Die Massenpsychologie des Faschismus
Wilhelm Reich
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Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de):
Analyse der autoriären Familienstruktur in der Massenpsychologie des Faschismus, 5 von 5.00 Punkten
Verfasser Das Wort Masse hat alles andere als einen guten Klang. Man verbindet damit die Vorstellung von etwas Primitivem, Rohem und Gewalttätigen, etwas das man fernhalten möchte. In der abschätzigen Meinung über die Masse steckt eine umfangreiche Erfahrung, denn wo Menschen Massen bilden, ereignet sich selten etwas Erfreuliches, dafür scheinen jedoch Kritikfähigkeit, Verantwortungsgefühl und der Sinn für das Maß weitgehend suspendiert. Freud vergleicht die Masse mit einer "Unhorde", Jung präzisiert genauer:"Eine große Gesellschaft, aus lauter vortrefflichen Menschen zusammengesetzt, gleicht an Moralität und Intelligenz einem großen, dummen und gewalttätigen Tier" und Kurt Tucholsky beginnt eines seiner Gedichte mit folgenden Worten:"O hochverehrtes Publikum, sag mal: bist du wirklich so dumm.?"
Das Umgekehrte jedoch gilt nicht. Man kann keineswegs sagen, dass die einzelnen Menschen, die eine Masse bilden, für sich betrachtet roh, dumm und primitiv sein müssten. Sie scheinen es offenbar erst dann zu werden, wenn sie in die Masse hineinstrudeln. Die grundsätzliche Fähigkeit, Masse zu werden, kann man praktisch unterstellen.
Die Enstehung einer Masse ist stets gebunden an eine besondere geschichtliche Situation. Es gibt geschichtliche Merkmale, die sehr suggestiv wirken und eine große praktische Bedeutung erlangen. Sie treten zutage als Ideen oder Ideale oder Leitmotive der Masse. Sie schaffen das magische Kraftfeld, obschon die Zeitsignaturen weder die obersten noch die hervorstechensten Merkmale der Epoche zu sein brauchen. Allerdings entstehen durch die Zeitsignaturen jene Gebilde, die sich im Bewusstsein einer Epoche ausweiten und zu säkulären Anliegen zu werden drohen. Am eindrucksvollsten kann man das an der Entstehung inhumaner Gesellschaftsysteme verfolgen, so wie der Psychanalytiker Wilhelm Reich es tat.
Wie konnte man in Deutschland glauben, ein Volksgemeinschaft zu verwirklichen durch ein Herrschaftssystem, das das Recht, das Fundament jeder Gemeinschaft mit Füßen zu trat und sich unterfing jenes Volk auszurotten, das die stärkste Gemeinsschaft war und ist, die es je als Volk gegeben hat, die Juden?
Reich analysiert die autoriäre Familienstruktur in der Massenpsychologie des Faschismus, fokussiert dabei die Massenpsychologie des Kleinbürgertums, die Familienbindung und nationalistisches Empfinden, aber auch das nationalistische Selbstgefühl, bei dem der Führer immer recht hat und die Masse ihm auch dort
folgt, wo er faktisch Unrecht hat oder Unrecht tut. Reich verdeutlicht den Zusammenhang zwischen autoritärer Triebunterdrückung und faschistischer Ideologie, nachdem er sich nachhaltig mit Rassentheorie und der Symbolik des Hakenkreuzes auseinandergesetzt hat und erklärt wie sich ganz allmählich die Sexualängste in mystisches Denken verschoben haben, das durch vier Phasen gekennzeichnet ist, die Reich sehr gut erklärt und die letztlich in eine Abhängigkeit führen, die schließlich im bedingungslosen Gehorsam gegenüber dem Führer dokumentiert wird.
Ein Lesemuss für alle, die sich mit Massenpsychologie intellektuell befassen.
Nicht schlecht, aber etwas veraltet 3 von 5.00 Punkten
Verfasser In der Ausgabe von 2005 steht, dass Reich das Buch 1946 geschrieben hat. Genau deshalb sind die ersten Kapitel thematisch auch ziemlich veraltet. Das Herausarbeiten der Mechanismen des Faschismus haben moderne Historiker besser gemacht. Auch sollte das Buch noch einmal ins Deutsche übersetzt werden, da sich manche Sätze sehr schwer lesen lassen und weil es manche Wörter im Deutschen gar nicht gibt, zum Beispiel "Politikant" und "Trade-Unionismus", was mit Gewerkschaften zu tun hat. Das Allerbeste am Buch sind die Kapitel über die Autoritätsgläubigkeit des Menschen und die Unterdrückung der Sexualität der Massen. Diese Kapitel sind einfach bahnbrechend. Da ist auch mir ein Licht aufgegangen. Dieses Buch sollten unverbesserliche Rechtsextremisten lesen. Auch religiöse Fundamentalisten, die sich totalitären Sekten angeschlossen haben, würden von diesem Buch profitieren. Allerdings ist das Kapitel, wo Reich das System der Sowjetunion analysiert, überflüssig. Auch finde ich es nicht richtig, alle Politiker über einen Kamm zu scheren und die ganze Politik zu verurteilen. Als Alternative zum Faschismus schlägt der Autor Arbeit, Liebe und Wissen vor. Das ist zwar etwas naiv, aber gut gemeint. Stattdessen könnte man auch das Wissen um die Mechanismen des Faschismus als Alternative vorschlagen. Sein persönlicher Vorschlag über die Vegetotherapie und das Orgon sind völlig unglaubwürdig und haben sich auch nicht richtig durchgesetzt. Auch vergisst er zu erwähnen, dass Hitler die Massen vereinigt hat, indem er sie gegen einen vermeintlich gemeinsamen Feind, nämlich die Juden, aufgehetzt hat. Auch hat Reich nicht begriffen, das das Dritte Reich in der deutschen Geschichte keinen kontinuierlichen Lauf, angefangen mit Preußen, darstellt, sondern ein Bruch in der Geschichte Deutschlands ist. Trotzdem ist das Buch ein Meilenstein in der Geschichte. Die 68er Bewegung hat das in die Tat umgesetzt, worüber Reich geschrieben hat. Wegen der vielen Fehler kriegt das Buch nur drei Sterne von mir.
EIN MUSS FÜR ALLE!!! 5 von 5.00 Punkten
Verfasser Ich habe das Buch schon vor 30 Jahren gelesen, jetzt wieder, und es vielen Leuten empfohlen. Der Grundtenor ist eigentlich ganz einfach: Wenn es einem schlecht geht, oder man meint, dass es einem schlecht geht, sucht man sich Leute, eine Bevölkerungsgruppe (damals die Juden, jetzt ...), die man niedermacht, unterdrückt, um sich selbst, sein ach so kleines "ich" ein wenig, ein klein wenig anzuheben - und dazu ist man grausam gegen diese Leute, und wenn's funktioniert - und es funktioniert fast immer, ist man noch grausamer ... vielleicht wieder bis zum bitteren Ende! Das kann in jedem Land passieren, passiert zur Zeit auch!!! - DAS IST FASCHISMUS! Und wir werden ihn NIE ausrotten können, das liegt in der Natur der Menschen! Lesen Sie dieses Buch, unbedingt!!
Sollte Standardwerk zum Thema Faschismus sein 5 von 5.00 Punkten
Verfasser Nach der Lektüre ist es nicht mehr möglich, Faschismus als räumlich oder zeitlich begrenztes Phänomen zu betrachten. Reich weckt eindringlich ein Bewusstsein für den kleinen Faschisten in uns allen. Eines der pessimistischsten Bücher, die je geschrieben wurden, durch seine zu Ende gedachten Schlussfolgerungen jedoch zugleich eines der hoffnungsvollsten. Ich bin auf dieses Buch gestoßen, weil Daniel Kulla in allen Büchern ausgiebig auf Reich verweist, um seinen "Optimist Blues" zu erklären. Bei Kulla heißt das: "Ich habe erklärt, wo überall der Wurm drin ist und wie es dazu gekommen ist. Das ist schrecklich und wirkt in dieser Gewaltigkeit wahrscheinlich lähmend, aber es hat den fröhlichen Grundtenor, daß es ja schon mal gut ist, dahintergekommen zu sein." Mir war nie klar, woher Kulla diesen inneren Widerspruch bezieht, aber Reichs illusionslose und zugleich leidenschaftliche "Massenpsychologie" scheint sich aus einer ähnlichen Quelle zu speisen.