Hitler, 1936-1945
Ian Kershaw
Durchschnittliche Gesamt-Lesermeinung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 17 Bewertungen)
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de):
Hitler, Politiker und Vabanquespieler 5 von 5.00 Punkten
Verfasser Nach schon recht umfangreichen Hitlerbiographien von Werner Maser, Joachim Fest, John Toland legte der bekannte englische Historiker und Professor für neuere Geschichte, Ian Kershaw, als Letzter sein zweibändiges Standardwerk in hervorragender deutscher Übersetzung mit nicht weniger als gut 2000 Seiten und einem Registerband vor. Das umfangreiche Werk, gut lesbar, überzeugt selbst in den noch nicht bekannten Details und läßt den geschichtlich Interessierten den ganzen Umfang des Dramas in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts ungeschminkt nachempfinden. Bei aller Genauigkeit der Darstellung jener Zeit, fehlt aber völlig der Hinweis, dass bei Beginn des Rußlandfeldzuges 1941
das deutsche Heer auf ein in Angriffsposition gegliederte "Rote Armee"
stieß, die noch nicht voll abgeschlossen war, aber die Absicht des Diktators Stalin schon zuverlässig erkennen ließ. (Joachim Hoffmann, "Stalins Vernichtungskrieg 1941-1945, Planung, Ausführung und Dokumentation, erschienen bei Herbig. Walter Post, "Unternehmen Barbarossa", deutsche und sowjetische Angriffspläne 1940/41, Verlag ES Mittler)
Biographie eines rassistischen Kriegshetzers 5 von 5.00 Punkten
Verfasser Den Menschen ging es 1936 einigermaßen gut. Sie glaubten an ihren Führer und genossen ihr Leben. Hitler wollte dann von den Tschechen, dass diese das Sudetenland mit den Sudetendeutschen herausgeben. Das taten sie dann auch, ohne Krieg zu führen. Damals wollte niemand einen Krieg, denn man erinnerte sich an den ersten Weltkrieg, der grausam war und viele Tote forderte. Später wollte Hitler Polen angreifen und tat es dann auch. Er gab allerdings vor, dass die Polen den Krieg angefangen hatten. Er wollte mehr Land für die deutsche Bevölkerung. Dabei ging er äußerst brutal vor. Er ließ viele polnische Juden vergasen und ging mit Hass auf die Slaven daran, Polen zu erobern. Allerdings machte ihm am meisten zu schaffen, dass der Kommunismus in Russland herrschte. Da Karl Marx Jude war, glaubte Hitler, dass die Juden etwas mit dem Kommunismus zu tun hätten. So impfte er den Deutschen eine panische Angst vor dem "jüdischen Boschewismus" ein, der die Welt erobern und die Deutschen vernichten wolle. Außerdem wollte er mehr Lebensraum für die deutsche Bevölkerung. Er glaubte, dass die Russen militärisch nicht so gut ausgerüstet seien und hielt die Slaven für eine minderwertige Rasse, obwohl auch sie Europäer sind und wie die Deutschen eine indoeuropäische Sprache sprechen. Er dämonisierte die Russen und Polen, arbeitete aber zusammen mit den Bulgaren, die auch eine slawische Sprache sprechen. Das ist Heuchelei. Außerdem begann er den Krieg mit Großbritannien, um die Amerikaner und die Russen einzuschüchtern. Hitlers größtes Problem war, dass die Amerikaner sich irgendwann einmischen würden und so zusammen mit den anderen Alliierten den Krieg gewinnen würden. Er ließ London großräumig bombardieren. Auch die deutsche Bevölkerung verschonte er nicht. Er wollte, dass alle Deutschen in den Krieg ziehen und wollte daher die psychisch Kranken und die Behinderten loswerden. Für ihn waren sie "lebensunwertes" Leben. Also vergaste er etwa 100.000 von ihnen. Hitlers Wirtschaftsexperten warnten Hitler, dass Deutschland wirtschaftlich nicht ausgerüstet sei, um einen Zweifrontenkrieg zu führen. Da er aber von Wirtschaft nicht viel verstand, beachtete er ihre Warnung nicht und begann 1941 den Krieg gegen Russland. Der Krieg fing im Sommer an. Hitler glaubte, dass er nur bis Ende Herbst gehen würde, aber er sollte noch weitere vier Jahre andauern. Den ersten Winter hielten die deutschen Soldaten nur schwer aus. Bei Minusgraden trugen sie immer noch Sommeruniform. Viele starben den Kältetod. In Deutschland ging es den Juden immer schlechter. Bei der Reichskristallnacht wurden viele Synagogen angezündet und viele Juden zusammen geschlagen oder umgebracht. Die Nazis wussten zuerst nicht, wie sie die Juden los werden sollten. Am Anfang dachten sie, sie könnten die Juden nach Madagaskar ausweisen oder nach Südamerika deportieren. Erst später prägte Reinhard Heydrich den Begriff der "Endlösung", was bedeutete, dass die Juden in den Konzentrationslagern ermordet werden sollten. Das geschah dann auch. Insgesamt vergasten die Nazis etwa sechs Millionen Juden, dazu Sinti und Roma, Homosexuelle und russische Kriegsgefangene. Viele weitere Millionen auf allen Seiten starben wegen eines Mannes, der seine Begabung für politische Reden erkannte und seinen kranken Willen durchsetzte. Dabei wurde er selbst krank, vieleicht nicht so sehr wegen eines schlechten Gewissens, weil er soviele Menschen auf dem Gewissen hatte, sondern weil die deutsche Bevölkerung wegen ihm litt. Zweimal wurde ein Attentat auf ihn begangen, aber er überlebte und fühlte sich danach fast unverletzlich. Am Ende zitterte sein linker Arm und sein linkes Bein. Er konnte nicht mehr sehr gut sehen und alterte in den letzten Monaten und Jahren vor seinem Selbstmord schneller als normal. Er litt wahrscheinlich an der Parkinsonschen Krankheit. Wenn er diese Begabung für Rhetorik nicht gehabt hätte, wäre er nie Diktator geworden. Sein Redetalent war alles, was er hatte. Er war nie besonders gut in der Schule. Nach seiner sechzehnmonatigen Haft sollte er nach Österreich abgeschoben werden, aber dort hatte er seine Staatsangehörigkeit verloren, weil er nicht in Österreich gedient hatte, sondern in Deutschland. Wäre er abgeschoben worden, wären wir diesen unseligen Mann losgeworden. Er wusste mit seinem Leben sowieso nichts anzufangen, bis er sein Redetalent entdeckte. Es wäre weder zum Zweiten Weltkrieg gekommen noch wären Juden vergast worden. Aber leider kam es anders. Das Ende zieht sich ziemlich lange hin. Kershaw erzählt sehr genau. Auf Seiten, wo wenig passiert, ist das Buch ziemlich langamtig. Wenn aber etwas passiert, ist das Buch so spannend wie ein Roman. Am 30. April 1945 beging Hitler Selbstmord durch Kopfschuss. Wegen dieses einen Mannes und seiner Naziclique hasst uns die ganze Welt, vor allem Europa. Ich glaube, es wird noch 500 bis 1.000 Jahre dauern, bis die Greueltaten der Nazis aus dem Bewusstsein der Menschen verschwunden sein werden. Ich kann nur hoffen, dass es nie wieder Faschismus und Krieg geben wird in Deutschland. Dieses Buch ist eine Warnung an alle, die aus Unwissenheit und Naivität immer noch den Geburtstag Hitlers feiern.
Ausgezeichnete Biographie 5 von 5.00 Punkten
Verfasser Ian Kershaw versteht es auf lebendige Art und Weise den Lebenslauf Hitlers zu erzählen. Das gesamte Werk (in 2 Bänden) gibt zudem einen guten Überblick über die gesamte politische Entwicklung, sei dies für die gereizte Atmosphäre in Wien während seiner Studienzeit, während der 30er Jahre in München, nach der Machtübernahme oder in den Kriegsjahren. Absolut empfehlenswerte Biographie.
Eine nüchternes und spannendes Standartwerk 5 von 5.00 Punkten
Verfasser Der 2. Teil von Kershaws Hitlerbiographie beginnt mit der Rheinlandbesetzung 1936. Der Autor zeigt gleich am Anfang sehr prägnant und klar, was die Kernthese seines Werkes ist: Entscheidend für die Ereignisse war nicht Hitler selbst, sondern die Tatsache, dass weite Bevölkerungsteile von ihm profitierten und ihn unterstützten. Da waren die breiten Massen, Hitler brachte Brot und Spiele, die Industrie, Hitler bekämpfte die Linken und versprach billige Rohstoffe und Arbeitssklaven für die Zukunft, und das Militär, welches für viel Geld aufgerüstet wurde. Die Verfolgten des Regimes, etwa Juden, Homosexuelle und Asoziale, waren sowieso schon Aussenseiter, und die Mehrheit schaute einfach weg. Es war eben diese soziale Atmosphäre, geprägt von Eigennutz, autoritärem Denken, Vorurteilen, Anpassung und Angst, die einen Hitler überhaupt erst möglich machte. Schon mit dieser nüchternen Analyse macht Kershaw klar, dass es in seiner Biographie nicht um die Beschreibung irgendeines verrückten Diktatos geht, denn das würde, so der Autor im Vorwort, der Wahrheisfindung nicht dienen. Vielmehr schildert er auf über 1000 Seiten wie im Nazistaat die letzten Reste der Verfassung beseitigt, und die Macht immer mehr personalisiert wurde (Hitler=Macht). In einer klaren, gut lesbaren Sprache zeigt er, wie das funktionierte, in einem Staat ohne feste Zuständigkeiten, in dem jeder nur dem Führer "entgegenarbeitete", der am Ende entschied was durchgezogen wurde und was nicht. Auch die kolossalen militärischen Anfangserfolge Hitlers (1939-1941), und die weitverbreitete Sehnsucht nach Monarchie- und Gottesersatz in einer Umbruchszeit leisteten Vorschub für die Personalisierung der Macht. Der Autor lässt sich sehr viel Zeit und zeigt an Einzelbeispielen, etwa der Endlösung der Judenfrage, wie das funktioniert haben könnte. Natürlich kann er nicht hundertprozentig beweisen, dass es so war, aber es wird doch sehr plausibel, wenn man seinen klaren Ausführungen und Gedankengängen folgt. Als dann wirklich offenbar wurde wo der Zug hinfuhr, war es zu spät. Die Macht Hitlers war so weit gefestigt, dass man nichts mehr gegen ihn unternehmen konnte, so Kershaw. Den ersten deutlichen Riss zwische Hitler und grossen Teilen der Bevölkerung sieht der Autor im Jahre 1941, als viele Deutsche (am Ende erfolgreich!) gegen die Euthanasie von Geisteskranken und scherwerverletzten Frontsoldaten protestierten. Zum regelrechten Bruch kam es ,so der Autor, nach der Niederlage von Stalingrad. Hitlers Macht war aber mittlerweile so unumstritten, dass das Volk den Weg mit einem Diktator zu Ende gehen musste, der es zum Schluss mit sich in den Untergang reissen wollte.
Der Schlüssel zum Dritten Reich ist Hitlers Persönlichkeit 5 von 5.00 Punkten
Verfasser Das Werden und Sein des Dritten Reiches geht mit den privaten Ereignissen des Menschen Adolf Hitlers parallel!
- Das war für Ian Karshaw in anderen Büchern bereits ab 1914 ein lohnendes Forschungsfeld:
- Hitlers Laufbahn bis 1919 sieht er als eine Kette des Scheiterns: Zuerst als Kunstmaler abgelehnt, dann versucht sich als Raumausstatter. Auch dort nicht akzeptiert, Hitler soll kein guter Arbeiter und Kamerad gewesen sein. Als Soldat im ersten Weltkrieg gilt er als nicht beförderbar, nach vier Jahren ist Hitler immer noch Gefreiter. Anschließend sinkt er als Spitzel noch weiter, er lebt in der Halbwelt der Münchner Obdachlosenheime. Da er aus seinen Fehlern nicht lernen kann/will gibt sich zornigen Macht-Phantasien hin, mit wem er eines Tages alles abrechnen wird: Den Sozialdemokraten, den Gewerkschaften; den Juden mit ihren hübschen Geliebten, ihrem Geld und ihrer kulturellen Identität; Konfessionen, den Aristokraten, Verlagen, Justiz, den Intellektuellen mit ihrem Bildungsdünkel; den Konservativen mit ihren altnmodischen preußischen Idealen von Ordnung, Geduld und der langweiligen Behaglichkeit eines Privat- und Liebeslebens; den modernen Künstlern. All jene Gruppen hatten mit seiner Person bisher nichts im Sinn gehabt. Daß ein Mensch mit einem Verhalten zwischen Erbitterung und Bosheit von jedweder Gesellschaft abgestoßen wird, dass man sich doch auch persönlich könnte, darauf kam Adolf Hitler nicht.
- Es gab in Deutschland schon früher Menschen, die aus kleinen Verhältnisse ganz nach oben kamen (z.B. Kant oder Friedrich Ebert): Mit Geduld, persönlicher Leistung auf unterer, mittlerer und dann (legal übergeben) höchster Ebene.
Bei Adolf Hitler war es keineswegs so: Er wollte es allen zeigen, und zwar mit den abnormen Eigenschaften, ob derer er abgelehnt wurde! Gerade mit diesem nichtsozialen Ich, mit den subjektiven Methoden seiner Wahl wollte er nach oben kommen. Und bald gekrönten Häuptern gleichgestellt sein. Die Jahre zur Machtergreifung sind eine Folge aus Propaganda, Intrigen, Mordbefehlen (auch an ehemaligen Mitstreitern wie Thule oder der SA), Unwahrheiten und einer fehlenden ideologischen Leitstruktur.
- Die Misere des Landes war das zeitgleiche Zusammentreffen von Hitlers persönlicher Erbitterung und der Hang zum Selbstmitleid so vieler Deutscher nach dem verlorenen 1. Weltkrieg. Das trotzig-nihilistische Verfeuern alter Ideale und der Monarchie. Und Hitler schien für viele gewaltbereiten/ungeduldigen/desillusionieren (um die Jahrhundertwende und später geborenen) Menschen der einzige Politiker zu sein , wo das Leben in einem Tabula-Rasa Rausch wieder Sinn zu machen schien: Sie kannten die traditionellen Werte schon nicht mehr aus eigenem Erleben, ihre Eltern traten nicht mehr ein für die kulturellen, familiären und religiösen Dinge ein, die Preußen einst Weltansehen und Beliebtheit schenkte.
- Ian Karshaew schildert weitere Parallelen von Hitlers Persönlichkeit und Deutschlands Schicksal nach 1933/36.
- Die Fakten des Buches lassen vermuten, dass Hitler keine ideologische Richtschnur für sein Handeln hatte. Er hielt Reden gegen den Bolschewismus und machte einen Pakt mit Stalin. Er macht eiserne ewige Verträge mit Staaten, die ein paar Wochen später gebrochen werden. Er hält loyale Reden an die SA und lässt diese anschließend liquidieren. Er redet von Treue zu Deutschem Blute, Rasse usw. und besucht weder die Front noch fühlt er mit den zerbombten deutschen Städten oder dem verwüsteten Land, etc. ...
Deutschland war in diesem Betrachtungswinkel Objekt seiner persönlichen Karriere, man erkennt nach dem Lesen keine emotionale oder ideologische Verbundenheit des Österreichers Hitler zu seinem Gastland Deutschland, dass er wie ein auf Sieg getrimmtes Rennpferd beinahe zu Tode prügeln lies.
- Die Theorie, die Ereignisse des Dritten Reiches mal von der Persönlichkeit Hitlers als Schlüssel gesehen wird halte ich für eine spannende Angelegenheit. Der Autor würdigt auch die Intelligenz des Führers, seine Rednergabe, Organisationstalente etc. Bis 1939 fielen ja auch etliche Engländer auf Hitlers Reden Herein und hielten ihm die Stange, z.B. George Bernhard Shaw.
Andere Entstehungstheorien seines Aufstiegs, etwa aus marxistischer Sicht (das Kapital hat Hitler gemacht und nicht umgekehrt; die Revolution der internationalen Arbeiterschaft wird automatisch so ein System alsbald stürzen,???). Nein, mit solchen antiquaren Weltbildern konnte man weder das nihilistische Neue des Dritten Reiches erklären, geschweigedenn es bekämpfen.
Das Delirium der Macht 4 von 5.00 Punkten
Verfasser Ich habe dieses Buch zwar nicht bei Amazon.de erstanden,möchte es aber trotzdem bei Ihnen rezensieren.Ich habe es bis zum "Anschluss" 1938 durchgehend gelesen,weiterhin habe ich es in einzelnen Abschnitten geschmökert,danach wurde es mir zu bunt jenen Husarenritt durch die Jahre geduldig weiter zu verfolgen.Was mir bei den ausführlichen Schilderungen auffällt ist, dass jener "Mensch" Hitler gar nicht in echten politischen Begriffen zu denken und handeln scheint.Die Geschichte die er entfaltet, ist eine nicht enden wollende Reihe von hazardeusen "coups" mit denen er immer wieder neu anvisierte Gegner überrumpelt oder überrumpeln will.In der Tat handelt er mit einer Tollkühnheit und Verwegenheit eines Selbstmordkandidaten, doch, und dies war die Tragodie des damaligen Deutschlands, ohne zukunftsfähige staatstragende Konzeption.Die Erfolge, die ihn in seiner doch dürftigen "Weltanschauung" bestätigen, treiben ihn wie auf einem Höllenritt durch die Geschichte von Erfolg zu Erfolg bis ihm, ein ,durch ihn und gegen ihn ,geeintes Bündnis von Nationen das wahre Gesicht der "Vorsehung" zeigt,das seines Untergangs.Es mag durchaus sein, dass er eine historische Illustration darstellt, was Tollkühnheit und hemmungslose Besesseneheit zu vollbringen imstande ist, in Verbindung mit schonungslosem Ausnutzen von wahrgenommenen Schwächen des anzugreifenden Gegners,gestalterisch und gesellschaftlich beständig konnten seine Errungenschaften nie werden.Macht als Mittel, so erschien es ihm,der Zweck war einen Gegner damit zu vernichten,ein Politikverständnis wo es darum ginge gesellschaftliche Verhältnisse zu pflegen ,zu gestalten ,war ihm als affirmative Perspektive offensichtlich völlig fremd.Gewiss waren als Fernziel die bäuerlichen Wehrdörfer im russischen Lebensraum, doch diese Idylle wirkt ohnehin für eine industrielle Gesellschaft archaïsch und eigentlich war dies als Kernziel seines "politischen" Strebens zumindest seit "mein Kampf" im Jahre 1924 die einzige Perspektive die er als so oft gepriesene "Idee" zu bieten hatte.Fazit:armes leichtgläubiges Deutschland!
ein perfekt recherchiertes standardwerk 5 von 5.00 Punkten
Verfasser dieser zweite band von kershaw über den menschen und politiker hitler ist ein epochales werk, da es, perfekt recherchiert, zahlreiche neue aspekte einbringt. zudem handelt es sich bei dem buch um eine ideale quellensammlung für historiker und andere wissenschaftler, nicht nur die person hitler betreffend, es bietet anreiz zur näheren beleuchtung von neuen ansätzen und forschungsfragen, die bislang noch nicht ausreichend beantwortet bzw. überhaupt nicht gestellt wurden. zudem beeindruckt kershaw mit guten schreibstil, der den leser in seinen bann zieht. fazit: ein spannend geschriebenes werk, das das komplexe thema nationalsozialismus zu erklären versucht, ein schwieriges unterfangen, das eindrucksvoll geglückt ist.
Das Buch ist genial 5 von 5.00 Punkten
Verfasser Meiner Meinung nach hat sich der Autor sehr viel mühe gegeben und hat mit seiner Hitler-Biographie einen Maßstab gesetzt. Ich habe schon den ersten Band begeistert gelesen und den zweiten Band sofort nach erscheinen gekauft.
Umfangreiche Biographie an ihrem Anspruch gescheitert 2 von 5.00 Punkten
Verfasser Bereits beim Lesen von Band 1 von Kershaws vielgelobter Hitler-Biographie hatte mich Unbehagen erfasst und ich habe dies zu begründen versucht (vgl. meine dortige Rezension). Ich hatte gehofft, dass bestimmte Mängel, die ich in Band 1 kritisiert hatte (Wechselwirkung zwischen Persönlichkeit und Gesellschaft) in Band 2 behoben werden würden. Nun muß ich höchst enttäuscht feststellen, dass Kershaw dies nicht gelungen ist. Zwar hat er eindrucksvoll Quellen erschlossen, jedoch die Frage nicht beantwortet, wie Hitler möglich war und warum sein Erfolg so lange angehalten hat. Gerade ein Autor, der den Begriff des "Hitler-Mythos" geprägt hat und von charismatischer Herrschaft ausgeht, hätte untersuchen müssen, warum die Bindungskraft der Deutschen an Hitler (er spricht von einem "Führerstaat ohne anwesenden Führer") nachließ. Von der verlorenen Schlacht in Stalingrad kann man dies - der Autor hat dies selber getan - deutlich belegen. Sein Anspruch im Vorwort von Band 1, eine Biographie vorzulegen, die stärker die Wechselwirkung der strukturellen gesellschaftlichen Gegebenheiten und der biographierten Person berücksichtigt, ist der Autor nicht gerecht geworden. Gerade in Band 2 wird die Wechselwirkung von gesellschaftlichen Faktoren und Person wieder zugunsten einer traditionellen Hitler-Biographik aufgegeben. Er hat also nichts neues bewirkt. Etwas zweites kommt hinzu: Sebastian Haffner hat in seinen "Anmerkungen zu Hitler" - meiner Meinung nach das Beste, was je über Hitler geschrieben wurde (dies gilt auch nach Krockows: Hitler und seine Deutschen, s. meine dortige Rezension)den Zusammenhang zwischen dem absehbaren Scheitern des Rußlandfeldzuges, der Kriegserklärung an Amerika und dem Beginn des Holocaust (Wannsee-Konferenz) nachgewiesen: Hitler sah im November 1941 endgültig ein, dass sein Krieg verloren und sein Ziel, die Weltherrschaft zu erringen, nicht zu realisieren war. Zeit brauchte er jedoch zur Realisierung seines zweiten Zieles: der Vernichtung der Juden: daher seine Durchhaltebefehle. Dieser Zusammenhang wird bei Kershaw nicht deutlich, obwohl der zeitliche Zusammenhang offensichtlich ist. Dies liegt meiner Meinung nach daran, dass sich Kershaw zu sehr auf die vorhandenen Quellen bezieht ohne Schlußfolgerungen daraus zu ziehen. Die Frage, warum Hitler möglich war und warum gerade die deutsche Spielart des Faschismus, der Nationalsozialismus, zu einer solchen Radikalität und Totalität sich entwicklen konnte, wird nicht genügend geklärt. Krockow etwa spekuliert in seiner neuen Hitler-Biographie, wenn Hitler 1938 einem Attentat zum Opfer gefallen wäre, er durch Göring ersetzt worden wäre und es keinen Krieg gegeben hätte. Wie man auch immmer zu dieser These stehen mag, es werden hier - wie bei Fest oder Haffner neue Antworten gesucht. Der Zusammenhang zwischen Gesellschaft und Person ist deutlicher in der Hitler-Biographie von Pätzold und Weißbecker herausgearbeitet; die Tatsache, dass Hitler ein "Revolutionär" war, findet sich bereits bei Haffner und Zitelmann. Wo also ist die Berechtigung, das "Neue" an dieser vielgelobten Biographie ? Ich kann es nicht erkennen. Die Werke: "Hitlers Macht" und "Der Hitler-Mythos" zeigen deutlicher die Bedingungen des Machtaufstieges dieser Person auf als die vorliegende Biographie. Außerdem müßte deutlicher herausgearbeitet werden, dass Hitler selber ein "starker" Diktator war und gegen seinen Willen nichts möglich war. Dass es in einem totalitären Staat, der noch dazu - im Vergleich zu dem vorherigen System - äußerst populär war (zumindest bis 1940)kaum möglich war, ohne Lebensgefahr aktiv Widerstand zu leisten - worauf auch Richard Löwenthal in dem Sammelband: "Nationalsozialistische Diktatur: 1933-1945: eine Bilanz" / hrsg. von Karl Dietrich Bracher, Manfred Funke und Hans-Adolf Jacobsen (1983)hingewiesen hat, dürfte neben obrigkeitsstaatlichen Traditionen die Servilität der politischen Klasse gegenüber Hitler erklären, der die Träume der Bevölkerung (materielle Sicherheit, Beseitigung des "Schandflecks von Versailles", wirtschaftlicher Aufschwung) zunächst erfüllte, auf die Kershaw immer wieder hinweist, indem er das Zitat: "Dem Führer entgegenarbeiten" laufend zitiert. Wie gesagt, es handelt sich um eine Fleißarbeit und um eine eindrucksvolle Sammlung der bisher vorliegenden Forschungsliteratur zu dem Thema Hitler, ohne das Phänomen seines Aufstieges und Verbleibens an der Macht befriedigend erklären zu können. Ich bleibe bei der Aussage von Band 1: Wer die Wirkung Hitlers auf die Deutschen und die Frage, wie er möglich war, erklärt haben möchte, sollte in erster Linie zu Haffners: "Anmerkungen zu Hitler" oder der Hitler-Biographie von Joachim Fest greifen. Die gesellschaftlichen Aspekte werden am besten in der Hitler-Biographie von Pätzold und Weißbecker abgehandelt. Also: Eine monumentale Biographie, die ihren eigenen Ansprüchen (eine Verkettung von Person und gesellschaftlichen Bedingungen des Aufstieges und der Wirkung Hitlers zu leisten)meiner Meinung nach jedoch nicht gerecht wird.
Ganz gutes Buch, aber schlampig ediert! 2 von 5.00 Punkten
Verfasser Ich muß gestehen, daß mich dieses Buch nicht so sehr begeistert hat. Dafür ist zunächst die - wie ich meine - für ein Werk dieser Kategorie außerordentlich schlampige Edition verantwortlich. Übersetzungsschwächen häufen sich ebenso wie Rechtschreibfehler; die Schrift, in der das Buch gesetzt ist, enthält keine der in den osteuropäischen Schriften vorkommenden Sonderzeichen, so daß viele polnische, tschechische etc. Namen falsch geschrieben sind. Auf Seite 455 wechselt plötzlich mitten im Text die Schriftgröße (!); die Kopfzeile auf Seite 511 lautet "Planung eines Vernichtungskampfstungskampfes". Und dies in der 3. Auflage! Die Bilder stehen ebenso wie die (zu) wenigen und schlecht erläuterten Karten zusammenhanglos neben dem Text. Zum Inhalt: Ich glaube, daß Kershaw zwar insgesamt ein gutes und treffendes Bild des "Führes" gelungen ist, doch fehlen mir trotz der großen Materialfülle bestimmte Dinge. Es will sich kein zusammenhängendes Bild des NS-Staates ergeben; Institutionen wie KdF, Winterhilfswerk, RAD, HJ werden nur am Rande behandelt, ihre Bedeutung für das Funktionieren der Herrschaft Hitlers bleibt unklar. Ebenso vermisse ich in der Darstellung gewisse Sachverhalte von m.E. schon erheblicher Bedeutung, wie etwa die Rolle der Slowakei oder die Tatsache gemeisamer Siegesparaden der deutschen und sowjetischen Truppen nach der Kapitulation Polens. Man hätte sich insgesamt mehr Zahlen gewünscht, zum Beispiel zum Umfang der Aufrüstung. Das vorausgesetzte umfangreiche Hintergrundwissen und die Notwendigkeit weiterer Ergänzungslektüre führt dazu, daß das Buch als Einstiegsliteratur kaum geeignet ist. Für den Historiker mag es den Rang eines Standardwerkes besitzen; viele Aspekte der Persönlichkeit Hitlers wie auch der Herrschaftsstrukturen werden sehr gut beschrieben.