Gott: Eine kleine Geschichte des Größten
Manfred Lütz
Durchschnittliche Gesamt-Lesermeinung: 3.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 88 Bewertungen)
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de):
Hilfreich und lesenswert - leider konfessionell verengt 4 von 5.00 Punkten
Verfasser Der Titel hat mich lange davon abgehalten, dieses Buch zu lesen; Anmaßung und Halbwissen vermutete ich darunter. Aber hier schreibt einer, der sich auskennt. Lütz hat Theologie studiert und steht zu seinem Glauben, kennt aber auch die Argumente der Gegner. Tätig ist er aber auf einem anderen Gebiet, der Psychotherapie; wahrscheinlich liegt es daran, daß er allgemeinverständlich, fern vom theologischen Jargon, schreibt. Man darf sich aber durch die saloppe Schreibweise nicht täuschen lassen: was da steht, hat es oft in sich und hilft einem, vieles in neuem Licht zu sehen, etwa wenn er im Anschluß an Feuerbach ("Gott ist eine Projektion") die Frage stellt, ob nicht auch die Rede von der Nichtexistenz Gottes eine Projektion von Wünschen und Ängsten sein kann.
Unangenehm ist die konfessionelle Enge des Autors, der unter Christentum hauptsächlich seine katholische Konfession versteht. Vom Calvinismus z.B. scheint er nur die gängigen Klischees zu kennen. Er widerspricht - zu Recht - dem Bild von der Wissenschaftsfeindlichkeit der katholischen Kirche, zeichnet aber dafür - im Einklang mit dem Papst - mit an dem Bild von der Vernunftfeindlichkeit des Protestantismus. Etwas zu vollmundig kommt mir auch die Aussage daher, daß mit der Quantenmechanik der Atheismus alter Schule widerlegt sei. Daß ohne Glauben entweder das Chaos oder der Polizeistaat drohen, ist mir auch etwas zu einfach; auf jeden Fall kann es - gerade wenn man den Gedanken des Autors folgt - kein Argument für den Glauben an Gott sein.
An diesen und vielen anderen Stellen würde man gerne mit dem Autor ins Gespräch kommen. Aber das ist ja auch das Sympathische an dem Buch: daß es wie ein Gesprächsbeitrag wirkt und man es selbst dann gerne liest, wenn man nicht ganz mit ihm einverstanden ist.
naja... 3 von 5.00 Punkten
Verfasser Habe das Buch zu Weihnachten bekommen, und zu Beginn dachte ich noch "schön, unterhaltsam geschrieben, mit netten Anekdoten gespickt, nicht schlecht!"
Im Laufe des Buches aber fragte ich mich immer mehr, wo denn nun die atheistische Seite denn auch so beleuchtet wird wie die katholische....
Gut, ich kenne nun die grobe Interpretation der Sixtinischen Kapelle und weiß, was Freud und Jung mit Pornodarstellern zu tun haben, aber für wirklich kritische Leser wird das Buch keine brauchbaren Antworten liefern. Was wissenschaftliche Erkenntnisse oder wirkliche Beweise angeht rate ich dringend von diesem Buch ab.
3 Sterne gibts nur für den zuweilen wirklich unterhaltsamen Schreibstil...
Gehaltlose 1 von 5.00 Punkten
Verfasser Wie schade! Als diskussionsfreudiger Atheist bin ich immer sehr an pro-religiösen Streitschriften interessiert. Leider macht Manfred Lütz nicht einmal einen Versuch, durch ernsthafte Argumentation zu überzeugen. Sein gesamtes Buch besteht nur aus Stimmungsmache, Anekdoten und kleinen Geschichten über Feuerbach, Einstein oder Nietzsche. Wenn überhaupt einmal Argumente gebracht werden, dann sind es primitive Fehlschlüsse, die in der seriösen Religionsphilosophie längst widerlegt wurden. Etwa die Behauptung, der Atheismus müsse in den Amoralismus führen, während es in Wirklichkeit genau umgekehrt ist: Es ist nämlich die religiöse Moralbegründung, die zum Scheitern verurteilt ist. Stichwort: Euthyphrons Dilemma.
Uralte Kamellen wie Pascals Wette werden aufgewärmt, wobei die Besprechung dieser "Argumente" so oberflächlich bleibt, dass die schreienden Logikfehler kaschiert werden. So werden natürlich auch die thomistischen Gottesbeweise angeführt, ohne auf die Gegenargumente von Hume und Kant (zwei der größten Philosophen aller Zeiten) auch nur einzugehen.
Unterm Strich gibt es über dieses Buch eigentlich nichts positives zu sagen. Es ist weder als Verteidigung noch als Geschichte der Religion gelungen. Vielmehr ist es eine Propaganda im schlimmsten und dümmsten Sinne des Wortes. Ein gläubiger Katholik, der nach billiger Munition sucht, wird dieses Buch vielleicht mögen. Wer an Argumenten interessiert ist - egal ob er Atheist oder Christ ist - sollte sich anderswo umsehen.
Wer ist Gott für uns Menschen? 5 von 5.00 Punkten
Verfasser Manfred Lütz wurde 1954 in Bonn geboren. Er studierte Medizin, Philosophie und Katholische Theologie in Bonn. Wurde zunächst Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie, dann Chefarzt im Krankenhaus von Köln-Porz. Er ist Mitglied des "Päpstlichen Rates für die Laien" und Berater der vatikanischen Kleruskongregation. Er ist verheiratet und hat zwei Töchter.
Lütz hat mehrere Fachbücher im Bereich "Psychotherapie" geschrieben wie: "Irre. Wir behandeln die falschen" oder "Der blockierte Riese - Psychoanalyse der katholischen Kirche und "Lebenslust - Wider die Diät-Sadisten, den Gesundheitswahn und den Fitness-Kult". Im religiösen Bereich setzte er sich mit dem Kirchenkritiker und Psychotherapeuten Eugen Drewermann auseinander, dem er wissenschaftlichen Dilettantismus vorwarf.
2008 wurde Lütz' Buch Gott. Eine kleine Geschichte des Größten mit dem Internationalen Literaturpreis Corine ausgezeichnet.
Sein Buch "Gott" ist eher ein populärwissenschaftliches Buch. Es fließen viele Überlegungen hinsichtlich des Glaubens der Menschen an Götter ein. Nicht nur der Gott der Katholiken wird hier behandelt, sondern alle möglichen Vorstellungen über Gott, die die Menschen im Laufe der Geschichte gehabt haben: Buddha, der Gott der Atheisten, aztekische Gottheiten, unbewusste freudsche Gottheiten, der platonische Gott, Feuerbach und sein Gottesverständnis usw.
Viele Erfahrungsberichte des Autors fließen auch mit ein; er erzählt über seine Religionslehrer in der Schule, über die Arbeit mit behinderten Personen, über die Welt der Akademiker. Und er stellt ganz viele Fragen hinsichtlich festgefahrener, sich in der Gesellschaft etablierten Meinungen und versucht eigene Antworten darauf zu geben.
Das Positive an diesem Buch ist, dass es leicht verständlich geschrieben ist und dass viele geschichtliche Daten enthalten sind. Das etwas weniger positive ist, dass Lütz ein Thema oder eine Fragestellung nicht wirklich zu Ende denkt. Es fehlt an Tiefe. Immer wenn eine Betrachtung gerade spannend wird, wechselt er das Thema. Jedenfalls ist das Buch empfehlenswert für jene, die selbst weiter denken möchten. Eine dieser Fragen die zum weiterdenken anregt ist die Überlegung, dass wenn Gott nicht existiert, alle die davon ausgehen, dass er existiert, pathologische Naturen sind bzw. der Glaube dann sinnlos ist; aber wenn er existiert, und ich ein Atheist bin, dann gilt mein Glaubensverhalten als Flucht. Es sind wichtige Fragen, denn wir Menschen brauchen Beweise, wer will schon ohne Beweis an etwas glauben? Vielleicht muss man Mystiker sein um an Gott glauben zu können, d.h. man muss nicht nur dreidimensional sehen wollen und können sondern mehrdimensional oder pantheistisch. Manfred Lütz wirft auch die Frage auf, was objektiv und was subjektiv sei und welche der beiden Seiten wirklicher sei.
Das Außen, also die eher objektive Seite ist für mich wie die Meeresoberfläche, Innen hingegen, im eher Subjektiven bilden sich verschiedene Denkkonstrukte, die das gesamte Innere beanspruchen. Der Mensch kann sich jedenfalls freiwillig für eine Theorie entscheiden. Ich kann mich entscheiden an Gott zu glauben. Sobald sich der Mensch für eine Sichtweise entscheidet, ändert sich unweigerlich sein Bewusstsein und seine Einstellung zum Leben.
Somit ist dieses Buch für mich zumindest eine Bereicherung im geistigen Sinne gewesen, weil es mich zum weiterdenken angeregt hat.
Hier noch ein paar Sätze aus dem Buch:
In einer selbst gebastelten Welt ist kein Platz für Gott
Wenn die meisten an Gott glauben und sich zu ihm aktiv bekennen, dann gibt es eine starke psychologische Tendenz, das auch zu tun. In Gesellschaften, die noch ganz religiös geprägt waren, erforderte ausdrücklicher Atheismus Mut und war begründungsbedürftig, während der Glaube bisweilen widerstandslos vor sich hin plätscherte. "Man" glaubte halt. In Gesellschaften, in denen Gott außer in abgegrenzten zeitlichen und örtlichen Bezirken kaum mehr vorkommt, erfordert ausdrücklicher Glaube inzwischen Mut und ist begründungsbedürftig, während der praktische oder theoretische Atheismus eines dahinplätschernden Lebens ohne Gott jetzt keiner Begründung mehr bedarf. Das Bedürfnis zur Mehrheit, zu den Siegern zu gehören, ist bei vielen übermächtig.
Atheismus aus Hass auf Gott, auf den einmal nicht (wie noch bei Feuerbach) die Wünsche und Sehnsüchte der Menschen projiziert werden, sondern die Aggressionen und Enttäuschungen eines ganzen menschlichen Lebens.
Atheismus aus Respekt vor Gott.
Schon das Alte Testament berichtet von handfestem Atheismus. In Psalm 10 heißt es: "Überheblich sagt der Frevler: Gott straft nicht. Es gibt keinen Gott."
Der Gott der Wissenschaftler, das war offenbar seitdem entweder ein tyrannischer Gott, der die Freiheit des Denkens und Forschens verhindern wollte und gegen den man sich insgeheim oder öffentlich zur Wehr setzen musste. Oder es war ganz im Gegenteil ein privater harmloser selbst gemachter lieber Gott, der aber nicht wirklich ernst zu nehmen war und der sich im Sturm des Lebens sehr schnell vom Winde verwehen ließ.
Nun gibt es aber zu allen Zeiten immer einige enge konservative Geister, die sofort in jeder Veränderung Teufelswerk sehen.
"Werdet katholisch!" 1 von 5.00 Punkten
Verfasser Ist die Hauptaussage des Buches.
Ich habe das Buch im Religionsunttericht durchgearbeitet.
Das Buch hat wirklich viele interessante Ansätze, ist aber nur ein loses Sammelsorium von Meinungen anderer.
Am Anfang wird einem noch ein ausgewogen polemischer Stil präsentiert. Gegen Ende wird's fast lächerlich einseitig. Atheisten werden dadurch indirekt beleidigt und fast schon für bescheuert abgestempelt. Das Buch für eine Missionierung von unentschlossenden geeignet, denen es etwas an Eigeninitiative (oder Intelligenz?) fehlt... mehr oder weniger... aber eher weniger. Mich haben seine einseitigen Argumente jedenfalls am Endeffekt kein bisschen beeindruckt, da er Sie zu wenig in Kontrast zu den Gegenargumenten gestellt hat. Ich habe schon bessere Argumentationen von Realschülern gehört. U
nterhaltsam wars allerdings trotzdem.
Nicht den Erwartungen gerecht gewesen 3 von 5.00 Punkten
Verfasser Entgegen den Erwartungen wesentlich komlizierter geschrieben als angepriesen. Habe das Handtuch nach 10 Seiten geworfen. Mal sehen ob ich das Buch später nochmal reaktiviere und einen neuen Versuch starte.
Thema weitgehend verfehlt 1 von 5.00 Punkten
Verfasser Da läßt uns der gute Lütz teilhaben an seinem persönlichen, gut katholischen Gott. Und verkündet bei dieser Gelegenheit auch noch Fundamentalerkenntnisse wie das der Atheismus tot sei (angeblich sei er an der Quantenphysik gestorben, ein Fachbereich, in dem Lütz ebenso kenntnisreich ist wie in dem, über den er dieses Buch schrieb), das die Aufklärung gescheitert sei (bei Lütz selbst ist das sicherlich richtig) und das (ausgerechnet) Nietzsche der Wegbereiter des (Katholiken) Hitler gewesen sei. Außerdem hätten die im Namen seines Gottes abgeschlachteten Indianer ja eigentlich Glück gehabt, dass sie so wenigstens nicht von ihren eigenen Pristern geopfert werden konnten. Kirchengeschichte wird auf das reduziert, was man als katholischer Theologe gerne glauben möchte, lästige Fakten werden besser nicht zur Kenntnis genommen. So lebt es sich dann leichter.
Das Buch fällt in die Kategorie "pfeiffen im dunklen Wald". Wenn ich es mir nur lange genug einrede, dann verschwindet all der Widersinn des Christentums, das biblische Monster und die Unheilsgeschichte der Kirche einfach und Lütz Kinderkatholizismus ist gerettet.
Existiert Gott und falls ja: Kann er sich wirklich kein besseres Marketing leisten?
ein oft verschwiegenes Thema unvergleichlich behandelt 5 von 5.00 Punkten
Verfasser - eine lebensnahe und lebensbejahende Nah- und Fernsicht auf "den Größten"
- ohne Anspruch auf "die Wahrheit" und mit viel Respekt vor nichtchristlichen Denk- und Lebensformen
- auch für mich als Christ mit zum Teil ganz neuen Perspektiven
- Darstellung ohne religiöses "Brimborium" --> kann sicher ein guter Einstieg für Sinn- und Wahrheitssuchende mit atheistischem Hintergrund, sich diesem für diese Personengruppe oft schwierigem Thema eines "Allmächtigen" zu nähern
Unehrliche Wortverdreherei -- Respektlos 1 von 5.00 Punkten
Verfasser Hier wird nicht philosohisch und theologisch gespielt sondern einseitig Argumentiert.
Alles was ich hoffte auch zwischen den Zeilen zu lesen wirkt aufgesetzt und unecht.
Schade um die Zeit es zu lesen.
Auch wenn es schon alle wissen:
Hitler ist in einer katholischen Familie aufgewachsen und hat bis zu seine Suizid Kirchensteuer bezahlt.
Deshalb sind nich alle Katholiken Massenmörder.
Hält leider nicht, was es verspricht 3 von 5.00 Punkten
Verfasser Zunächst einmal: Ich bin gläubig. Dass ich das heute so sagen kann, liegt auch an der großen Gnade, dass ich ein Begabtenstipendium beim christlichen Cusanuswerk hatte, wo ich wirklich lebendigen Glauben und kompromisslose Auseinandersetzung erleben durfte und darf.
Und dennoch: Mein Gottesbild ist nicht wirklich fertig. Mein Gottesbild ist sogar- trotz aller oft empfundenen Nähe zu Gott- völlig unklar.
Und diese Unklarheit wurde durch die Lektüre dieses Buches noch verstärkt.
Ich beurteile das Buch sehr zwiespältig. Lütz gibt sich den Auftrag, Gott zu erklären. Dann aber geht es nicht um Gott, den ich wesentlich universaler ansetzen würde, sondern um den Gott der katholischen Kirche. Ich muss sagen, dass ich es schon vermessen finde, das Glaubensbekenntnis, das den Satz "Wir glauben an (...) die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche" beinhaltet, als Glaubensbekenntnis "das die Christen aller Konfessionen eint" zu bezeichnen. Und dazu noch zu schreiben "Alles andere - können Sie vergessen". (S. 239/ 240)
Und derartige Hämmer finden sich viele: Einseitige Aussagen, einseitige Auslegungen, "Beweise" die mit dem Beispiel eines einzelnen Menschen geführt werden, usw.
In dieser Hinsicht hat mich das Buch sehr geärgert, denn ich fand es eitel, geschwätzig und überheblich.
Und dennoch sind ein, zwei Punkte darin, die mich berührt haben. Das Buch hat es geschafft, dass ich meinen eigenen Gedanken über Gott Raum gebe, mein eigenes Gottesbild überdenke und mir die unglaubliche Größe Gottes voller Ehrfurcht bewusst mache, zumindest versuche ich es.
Dass der Umgang mit Menschen sich verändert, wenn man bedenkt, dass jeder Mensch Gott ist, jeder Mensch Gottes geliebtes Kind, war mir zwar schon klar, ist aber durch die Lektüre wieder neu in mein Bewusstsein gerückt. So gesehen kann ich das Buch nicht ablehnen- aber empfehlen kann ich es auch nicht wirklich.