QQ

Max Goldt

Durchschnittliche Gesamt-Lesermeinung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 13 Bewertungen)


Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de):

high quality entertainment      5 von 5.00 Punkten       Verfasser
In "QQ" strapaziert Max Goldt mal wieder die Lachmuskeln der Freunde von Nebensaetzen und Sarkasmus aufs Aergste. Noch souveraener und wortwitziger als in "Ae", kommt der Leser bei diesen Kurzgeschichten, die sich so gut fuer die Zugfahrt oder das Warten beim Arzt eignen, auf seine (Humor-)Kosten.

Hat großen Spass gemacht      5 von 5.00 Punkten       Verfasser
Die Lektüre dieses Buches hat mir großen Spass bereitet. Zugegeben, der Text hat wenig Inhalt (es hat sich hierbe um eine Zusammenstellung von Kolumnen), aber es kommt hier weniger auf den Inhalt als auf die Sprache und die Form an, und beides ist sehr gelungen.

Wie der Autor das Abschweifen auf andere Themen beschreibt und innerhalb des Textes in die Tat umsetzt ist schlicht genial.

Max Goldt? Gerne wieder.

Wieder ein Gold(t)stück      5 von 5.00 Punkten       Verfasser
Ich teile die Meinung einiger Vorrezensenten, dass QQ nicht 100%ig an andere Kolumnensammlungen von Max Goldt heranreicht (wie zum Beispiel "Der Krapfen auf dem Sims", "Vom Zauber des seitlich dran Vorbeigehens" oder "Die Kugeln in unseren Köpfen"). Trotzdem ist mir QQ immer noch 5 Sterne wert, weil allein die Sprache von Max Goldt beinahe unübertroffen ist. Als Leser weiß man beim schnellen Konsum von Literatur vermutlich gar nicht zu schätzen, wie viel sprachliches Handwerk in jedem noch so kleinen Satz steckt. Aber bei Goldt fällt es auf. Hier sitzt jeder Satz, jeder Übergang, jede noch so abgedrehte Wendung.
Und die Tatsache, dass es NOCH bessere Bücher von Max Goldt gibt, zeigt nur, wie begabt und voller Ideenreichtum er ist. Denn QQ bietet immerhin in einem Großteil der Kolumnen immer noch gewohnten Sprachwitz, geliebte Alltagskuriositäten und irrsinnige Gedankengänge, wie man es von ihm kennt. Ob schrullige alte Damen ("Affenbesitzerinnen"), die Überlegung über einen neuen deutschen Feiertag ("Maserfest") oder die geniale Entschlüsselung des Rätsels, warum dicke Frauen immer winzigkleine Rucksäcke tragen - Max Goldt widmet sich allen Themen, die die Welt bewegen.

Ein bisschen enttaeuschend      2 von 5.00 Punkten       Verfasser
Ich mag Max Goldt sehr und habe viel seiner Artikel und Buecher gelesen, bin also kein Neuling was seinen Schreibstil und Humor betrifft. Und genau darauf hatte ich mich auch beim Kauf diese Buches gefreut. Aber leider scheine ich den Humor dieses Mal verpasst zu haben. Ich konnte nur an wenigen Stellen schmunzeln, und dann auch nur zaghaft, und die Schachtelsaetze und Wortgewandheiten erschienen mir lahm und gestelzt. Irgendwie ohne eigentlichen Inhalt, nur ueberverkompliziert -weil man das wohl so von ihm erwartet - aber ohne Aussage. Ohne Pfiff und Biss, ich bin eher enttaeuscht.

Max Goldt wird alt      4 von 5.00 Punkten       Verfasser
In Vom Zauber des seitlich dran Vorbeigehens hatte Max Goldt erläutert was QQ (Quiet Quality) bedeutet. Es soll also nicht mehr schreien und spritzen und mit den Erlösen aus dem Schreiben soll später ein schicker Platz im Altenheim finanziert werden. Das sagte zwar nicht Goldt selbst, sondern eine seiner Figuren, dennoch scheint Goldt ruhiger und langweiliger zu werden. Daniel Kehlmann und Elke Heidenreich empfehlen Bücher von Max Goldt. Die Ausstattung (Hardcover und Lesebändchen) wird immer edler, gleichzeitig die Seitenzahl immer geringer. Und auch die unkonventionellen Ideen und Lacher werden weniger. Wenn das so weitergeht wird Max Goldt stinklangweilig. Texte wie Die Verbesserung von Jessicas Mutter mit Hilfe eines Mülleimers könnten auch von Harald Schmidt stammen. Aber es gibt auch wieder einige Juwelen, ganz besonders:
Über Fernsehmusik
Staunen
Hannah Arendt hat recht
So machen es die klugen Sprachen
Unheimliche Geschenke
Tropfen, Klingeln und die üble Weiterleiterei

Das es bei Max Goldt nicht nur aufs Lachen ankommt, wusste ich auch schon bevor Daniel Kehlmann es verkündete. Aber Goldt ist eben doch am besten, wenn er seine Leser zum Nachdenken UND Lachen bringt!

3,5 Sterne

Meine Glosse ist mein Messer      5 von 5.00 Punkten       Verfasser
Der begnadete Sprachkenner wirft seinen bitterbösen Blick auf die Lebenswirklichkeit unserer Zeit und seziert dabei Alltäglichkeiten. Mit solchen oder ähnlichen, stets zuverlässigen, bewährten und sinnentleerten Phrasen und Phrasalalliterationen wird Max Goldt in der Regel in Rezensionen beschrieben. Mit Sicherheit auch wieder anlässlich seiner neuesten Veröffentlichung QQ (Quiet Quality), die einmal mehr eine Auswahl seiner Glossen aus der Titanic enthält. Max Goldt selbst allerdings ist ein Mann, der gerade solches in unserer Sprach und unserem Handeln aufzudecken bemüht ist, was phrasenhaft und leer daherkommt, jemand, der alles, was nur entfernt nach Phrase klingt in Anführungszeichen setzt, um sich davon zu distanzieren. Wenn man also etwas über ihn sagen will, sollte man auf die Sicherheit von Phrasennetz und Begriffsdoppelboden verzichten.
QQ, was ausbuchstabiert für Quiet Quality steht, erinnert sofort an das amerikanische Wort von der Quality Time, was kurz gesagt, Zeit bezeichnen soll, die mit man mit dem verbringt, was man am allerliebsten tut. In Goldts Buch gibt es zum Beispiel eine Frau, die als Brotjob Steingarten-Expertin ist und in dieser Eigenschaft unter anderem ständig im ARD-Mittagsbuffet auftritt. Für sie ist Quality Time die Fachentrostung von unglaublich spannenden alten Lamborghinis. In einer anderen Glosse findet sich dann ein Querulant, für den Quality Time bedeutet, Artikel aus Zeitschriften auf Rechtschreibfehler zu prüfen, diese dann rot einzukreisen und mit dem Kommentar WAS SOLL DAS? versehen, im Zehnminutentakt in die verantwortliche Redaktion zu faxen während er Armes Deutschland! im Stakkato ausruft.
Da ich mich abseits des Phrasensicherheitsnetzes auf einem Drahtseil befinde, greife ich nun auf die Worte eines anderen bekannten Sprachgenies zurück, namentlich auf die von Dieter Bohlen: Max Goldt hat mit seiner neuen Textsammlung voll abgeliefert. Sofort wendet der angebliche Lieferant Goldt ein, geliefert werde nur, was bestellt wurde und das sei schließlich nicht nach guter Künstler Art. Der Künstler, lässt er uns wissen, haut einem etwas um die Ohren. Soweit so gut, die Konstruktion des um die Ohren Hauens erfordert aber einen Gegenstand, der einem um die besagten Hörorgane gehauen wird, bei Max Goldt ist das Quality Time für den Leser. Ich bin sogar versucht zu sagen, High Quality Time in HD Ready. Schärfer als die Realität.
Zum Teil leistet er darüber hinaus sogar wahre Lebenshilfe. So konnte er mir die Angst nehmen einfach nur faul zu sein, indem er mich mit dem Krankheitsbild der Prokrastination bekannt machte: Der Begriff bezeichnet ein nicht zeitmangelbedingtes, aber um so qualvolleres Aufschieben dringlicher Arbeiten in Verbindung mit manischer Selbstablenkung und zwar unter Inkaufnahme absehbarer und gewichtiger Nachteile. Richtig, ich sitze ja schließlich nicht faul rum, dachte ich da, sondern lenke mich mit anderen Dingen ab. Ich persönlich putze zum Beispiel sehr gerne, wenn der Abgabetermin einer wichtigen Arbeit naht. Mit dem neuen Wissen nicht faul sondern nur krank zu sein, habe ich gleich eine Selbsthilfegruppe für Betroffene ins Leben gerufen, den Club der Prokrastinationsputzer und ihrer Freunde e.V. Bei Interesse ist ein Beitritt jederzeit möglich, Sie brauchen auch nicht unbedingt zu putzen, auch wenn sie täglich 20 Mal ihren Mailaccounts auf neue Nachrichten überprüfen, oder ähnliches, sind Sie bei uns herzliche willkommen.
Fast noch schöner, als der mit jeder Nuance von Witz, von leichter Ironie bis zum bittersten Sarkasmus versehene Inhalt der Texte, ist ihre Verfasstheit. Da schreibt ein Mensch, der seine Sprache über alle Maßen liebt und ähnlich wie ein gute/r Liebhaber/in, genau weiß welche Stellen er/sie wie liebkosen muss, damit die/der Geliebte sich in leisem Stöhnen windet. Er zeigt, man kann sich wehren gegen den Einzug des Englischen in die deutsche Sprache, indem er sie zu ihrem schönsten Ausdruck bringt und das wohlgemerkt nicht, indem er Poesie schreibt, sondern indem er satirisch das direkt vor den Augen liegende auseinander nimmt.
Und das ist eine große Leistung.

Kunstvolle, immer sehr durchdachte, ausgefeilte und leicht antiquierte Sprache gepaart mit Ironie      5 von 5.00 Punkten       Verfasser
QQ steht nach Max Goldt für stille Güte, und für alles was nicht schreit und spritzt. Ob das nun auf Goldts Texte zutrifft, möge jeder Leser für sich selbst entscheiden. Was ihn in diesem Buch erwartet, ist Verschiedenes: Zum einen sind es kurrile Ideen, wie der Gedanke, dass ein "gesellschaftslähmender und wirtschaftsschädigender Doppel- bis Dreifachfeiertag" im Frühherbst fehle. Goldt schlägt vor, ihn "Masern" zu nennen und versuchshalber regional begrenzt einzuführen. Seine Assoziationen zu dem Feiertag führen ihn allerdings dann doch zu der Erkenntnis, das Maserfest besser uneingeführt zu lassen. Zum anderen werden einige zeitgenössische Phänomene besprochen, wie beispielsweise das Phänomen der Miniatur-Teddybären, die an Rucksäcken oder Handtaschen erwachsener Frauen baumeln. Nach Goldt scheinen sich diese Frauen der verheerenden sozialen Signale, die sie aussenden, nicht bewusst zu sein, denn kein Personalchef würde jemandem einen verantwortungsvollen Posten überlassen, der mit seinem Teddybären zum Vorstellungsgespräch kommt. Auch die deutsche Sprache beziehungsweise die, die sie benutzen, werden genauer betrachtet. So präsentiert Goldt den häßlichsten Satz der deutschen Sprache, der ausschließlich aus Phasengerümpel besteht und den Goldt zerlegt und von vorne bis hinten durchgeht. Der Satz lautet übrigens: "In schonungslos verknappter Sprache bringt er die alltägliche Gewalt auf die Bühne und liefert so eine radikale Bestandsaufnahme des Lebensgefühls einer Generation."

Max Goldt ist ein Meister des Abschweifens und des assoziativen Schreibens. Natürlich gefallen einige Texte besser als andere. Richtig gut sind Goldts Texte immer dann, wenn er sich an eigentlich uninteressanten Details oder Assoziationen aufhängt, diese ausdehnt und weiterspinnt, um letztlich doch wieder zurück zu finden. Besonders gelungen sind auch die Texte, in denen man sich als Leser fragt: Ärgert er sich tatsächlich über irgendeine Kleinigkeit oder parodiert er dies nur? Max Goldts Texte sind einfach witzig, mal ist es der Sprachwitz, der den Leser zum Lachen bringt, mal feine Ironie und manchmal auch einfach seine Begabung Situationen komisch zu beschreiben.

Max Goldt wird von Literaturkritiken gerne mit Superlativen bedacht. Auf einige potentielle Leser mag das abschreckend wirken, denn schließlich kann nur enttäuschen, was so hoch gelobt worden ist. Aber auch wenn man Superlativen, völlig zu Recht, skeptisch gegenübersteht, sollte man den Kolumnen von Max Goldt eine Chance geben, so man denn kunstvolle, immer sehr durchdachte, ausgefeilte und leicht antiquierte Sprache mag, Ironie nicht verabscheut sowie an Beobachtungen und Assoziationen von Max Goldt Interesse haben könnte. Nicht alle Kolumnen sind brillant, aber zumindest sind sie alle unterhaltsam.

Quiet quality      5 von 5.00 Punkten       Verfasser
Max Goldts Titanic-Kolumnen sind einfach ein Genuss - sie sind komisch und nicht selten gehässig, was nicht zuletzt etwas mit Wahrhaftigkeit zu tun hat...
Sprachlich brillant und auch inhaltlich meist ins Schwarze getroffen, sind die Texte in meinem Bekanntenkreis zum beliebten Zitatenschatz avanciert. Sehr schön ist z.B. der Text, der sich u.a. mit "Serienschauspielerinnen" befasst (Unheimliche Geschenke). Darin ist die herrliche Stelle enthalten, in der die Serientante "in der schäfsten und junkieartigsten Stimme, die nur denkbar ist, schrie: EY MANN SCHEISSÄ EY!" (S.48)
Wer auch nur eine einzige Serienschauspielerin in seinem geschätzten Bekanntenkreis hat, wird allein diesen Satz als die einzig treffende Beschreibung der Person sofort unterschreiben...
Goldt fängt aktuelle Befindlichkeiten so treffend ein, um sie dann auf die Spitze zu treiben, dass einem nichts anderes übrigbleibt, als lauthals loszulachen.
Wie immer - hervorragend!

Sprachlich gut - wenig Inhalt      2 von 5.00 Punkten       Verfasser
Ich habe mir aufgrund der guten Bewertungen und der bisher von mir gelesenen Max-Goldt-Bücher auch diesen schmalen Band gekauft. Die relativ hohe Investition war aber aus meiner Sicht nicht gut angelegt. Das Buch zeugt, wie die vorausgegangenen, von hohem sprachlichen Niveau verfällt aber viel zu oft in inhaltsleere Stilübungen - Satire und Sprachkritik sind nur in Ansätzen vorhanden. Ich konnte mich am nächsten Tag schon an kaum etwas aus dem Buch erinnern.

Laute Ironie      3 von 5.00 Punkten       Verfasser
"Soll Sprachwitz zukünftig eine größere Rolle spielen?" Solche Titel kommen ihnen bekannt vor? Richtig, "Soll ... zukünftig eine größere Rolle spielen?" heißt eine Pro&Contra-Kolumne in der FAS zu skurrilen Themen. Mit wunderbarem Sprachwitz, absurden Assoziationsketten, wortschöpferisch. Wie andere Artikel in der FAS auch, etwa die von Nils Minkmar, Peter Richter oder Christian Demand. Immer eine Prise Satire, etwas Ironie, manchmal richtig zynisch. Angenehm zu lesen, wenn Aufgeblasenheit und Dünkel demaskiert werden, fragwürdig, wenn das Pointenhafte die ernsthafte Auseinandersetzung verdrängt.

Goldt kann es noch besser. Wenn Jessica ihre Mutter zwingt, sich den kleinen Teddybären von der Handtasche zu schneiden, weil sie "[...] eine Mutter haben möchte und kein verdämmertes Riesenbaby ohne Aufstiegschance", diesen Teddy dann im Mülleimer unter graugrün gemusterter Buttermilch beerdigt, damit er nicht wieder herausgeklaubt wird, dann ist das grandiose Satire.

Nicht alle seiner 21 Satiren aus der Zeitschrift Titanic der Jahre 2005 und 2006, die er auf 156 Seiten zwischen zwei Deckel hat pressen lassen, damit wir sie als Buch für wohlfeile 17,90 EUR erwerben können, sind so gut. Genau da setzt auch meine Kritik an.

Irgendwie gibt es zuviel von dieser Gebrauchssatire, in der FAS und sonstwo. Jede Überschrift, jedes Banner will heute witzig sein. Sprachwitzig. Der Verdacht lautet: Man kann lernen, so zu schreiben. Sprachkultur ist ansteckend, aber wenn Ironie, die ja immer leise daherkommen sollte, in Harald Schmidtscher Manier wöchentlich zelebriert wird, wirkt sie auf einmal beliebig reproduzierbar und daran kann die Meisterschaft eines Max Goldt nichts ändern.

Zumal andere, etwa Umberto Eco mit "Platon im Striptease-Lokal" oder Roland Kaehlbrandt mit "Deutsch für Eliten" schon vor zehn Jahren diese Melange aus skurrilen Sprachwitz und genauer Beobachtungsgabe als köstliche Kurzgeschichten in Buchform (zum halben Preis) serviert haben.

Fazit: Mit nur 3 Sternen vielleicht etwas unterbewertet, aber Sprachwitz, der als kleine Satire immer neu und frisch in der Sonntagszeitung den zweiten Kaffee versüßt, schmeckt als kompaktes Lektürebuch für den Wein am Abend irgendwie fade und abgestanden.


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