Und Nietzsche weinte

Irvin D. Yalom

Durchschnittliche Gesamt-Lesermeinung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 66 Bewertungen)


Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de):

Von der Wiederkunft des Ewig-Gleichen      5 von 5.00 Punkten       Verfasser
Irvin D. Yalom, Und Nietzsche weinte (When Nietzsche Wept), 1992

Orte: Venedig, Wien. Handelnde Personen: Lou Salomé, Dr. Josef Breuer, Friedrich Nietzsche, Dr. Sigmund Freud u.a.. Zeit 1882. Lou Salomé spürt in Venedig den bekannten Wiener Arzt Breuer auf, um ihn zu bewegen, Nietzsche einer Redekur" zu unterziehen, da er unter heftigen Kopfschmerzen leidet und in seiner Not suizidgefährdet erscheint. Breuer, der weder Patient noch Salomé kennt, ist erst entrüstet ob des dreisten Vorgehens, fällt aber alsbald ihrer Schönheit und ihrem Charme zum Opfer und stimmt einer erneuten Kontaktaufnahme in Wien vage zu. Kaum angekommen, ist sie wieder da und erläutert dem Arzt die Besonderheiten, die Nietzsches Behandlung erfordert, denn der hat zu diesem Zeitpunkt die Nase von Ärzten ja schon voll. Breuer will sich dem schwierigen Patienten nähern, indem er ihm einen Pakt vorschlägt: Er erzählt von seinen eigenen Problemen mit seiner Geliebten, um im Rededuell in Nietzsche vorzudringen. Allein schon die Schilderung der Vorbereitung einer ersten Konsultation ist ein Genuß, weil in ihr die Persönlichkeiten und Charaktere treffend vorgestellt werden. Die Sitzungen werden in sogenannten Verlaufsberichten, einer Art Epikrise, von Breuer und Nietzsche getrennt, zusammengefaßt, was das Verstehen der in diesem Abschnitt manchmal doch ans Eingemachte gehenden Materie erleichtert. So ein Verlaufsbericht kann in Form eines Briefes (z.B. an Köselitz/ Gast) oder einer Notiz festgehalten sein. In Äußerungen und Gebaren werden die Protagonisten leibhaftig: da wird jemand angeblinzelt, Breuer klagt von der Wiederkehr des Ewig-Gleichen am Beispiel seiner Frau, und das Vorrecht der Toten, nicht mehr sterben zu müssen, wird zitiert. Schließlich fällt der Leser auch noch einem psychologischen Geniestreich Yaloms zum Opfer, wenn er einer selbst erdachten Handlung folgt, zu der er verführt" wurde. Umfangreiche Recherchen des Autors lassen überzeugende Psychogramme entstehen; Einfallsreichtum und Humor verschmelzen Fiktion und Wirklichkeit zu einem faszinierenden Buch.

und Nietzsche weinte      1 von 5.00 Punkten       Verfasser


Zum Zustand des erworbenen Buches möchte ich mich nicht äußern. Ich schickte es zurück, Verkäufer behauptete, die Sendung nicht erhalten zu haben. Nach einigem Hick-Hack sagte ich ihm, dass ich ihm das Buch schenke.

einfach ein top Buch!      5 von 5.00 Punkten       Verfasser
Habe mir kürzlich dieses Buch zugelegt und bin sehr positiv überrascht!
Es gab kaum ein Buch, das mich wie dieses gefesselt hat - jede Seite war ein Genuss.
Sollte jeder in seinem Bücherregal stehen haben!

Geschichte zum Greifen nahe      5 von 5.00 Punkten       Verfasser
Yalom hat hier wieder einmal ein faszinierendes Werk geschaffen, das sehr anschaulich die ersten Entwicklungslinien der Psychoanalyse bei Freud und Breuer beschreibt. Sein typisch angenehm zu lesender Schreibstil hilft dabei, das Buch möglichst in einem durch verschlingen zu wollen. Sehr gelungen!

Menschlich, ja allzu menschlich      5 von 5.00 Punkten       Verfasser
Da mir Nietzsche schon seit langem kein Fremder mehr ist und ich seine Philosophie sehr schätze, hatte ich keine sehr großen Erwartungen an diesen Roman, als ich begonnen habe, ihn zu lesen. Doch meine Erwartungen wurden mehr als nur übertroffen. Abgesehen von Nietzsches großartiger Philosophie und der Auseinandersetzung mit seinem Gedankengut, lernt man Nietzsche hier einmal als Menschen und nicht nur als Philosophen kennen. Obwohl die Begegnung Josef Breuers mit Friedrich Nietzsche reine Fiktion ist, so ist es Yalom hier gelungen zwei Genies ihrer Zeit gekonnt in Szene zu setzen. Es ist ein großartiger Roman, der den Menschen und seine Fragen nicht nur in den Vordergrund stellt, sondern auch einige Antworten bietet. Zudem erkennt man hier schon die Anfänge der Psychotherapie bzw. zum Teil auch der Psychoanalyse und ist "mitten im Geschehen", was für den Leser sehr spannend ist. Für mich war der Roman sehr bewegend, sehr realistisch und einer der besten, die ich in den letzten Jahren gelesen habe.

philosophisch      4 von 5.00 Punkten       Verfasser
Schöne Liebesgeschichte. Die Frage nach dem Sinn des lebens und der Lebensziele stellt sich wieder...Man bekommt auch Lust eine Psychoanalyse zu machen...

Wortgewaltig und fesselnd      4 von 5.00 Punkten       Verfasser
Der Roman basiert auf der fiktiven Begegnung zwischen Friedrich Nietzsche und Josef Breuer, einem Pionier der Psychoanalyse im Wien des späten 19. Jahrhunderts. Zudem stellt sich der junge Sigmund Freud als Zaungast der Handlung ein. Dem Hilferuf der jungen Lou Salome folgend, einer ehemals engen Freundin Nietzsches, steht der renommierte Arzt Breuer vor einer schier unlösbaren Aufgabe: er soll Nietzsche einer Redekur unterziehen, um ihn von seinen Depressionen und Selbstmordgedanken zu befreien. Die große Schwierigkeit: Nietzsche, der niemanden vertraut und noch weniger bereit ist, einer anderen Person Macht über sich selbst einzuräumen, muss dieses Unterfangen verborgen bleiben. Unterstützt von seinem jungen Vertrauten Freud lässt Breuer sich auf ein riskantes Katz- und Maus-Spiel ein, und muss nur allzu bald erkennen, dass er dem Freidenker und Revolutionär Nietzsche zu keinem Zeitpunkt gewachsen ist. Die beiden ungleichen Männer verstricken sich in zahlreiche, hitzige philosophische Debatten, bis Breuer sich plötzlich in der Rolle des Schülers wiederfindet und sein Leben eine undenkbare Wendung zu nehmen droht.

Es ist ein überaus interessantes Szenario, das Yalom in seinem Roman ausmalt: der Querdenker Friedrich Nietzsche legt sich auf die "Couch". Die zentrale Figur der Geschichte ist jedoch der Arzt Breuer, ein Mann mittleren Alters, der mit seinem Lebensweg und all den verpassten Gelegenheiten darin hadert. Heute würde man sagen, er durchlebe eine typische Mid-Live-Crisis, voller Selbstzweifel und der Gewissheit, den Zenith des eigenen Lebens bereits überschritten zu haben. In dieser Lage kollidiert er förmlich mit Nietzsche, der sich kompromiss- und rücksichtslos der Wahrheitssuche verschrieb, auch wenn ihm dies Leid und Einsamkeit bescherte. Der Roman besteht zum größten Teil aus fesselnden, wortgewaltigen Dialogen, die der Autor so geschickt und eloquent strickt, dass jede Seite ein wahrer Genuss ist. Dabei tauchen immer wieder die existentiellen Fragen auf: Was für einen Sinn hat das Leben? Wie weit kann oder soll ein Mensch gehen um ganz er selbst zu werden? Dem Leser wird dabei die Bereitschaft zur Selbstreflexion und Kritikfähigkeit abverlangt. Um dieses Buch zu genießen, muss man wahrlich kein Psychologe sein, die Tatsache, Mensch zu sein, ist vollkommen ausreichend.

Einen Stern Abzug gibt es lediglich für den wenig glaubhaften Schlussteil. Ich muss mich einigen Mitrezensenten anschließen, die Auflösung der Geschichte ist ziemlich seicht und naiv geraten und wird dem hohen Niveau der vorausgegangenen Handlung leider kaum gerecht. Das laue Happy End war in meinen Augen nicht nötig, vor allem, wenn man Nietzsches weiteres Schicksal bedenkt. Wirklich verderben konnte es den überaus positiven Eindruck dieses philosophischen Duells jedoch nicht.

Der Genius erkennt den Genius      5 von 5.00 Punkten       Verfasser
Josef Breuer ist mit seiner Frau gerade auf Urlaub in Venedig, als er mit einer außergewöhnlichen Bitte konfrontiert wird: Die junge Russin Lou Salome überredet ihn, den unbekannten Philosophen Friedrich Nietzsche von seiner krankhaften Liebe zu ihr zu heilen - ohne dass dieser etwas davon ahnt.

Auf Breuer ist sie gestoßen, weil er schon einmal eine Patientin mit einer "Redekur" geheilt hatte - diese soll er nun auch auf Nietzsche anwenden.

Was Lou Salome natürlich nicht weiß: Breuer ist dieser Patientin hoffnungslos verfallen, er ist geradezu besessen von ihr. Um seine Ehe zu retten, musste er diesen Fall auch abgeben.

Nietzsche erscheint tatsächlich in Breuers Praxis, doch ist er nicht bereit, über seine Probleme zu reden. Nur mit einer List gelingt es Breuer, ihn überhaupt in Wien festzuhalten; er bittet Nietzsche, ihn, Breuer, von seiner Verzweiflung und Besessenheit zu heilen.

Anfangs versucht Breuer auf diesem Wege Nietzsche zum Reden zu bewegen - doch mehr und mehr wandelt sich das Verhältnis, und er wird wirklich zum Patienten...

Es muss damals wirklich sehr sehr spannend gewesen sein, als die Psychoanalyse entwickelt wurde - und es war schön, dabei zuzusehen!

Eine kurzweilige Lektüre, die trotzdem viel Stoff zum Nachdenken bietet, klasse Dialoge zwischen Breuer und Nietzsche - und auch zwischen Freud und Breuer.

Wie viel von dieser Geschichte auf Tatsachen beruht, ist im Nachwort noch angeführt - sogar ein Bild, das im Buch eine große Rolle spielt, ist abgebildet.

Sehr empfehlenswert!
Und Nietzsche weinte: Roman

neues lieblingsbuch      5 von 5.00 Punkten       Verfasser
Ich finde dieses Buch einfach großartig. Es ist spannend, vielseitig und weckt Neugierde auf die Psychotherapie.
Zum Inhalt wurde bereits genug gesagt und der Klappentext ist aussagekräftig genug. Man sollte sich einfach von diesem Buch verführen lassen.
Meiner Meinung nach ist Yalom mit "Und Nietzsche weinte" ein Meisterwerk gelungen, das keiner verpassen sollte!

Und Nietzsche weinte      4 von 5.00 Punkten       Verfasser
Eine spannende Verflechtung von Philosophie und den Anfängen der Psychoanalyse .Anspruchsvolle Lektüre für den "gefestigten" als auch den suchenden Menschen nach vielfältigen Antworten auf die Sinnfragen des Lebens.Kein Buch, das man mal zwischendurch auf eine halbe Stunde lesen kann. Es verlangt vom Leser volle Konzentration und erhellt, dass es im Leben nicht die eine Antwort, für alle gültig ,gibt, sondern jeder sein eigenes Muster entwirren muss.

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