle Portugals bei der (vorübergehenden) Ächtung Österreichs wegen dessen Regierung mit rechtsradikaler Beteiligung verstehen will, ist es geboten, den mühsamen, aber endlich erfolgreichen portugiesischen Weg der Befreiung von dem Salazar-Regime verstehen zu lernen, welches sich am längsten von allen (quasi-)faschistischen halten konnte (1926-1974).
Wenn die Geschichte einer Nation derart viele Spannungspunkte bietet, ist es gut, kompetente Autoren zu haben, die es ohne Auslassen wesentlicher sozio-ökonomischer und -kultureller Hintergründe vermögen, die packende Geschichte Portugals in einer nie ins Akademische abfallenden Sprache zu schildern. Allerdings stellen sich an manchen Stellen doch Ungereimtheiten ein. War Salazar nun 1968 verünglückt oder ereilte ihn ein Schlaganfall? Und war wirklich "Analphabetismus [...] Voraussetzung zur Ausübung des Wahlrechts" (S.114) oder wars nicht doch eher so, dass Schreibunkundigen das Wählen bis ins 20.Jh. hinein verweigert wurde? Detailtreue erscheint gerade dann wichtig, wenn man eine so wechselvolle Geschichte für den Laien in solch vollkommener Zusammenballung zeichnet.

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