Hitlers Eliten nach 1945: Das Buch zur ARD-Fernsehserie
Durchschnittliche Gesamt-Lesermeinung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 3 Bewertungen)
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de):
Richtig und wichtig 5 von 5.00 Punkten
Verfasser Ich habe mich in meiner Jugend immer gefragt, warum manche der Alteren die komische Redewendung auf hart arbeitende Zeitgenossen verwendeten: "Der arbeitet ja bis zur Vergasung".
Später wußte ich es dann und noch später war mir nach Studium dieses und anderer Werke des Autors auch noch klar, wie sehr nach dem Krieg auf Kontinuität gesetzt wurde. Die Masse der Täter wandelte sich schlagartig zu überzeugten Demokraten und deckten sich sodann gegenseitig. Offensichtlich kann man eine Demokratie auch mit Leuten gründen, deren Ausrichtung ganz und gar undemokratisch ist. Begreifen kann ich diese Menschen wie Globke, Kiesinger etc. immer noch nicht, aber die Mechanismen der Macht und des Verbergens echter Überzeugungen lassen mich in Diskussionen nun hellhöriger sein. Lesenswert.
Sachlich, Kompetent, einfach gut 5 von 5.00 Punkten
Verfasser Endlich wieder mal ein Buch zum Thema, das man lesen kann, ohne das man sich zuviel über die Psyche des Autors Gedanken machen muß. Selbstverständlich wird auch hier genügend Empörung gezeigt gegenüber der Aufarbeitung des dritten Reiches, wie es allgemein üblich ist, aber wenigstens in einem Rahmen, das die Sachlichkeit des Buches nicht darunter leidet. Wie in jedem großem Regime, wie in jeder großen Firma gibt es immer die Kreise der Richtungsgeber, der Intriganten, Karrieristen, der Mitläufer und derer die dabei sind, nur um keinen Schaden zu erleiden oder um "anders" dazustehen. Und wie in jedem großem Regime oder in jeder großen Firma ist es üblich, wenn die Köpfe wechseln, das die Personalstamm bleibt. Es muß ja weitergehen und man "braucht" (voerst) die Masse Fachleute, im guten wie im bösen. Und Verurteilen kann die Geschichte die Menschen später immer noch. Besonders interessant ist es beim Thema Nachkriegszeit. Es wurden Täter gebraucht und "Bauernopfer", aber der Kern des Bürokratismus, der Forschung u.a. wurde weiter benötigt und mußte verschont werden. Dieses Buch legt diese Zeit klar offen, Wer warum verurteilt wurde, Wer warum nicht und es ist von seiner tieferen Bedeutung auf jedes Regime der Welt umzudeuten. Ganz neue Perspektiven ergeben sich über die "Nicht-Aufarbeitung" des dritten Reiches, wie es von der 68er Bewegung immer wieder bis in heutige Zeit kritisiert wurde. Es zeigt sich, alles hat irgendwo einen Grund.
Top-Leute Hitlers und ihre Karrieren nach 1945 5 von 5.00 Punkten
Verfasser Dieses 2001 im Campus-Verlag erschienene und in einer ARD-Dokumentationsreihe verfilmte Werk zu Leben, Wirken und Nachkriegskarriere deutscher Eliten unter Hitler ist nun auch als dtv-Taschenbuch erschienen. Wissenschaftlich fundiert UND verständlich, sachlich UND fesselnd verfasste Geschichtsliteratur - gibt es die? Ja! Prof. Dr. Norbert Frei von der Ruhr-Universität Bochum und seinen CoAutoren gelingt dies beeindruckend. Man spürt beim Lesen, dass hier historischer Sachverstand und Schreibkompetenz zusammentreffen. Beispielsweise bei der Schilderung von Unternehmerkarrierien vor und nach 1945 oder Journalisten, die den Vernichtungskrieg propagierten und nach dem Ende des Nationalsozialismus als "Verteidigungskrieg" verharmlosten. So z.B. der NS-Pressesprecher Ribbentrops und SS-Obersturmbannführer Paul Karl Schmidt alias Paul Carell, der noch 1944 Tipps für die propagandistische Rechtfertigung der Deportation und Vernichtung der Juden in Ungarn gab (S.240ff.). Aber auch alle anderen Fallbeispiele sind lesens- und nachdenkenswert. Zwei weitere seien abschließend genannt: Reinhard Gehlen war Hitlers Spionagechef für den Krieg im Osten. Nach dem Krieg baute er den bundesdeutschen Geheimdienst BND auf (S.121f.). Generalfeldmarschall Erich von Manstein, 1949 wegen Kriegsverbrechen zu 18 Jahren Haft verurteilt und Rechtfertiger der Massenerschießungen der SS-Einsatzgruppen in Zusammenarbeit mit der Wehrmacht, stieg nach dem Krieg zum Vorsitzenden des gemeinsamen Verteidigungsausschusses von Bundestag und Bundesrat auf (S.125f.) Das Werk ist unbedingt zu empfehlen!