Wein & Krieg: Bordeaux, Champagner und die Schlacht um Frankreichs größten Reichtum
Petie Kladstrup
Durchschnittliche Gesamt-Lesermeinung: 3.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 9 Bewertungen)
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de):
Eine Ansammlung hoch interessanter, gut recherchierter, teils unglaublicher Geschichten. 4 von 5.00 Punkten
Verfasser Wussten Sie, dass beim wohl bekanntesten Champagner Frankreichs bereits im Namen die ganze Dimension von zwei Weltkriegen mitschwingt? Das "Veuve" aus "Veuve Cliquot" bedeutet "Witwe" und ist Zeichen des pragmatischen Überlebenswillens der Kriegswitwen, die ihre Männer im Ersten Weltkrieg verloren hatten und die Geschäfte zwangsläufig allein weiterführen mussten. Die Witwe Cliquot hat den Namen ihrer Champagnerie weit über die Grenzen Frankreichs hinaus zu einem Synonym für Geschmack, Klasse und Exklusivität gemacht.
Mit dem Einmarsch der Deutschen im Land des Weines fürchteten die Winzer um ihre Weinberge und natürlich um ihre Weine. Hitlers ausdrücklicher Befehl lautete, die wertvollsten nach Deutschland zu transportieren. Um dies zu verhindern, ließen sich die Franzosen jede Menge einfallen: Unmengen an Weinen wurden in entlegenen Winkeln der Weinkeller eingemauert, in der Hoffnung, die Deutschen würden die besten Tropfen nicht finden. Weniger wertvolle Weine wurden umetikettiert und als erstklassig verkauft. Nebenbei wurden Informationen an die Résistance weitergegeben: Deutsche Generäle orderten etliche Flaschen mit der Beschriftung "Reserviert für die Wehrmacht"; dieser Hinweis stellte sich als wertvoll heraus, denn um die Soldaten bei Laune zu halten, wurde Alkohol an diejenige Front geschickt, die als nächstes im Begriff war, anzugreifen.
Derlei gibt es viele Geschichten zu erzählen und den Autoren Don und Petie Kladstrup gelingt dies in ihrem Buch "Wein & Krieg", aus dem Englischen von Dietmar Zimmer übersetzt, äußerst charmant, ohne jeweils die Sensibilität und das Gespür für die Gefahr, die damals in jedem dieser "Schelmenstücke" steckte, vermissen zu lassen. Zahlreiche Schwarzweißabbildungen unterstützen die Darlegung der spannenden Ereignisse.
Es war ein ständiger Drahtseilakt, dieses Geschäftetreiben mit dem Feind. Glücklicherweise gab es auf Seiten der Deutschen einige frühere Weinhändler, die während der Besatzung hohe Ämter bekleideten und dessen Weinliebe größer war als die Habgier der meisten Deutschen. Diese dachten auch an eine Zeit nach dem Krieg und bemühten sich um gute Beziehungen zu den Franzosen.
"Wein & Krieg" ist eine Ansammlung hoch interessanter, gut recherchierter, teils unglaublicher Geschichten, die von mutigen, tragischen und anrührenden Schicksalen handeln!
Wein, Lebenselexier nicht nur der Franzosen!! 4 von 5.00 Punkten
Verfasser Nach der Lektüre dieses Buches trinkt man das nächste Glas Wein mit Sicherheit mit mehr Respekt vor diesem edlen Getränk.
Sehr schönes Buch, das den 2. Welttrieg aus einer völlig neune Perspektive beleuchtet.
In den Text sind schöne Bilder eingebunden, die leider erst im Anhang näher erleutert werden.
Thematische Sprünge erschweren stellenweise das Lesevergnügen, was den interessanten Geschichten dieses Buches jedoch keinen großen Abbruch tut.
"Die Geschichte ferner Kriege erscheint in einem milderen Licht" 4 von 5.00 Punkten
Verfasser Ein sehr informatives Geschichts- und Weinbuch.
Der hier vorher kritisierten "Bedienung von Klischees", kann ich mich nicht anschließen. Es handelt sich um recherchierte, persönliche Geschichten, verschiedener Winzerfamilien, während des 2ten Weltkriegs. Hauptakteure sind die Winzer, die Menschen hinter dem Wein, nicht der Wein an sich. Das es in deren Erinnerungen "menschelt" ist nur zu natürlich, wird aber von den Autoren auch berücksichtigt, z.B. durch das, im Titel dieser Kritik, genannte Zitat.
Persönliche Erlebnisse werden nicht als geschichtliche Tatsachen verkauft und sollten so gelesen werden wie sie sind, persönlich, berührend und subjektiv. Dann kann der Leser mit Begeisterung in diesen Geschichten abtauchen und ein etwas anderes Weinbuch genießen.
Politische Abläufe und Zitate werden in der ausführlichen Bibliographie belegt.
Ein Stern Abzug für die verbesserungsfähige Chronologie. Auch die Bilderläuterungen,hätte ich mir bei den Bildern und nicht im Anhang gewünscht.
Und das in der Erinnerung an eine Unterhaltung im Stalag, die Lage Echezeaux von Vosne Romanée, als Bordeaux benannt wird anstatt als Burgund, Erinnerungs- oder Druckfehler, was soll`s? Wer hier Weinbewertungen erwartet hat das Thema nicht verstanden.
Plumpe Bedienung von Klischees 1 von 5.00 Punkten
Verfasser Als ich das Buch "Wein & Krieg" kaufte, freute ich mich auf leicht und flüssig geschriebene, journalistisch aufbereitete Darstellung der Weinindustrie Frankreichs während der Zeit der deutschen Besatzung. Ich hatte den Eindruck, daß man aus dem Buch auf angenehme Weise etwas hinzulernen könnte. So dachte ich nach flüchtigem Durchblättern. Also machte ich es mir mit einem guten Glas Rotwein und dem Buch am selben Abend noch gemütlich.
Aber das Buch war eine komplette Enttäuschung.
Dieses Buch wurde wohl zunächst für den amerikanischen Markt geschrieben. Es bedient sich simpelster Sprache und plattester gefühlsgeladener Darstellung. Es läßt viele Franzosen zu Wort kommen und gibt ihnen ausführlich Gelegenheit an dem von ihnen so geliebten Mythos zu arbeiten, daß es keine Kollaboration gab und alle Franzosen zumindest inoffiziell in der Resistance waren. Zwar wird am Ende gesagt, daß nach Kriegsende 170.000 Franzosen wegen Kollaboration verurteilt wurden. Doch wird gleichzeitig dargestellt, daß es sich dabei eigentlich um rachedurstige Hetzkampagnen und Denunziation der Mitbürger handelte, die schnell eingestellt wurden.
Wer das Buch liest, weiß am Ende, daß alle Franzosen Helden des Widerstandes waren und das Vichy-Regime verachteten. Über Wein erfährt man wenig, außer, daß es schwierig war, die Produktion während des Krieges aufrechtzuerhalten - das hätte ich mir fast auch so schon denken können - und daß man den Deutschen immer den schlechtesten Wein geschickt hat, weil die sich sowieso nicht damit auskannten.
Dabei hätte das Thema so viel hergeben können. Einige Male gibt es Ansätze dazu: wenn zum Beispiel davon erzählt wird, wie die unter menschenunwürdigen Umständen im deutschen Kriegsgefangenenlager lebenden französischen Kriegsgefangenen ein Weinfest veranstalten. Da wird Geschichte lebendig. Aber leider nur für drei Seiten. Es gibt noch ein oder zwei weitere Highlights. Wie zum Beispiel die französischen Truppen den amerikanischen ein Schnippchen schlagen und zuerst am Alpenwohnsitz Hitlers eintreffen und dort den riesengroßen Weinvorrat des Weinverächters Hitlers auf Krankentragen abtransportieren.
Doch auch da hätte man mehr erwartet. Laß es insgesamt vielleicht 10-15 Seiten sein, die das Buch lesenwert machen. Der Rest ist plumpe Bedienung von Klischees und aufs gröbste vereinfachte Geschichtsschreibung ohne geistigen Mehrwert. Ein Fall für Altpapier.
Viele bitter-witzige Anekdoten; flüssig und kurzweilig 4 von 5.00 Punkten
Verfasser Ein empfehlenswertes Buch, und zwar nicht nur für Weinliebhaber, sondern auch für Geschichtsinteressierte.
Die Autoren zeigen anhand humoriger und rührender Anekdoten, wie die Verteidigung ihres vielleicht wichtigsten Kulturguts neben der Sprache die Franzosen im zweiten Weltkrieg zu den aberwitzigsten Maßnahmen inspirierte und zum Sinnbild eines stillen Widerstands wurde.
Nebenbei erfährt der Leser auch einiges darüber, wie die Franzosen und die deutschen Besatzer sich trotz aller Spannungen häufig zu arrangieren wussten. Es wird keineswegs durchweg das Klischee der barbarischen Deutschen bedient, sondern vor allem gezeigt, wie einige Deutsche, unter ihnen der Weinimporteur und von den Nazis ins Burgund entsandte Adolph Segnitz, schon im Krieg versuchten, die menschlichen Grundlagen für eine Zusammenarbeit nach Kriegsende zu erhalten.
Das Buch ist flüssig und stilistisch für seine Bedürfnisse einwandfrei geschrieben.
Frankreich - ein Wirtshaus auf 8o Einwohner 5 von 5.00 Punkten
Verfasser Man könnte annehmen, dass der Kampf der französischen Winzer gegen die deutschen Truppen, die ihnen ihre Wein- und Champagnervorräte erst stahlen und spätrer billigst abkauften, nicht einmal einer Anmerkung in der Geschichte des 2. Weltkriegs wert wäre. Wenn man allerdings dieses Buch gelesen hat, denkt man anders.
Eineinhalb MIllionen französische Familien waren vor dem 2. Weltkrieg ökonomisch vom Weinbau abhängig. Wein war für die Franzosen aber auch ein Symbol für Prestige, Macht und Lebensart - und das störte (und reizte) die Nazis. Und so gelangten viele Millionen Flaschen Wein und Champagner nach Deutschland - entweder gestohlen oder unter ihrem Wert bezahlt.
Chef dieser deutschen Räuberbande war Göring, der sich seinen privaten Weinkeller mit gestohlenen Weinen auffüllen ließ. Eben dieser Göring ordnete übrigens auch an, dass ein Franzose mit 1200 Kalorien am Tag auskommen müsse; ältere Me4nschen mit 850(!). Frankreich wurde zum bevorzugten Raubgebiet für alle Arten von Lebensmitteln.Dass dann die Winzer - und nicht nur diese - sehr schnell die Resistance unterstützten und dabei große Kreativität bewiesen, ist nicht weiter verwunderlich.
Alles in allem ein informatives, oft berührendes Buch (Schicksale diverser Familien!), das man auch Nicht-Weintrinkern empfehlen kann.
Übrigens: Hitler hatte keine blasse Ahnung von (guten) Weinen!
Gepanscht 1 von 5.00 Punkten
Verfasser Trotz der hochwertigen Aufmachung und des eigentlich renommierten Verlages hält das Buch nicht was es verspricht. Es geht eigentlich zu wenig um Wein, als eher darum antideutsche Klischees aufzuwärmen. Der peinlichste Hammer ist aber, daß auf Seite 223 die recht bekannte Lage Echezeaux als Bordeaux beschrieben wird, obwohl es sich hierbei um Burgund handelt. Man muß kein ausgewiesener Weinkenner sein, um dies zu wissen. Man kann sich das Geld für dieses Buch wirklich sparen und lieber in eine gute Flasche Wein investieren, von mir aus auch gerne französischen.
Schade, Schade, Schade 1 von 5.00 Punkten
Verfasser Ein tolles Thema, sachkundig recherchiert und sorgfältig zusammengetragen. Aber leider schlecht umgesetzt. Warum hat der Verlag Klett Cotta den Lektor eingespart? Das Buch hat leider in der vorliegenden Form überhaupt keine Struktur. Die chronologische Aulistung der Ereignisse sorgt bei üer 20 Schauplätzen und Regionen, sowie über 50 handelnden Personen für viel Verwirrung, heftige Sprünge und beim Leser für mühsames durcharbeiten. Und immer wenn es polisch wird (Einschätzung Petain), wird es peinlich. Schade.
Weinbuch des Jahres 5 von 5.00 Punkten
Verfasser Für mich das Weinbuch des Jahres! Ein beinahe vergessenes Stück Weingeschichte des 20. Jahrhunderts. Kenntnisreich, gut recherchiert, lebendig und spannend beschrieben. Dieses Buch sollte in keiner gut sortierten Weinbibliothek fehlen.