Star Wars Wächter der Macht 6: Inferno

Troy Denning

Durchschnittliche Gesamt-Lesermeinung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 3 Bewertungen)


Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de):

Gute Überleitung zum Finale      3 von 5.00 Punkten       Verfasser
"Inferno" merkt man den Brückenstatus an.
Nach dem ersten Höhepunkt der Reihe in "Opfer", spannt Inferno den Raum wieder auf, um den abschließenden drei Büchern mehr Möglichkeiten zu geben. Das ist löblich, aber nicht wirklich spannend.
Die drei Sterne beziehen sich dann auch nur auf das Buch im Hinblick auf die gesamte "Wächter der Macht"-Reihe, welche ich großartig finde. Es ist einfach etwas schwächer als die Vorgänger.

Ein Licht am Ende des Tunnels      4 von 5.00 Punkten       Verfasser
Es geht bergauf. Der nunmehr sechste Wächter der Macht, mit Namen "Inferno", beweist einmal mehr, das in der Kürze die Würze liegt und dass die Hoffnung zuletzt stirbt. Ausgerechnet von Troy Denning, dem Autor von "Das Ultimatum" (NJO 9), der Dark Nest-Trilogie und jeweils drei Bänden der "Wächter der Macht" und der "Das Verhängnis der Jedi"-Reihen hätte ich eine Leistung wie diese allerdings nicht erwartet. Nach zuletzt vier eher enttäuschenden Bänden schafft es Denning mit "Inferno" erstmals wieder an den Auftaktband "Intrigen" von Aaron Allston anzuknüpfen - sein Werk hat Tempo ist spannend, bringt die Geschichte ein gutes Stück weiter...

Alle Bücher des 1958 geborenen Denning - alias Richard Awlinson - zeichneten sich in meinen Augen vor allem dadurch aus sprachlich wie erzählerisch äußerst unspektakulär und letztlich wie für Drei-Sterne-Rezensionen prädestiniert zu sein. Eine Art graue Maus unter den Star Wars-Autoren, einer von dem ich noch nie etwas wirklich Gutes, aber auch noch nie etwas richtig Schlechtes gelesen habe.

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ACHTUNG: WÄCHTER DER MACHT 5 - SPOILERWARNUNG für den nächsten Absatz

Und fast bin ich nun verleitet, dieses Urteil zu revidieren. "Inferno" ist ein tolles Buch und würde es nicht an den generellen Glaubwürdigkeitsproblemen der Reihe kranken, wäre es ein noch besseres geworden. Das Buch knüpft - oh Wunder - direkt an Karen Traviss "Opfer" an. Nach dem Tod seiner Frau Mara ist Luke Skywalker verschlossen und vernachlässigt seine Pflichten als Großmeister des Jedi-Ordens, während sein Sohn Ben fieberhaft den Mörder seiner Mutter sucht. Und das in einer Zeit in der der Krieg zwischen der separatistischen Konföderation und der Galaktischen Allianz an einem Wendepunkt steht: über Kuat und Balmorra entscheidet sich, ob die Konföderation nach Coruscant und damit ins Herz der Allianz eindringen kann. Derweil hat ein Teil der von Jacen Solo angeführten Garde der Galaktischen Allianz die Jedi-Akademie auf Ossus besetzt, angeblich um den Schutz der Jedi-Schüler zu gewährleisten.

SPOILER ENDE

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Mehr sei an dieser Stelle noch nicht verraten. Ich kann aber versprechen, in diesem Band bewegt sich was. Diese 380 Seiten halten mehr Duelle, mehr Schlachten, mehr Sternjägeraction bereit, als die meist viel zu langen Vorgänger. Im Gegensatz zu diesen Wälzern lässt Dennings Buch nie Langeweile aufkommen und nimmt stattdessen bis zum großen Finale immer mehr Fahrt auf. Alte Koalitionen zerbrechen, neue werden geschmiedet, Jacen steht mit seiner rigorosen Haltung zunehmend allein da, während Luke seine Trauer überwindet und auch die Wookies, die sich lange neutral gehalten hatten nun zwischen die Fronten geraten. Für Spannung ist gesorgt. "Inferno" ist ein Buch, dass man einmal angefangen, kaum noch aus der Hand legen will. Vor allem überzeugte mich nach eher gemächlichem Auftakt das fesselnde, temporeiche letzte Drittel. Es treten kaum Längen auf und Dennings Werk lässt sich prima lesen. Zudem ist es auch wieder ein actionreicher Band, und, was überaus wichtig ist, ich garantiere es kommen keine Mandalorianer vor. "Inferno" ist wendungsreich und stellenweise durchaus intensiv, ja bewegend.

Doch auch der Tragödie sechster Teil hat selbstredend seine Schwächen. Der gute alte Jacen - jetzt nennt er sich Caedus - bleibt bestenfalls ein Rätsel, schlimmstenfalls ein Witz. Ich meine, merkt er denn nicht, dass niemand von ihm gerettet werden will. Und dann diese ständige Betonung er wolle Frieden für Galaxis. Also ehrlich, ein Mann mit mehr als 20 Jahren Jedi-Ausbildung will Frieden durch ein System der Unterdrückung und der Angast schaffen? Bäääh. Das wird auch nicht besser, wenn der Leser auf jeder zweiten Seite Sätze wie ...nach wie vor in dem Wissen, wie notwendig das alles war."; Er tut bloß was nötig ist." oder ...zum Wohle der Galaxis." um die Ohren gehauen bekommt. Ich glaube inzwischen haben die Autoren dieses Mantra so oft wiederholt, dass sie es tatsächlich selber glauben. Darüber hinaus bleibt die Konföderation eine gesichtslose Kopie der KUS aus den Klonkriegen.

Eine Anmerkung am Rande: Blanvalet hat auf der Rückseite des Buches ganze Arbeit geleistet - es soll natürlich nicht "Opfer", sondern "Inferno" heißen.

Fazit:

Vielleicht kein Inferno, aber der sechste Wächter der Macht zeigt eindeutig aufsteigende Tendenz, weiß er doch durch einen spannenden Plot und ein hohes Erzähltempo zu überzeugen. Bleibt zu hoffen, dass dies kein Strohfeuer bleibt. Eine gute Vorlage für Allstons "Zorn" ist "Inferno" allemal.

Wenn man endlich erkennt dass es brennt      4 von 5.00 Punkten       Verfasser
--- Spoilerwarnung für alle die Wächter der Macht 5 Opfer noch nicht gelesen haben ---


Seit er Lumiya niedergestreckt und erfahren hat dass die dunkle Lady nicht für den Mord an seiner Frau Mara Jade verantwortlich war, ist Luke Skywalker nicht mehr er selbst. Doch in einer Galaxis die im Chaos eines Bürgerkriegs versinkt bleibt dem Großmeister wenig Zeit für Trauer. Schon während der Trauerfeierlichkeiten für Mara hängt ein dunkler Schatten über dem Jedi Tempel, als Truppen der GGA die Solos zu verhaften versuchen und es zu einem heftigen kurzen Gefecht kommt. Jacen Solo trifft erst mit Verspätung ein, jedoch gerade rechtzeitig um noch mitzuerleben wie eigentlich für eine Feuerbestattung vorgesehene Mara just in dem Moment eins mit der Macht wird, als er an Lukes Seite gelangt. Ein Zeichen das Ben Skywalker und sein Vater sehr unterschiedlich interpretieren, denn der jüngere Skywalker ist fest von Jacens Beteiligung oder Wissen um den Mord an seiner Mutter überzeugt, während Luke glaubt Jacen entgegen seiner Vorbehalte gegenüber den Methoden des Colonels beistehen zu müssen.

Was Darth Caedus Methoden sind müssen Jag, Zekk und Jaina bald feststellen, als sie Alema Rar auf Ossus ausgepäht haben und in der Jedi Akademie mit einem Bataillon GGA-Truppler unter dem brutalen Major Serpa konfrontiert werden. Die Besetzung der Akademie soll Caedus-Jacen ein Druckmittel gegenüber dem Jedi-Rat verschaffen, denn noch kann er es sich nicht leisten die Jedi gegen sich aufzubringen und ist gerade in der anstehenden großen Schlacht um Kuat auf StealthX-Unterstützung angewiesen. Für Jaina und ihre Freunde ist der "Held" und zweitmächtigste Mann innerhalb der galaktischen Allianz damit jedoch endgültig zu weit gegangen, auch wenn er seine Skrupellosigkeit noch nicht beweisen musste, ob er die Jedi Jünglinge auch opfern würde. Alema Rar, die all das auf Ossus live miterlebt bezweifelt auch ob Lumiyas gelehriger Schüler nicht schon zu extreme Methoden anwendet und beschließt das Versteck der Sith-Meisterin aufzusuchen, um dort etwas zu suchen, dass Caedus helfen könnte seine enorme Macht nicht durch überstürzte Aktionen zu verlieren...


Mit den Abgängen von Mara Jade und Lumiya konnte Karen Traviss trotz ihrer selbstauferlegten Fokussierung auf den Boba Fett-Subplot Wächter der Macht endlich wieder einen entscheidenden Schritt voranbringen, indem die längst überfälligen Entscheidungen mancher Protagonisten erzwungen werden. Inferno setzt dies, trotz gewisser Eigenheiten Troy Dennings (Alema Rar, die Hapaner) fort und konzentriert sich darauf als Finale der zweiten Trilogie innerhalb der neunteiligen die Rahmenhandlung wieder voranzubringen, womit es Denning überraschenderweise gut gelingt Spannung zu vermitteln.

Seit fünf Bänden hat sich eine neue dunkle Bedrohung in der Galaxis ausgebreitet und die Galaktische Allianz droht zu zerfallen, seit sich immer mehr einst loyale Anhänger der Rebellen-Allianz und Neuen Republik zu den Corellianischen Separatisten überlaufen. Inferno unternimmt zwar zu wenig um diesen Prozess zu einem endgültigen Abschluss zu bringen, doch es fasst Geschehenes zusammen und bringt die Entwicklungen auf den Punkt, während damit den abschließenden drei Bänden der Reihe der Weg bereitet wird. Angefangen bei Tenel Ka die langsam erkennt was aus Jacen geworden ist, über Luke der sich endlich aufraffen kann etwas zu unternehmen, bis zu Ben dessen Misstrauen ihn zum Handeln drängt, müssen die Helden endlich Stellung beziehen. Nach viel zu langem Hin und Her, nach all den lauen Bekundungen des Unbehagens und Misstrauens mit Jacens Methoden kommt es endlich zu Taten. Wie diese allerdings aussehen und was Jacens Reaktion darauf ist, das macht die Spannung in diesem Band aus. Ein nervenaufreibendes Verwirrspiel kommt zu seinem vorläufigen Finale, das zumindest teilweise für die Frustration entlohnt, sich bei manchen Passagen des Öfteren an den Kopf greifend Wie-lange-wollt-ihr-euch-das-noch-schön-lügen-der-Junge-ist-längst-auf-der-dunklen-Seite-oder-seid-ihr-blind gedacht zu haben.

Über das ganze Buch hinweg spüren die Protagonisten dass Jacen dunkel geworden ist, Han Solo versteigt sich sogar zur Behauptung Jacen wäre auf gewisse Weise tot, denn von dem Tiere liebenden warmherzigen Jungen der er einst war ist kaum noch etwas übrig. Für Luke ist in ihm sogar eine Dunkelheit spürbar, die er seit den Tagen Darth Vaders und des Imperators nicht mehr gespürt haben will. Wieso ihm also noch weiterhin die Stange halten? Vorerst weil Darth Caedus der sich hinter der Fassade Jacens verbirgt (wie einst Darth Sidious hinter Palpatine), die Jedi Akademie mit einem Bataillon besetzt hält. Bedrohlicher könnte der Anlass nicht sein, um Luke gegen seinen Neffen aufzubringen, schließlich hätte Jacens Statthalter Major Serpa kein Problem damit die Akademie samt den Kindern hochzujagen. Zudem wird Jacens Vision einer in Frieden geeinten Galaxis immer unglaubwürdiger und sein Narzissmus tritt offen zu Tage, wenn er endlich durchschimmern lässt dass ihm der Ruhm schon wichtiger ist als das Wohlergehen der Bürger. Wie Jacen allerdings zum Möchtegern-Vader geworden ist, bleibt weiterhin offen, seine Motivation wird mit fadenscheinigen Visionen und einer Manipulation Lumiyas erklärt, die nicht allzu einleuchtend klingen. Man musste sich viel selbst zusammenreimen und die Autoren lieferten nicht immer die allzu glaubwürdigsten Erklärungen, auch weil sich keiner direkt dieses Wandels in Jacens Persönlichkeit erbarmen wollte. Die Aufgabe dieses Warum zu ergründen ist deshalb der nächsten Reihe "Verhängnis der Jedi" zugefallen, auf der Luke nach dem Auslöser von Jacens Abfall von der hellen Seite suchen wird. Die aus Wächter der Macht abgeleiteten Erklärungen sind also längst noch nicht fix. Wie auch immer, in Inferno ist Jacen bereits der unumstrittene Schurke, auch weil Lumiya für diese Rolle nicht mehr zur Verfügung stehen würde. Damit ist die Front zumindest auf der dunklen Seite schon etwas geklärt.

Auf der hellen Seite herrscht indessen weiterhin ein ungesundes Maß an Uneinigkeit, will man den Rebellen-Separatisten keine wirklichen Sympathieträger beistellen und die abtrünnig gewordenen Helden der Rebellen-Ära handeln auch weitgehend auf eigene Faust. Ein Problem das sich auch generell für die "Legacy-Ära" feststellen lässt, es herrscht keine wirkliche Kohärenz mehr und die Grauzonen wuchern. Der Einwurf dass das nicht mehr ganz dem Geist von Star Wars entspricht lässt sich dahingehend schon abgewinnen, dass in der durch die Filme begründeten Tradition immer so etwas wie Leitlinien zwischen Gut und Böse vorgegeben waren und die Unterscheidung zwischen beiden Seiten einfacher zu treffen war. Auch Inferno trägt dazu bei, dass diese Unterscheidung immer schwieriger wird, wenn Troy Denning zwar bei Offizieren wie Gavin Darklighter Zweifel an Jacens Führungsanspruch aufkommen lässt, diese aber außer Versuche den Colonel durch protokollarische Fauxpass zu brüskieren nichts unternehmen lässt. Die Desertion von Offizieren wie sie unter dem Imperium zum Lebenselixier für die Rebellen wurde erscheint unwahrscheinlich, somit ist der zweite Galaktische Bürgerkrieg zwar ein Star Wars oder anders formuliert ein Krieg der Sterne, aber eben nicht mehr ganz das man einst mit den Filmen verband. Angesichts der zahllosen Anlehnungen an die Prequels und die klassische Trilogie fühlt man sich fast an den Ausspruch erinnert, dass sich große historische Ereignisse wiederholen würden, einmal tragisch und einmal (unfreiwillig) komisch.

Abgesehen von all dem, innerhalb von Wächter der Macht gehört Inferno für mich persönlich zu einem der besten Werke. Troy Denning wagt etwas längst überfälliges, er knüpft direkt an das Werk seiner Vorgängerin an, stellt seinen Plot um die Hapaner und Alemar Rar etwas zurück und bringt Ereignisse der Rahmenhandlung auf den Punkt. Er vollbringt notwendiges und verschafft dem Leser Erleichterung, indem er den Leser Schlüsselereignisse mit Spannung erwarten lässt. Endlich fällt es einem wieder einmal schwer das Buch aus der Hand zu legen und man möchte wissen wie es weitergeht, auch wenn einem die Erfahrungen aus der Vergangenheit nahe legen, dass dieses Tempo dass da entstanden ist vielleicht wieder etwas verloren gehen könnte. Eine gelungene Ergänzung ist so nebenbei auch das Interview mit den Autoren am Ende des Buchs, über die Notwendigkeit des "Helden-Tods", ihre Arbeitsweise und Wächter der Macht im Allgemeinen.

Fazit:
Ein Hoffnungsschimmer

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