Jupiters Träume: Mit dem Motorrad um die Welt
Ted Simon
Durchschnittliche Gesamt-Lesermeinung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 9 Bewertungen)
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de):
Nichts bleibt so wie es war/ist. 3 von 5.00 Punkten
Verfasser Ted Simon ist in den 1970er-Jahren mit dem Motorrad um die Welt gefahren. Über diese Reise hat er mit "Jupiters Fahrt" den absoluten Klassiker der Motorradreiseliteratur geschrieben (den ich aber noch nicht gelesen habe). Mit über 70 umrundet er knapp 30 Jahre später die Welt erneut. Von dieser zweiten Weltumrundung erzählt TS in "Jupiters Träume".
TS ist Journalist und als solcher kann er schreiben und erzählen. Dies tut er in der wortreichen, etwas altmodischen Sprache eines gebildeten älteren Herren, aber gut, er ist ein gebildeter älterer Herr. Ich denke, dass TS im englischen Original ausgiebig mit der Eigenschaft des Englischen spielt, dass es für alles mehrere Wörter gibt und hier hat der Dumont Verlag nur mittelmäßige Arbeit geleistet. Beim Versuch nahe an der Sprache von TS zu bleiben ist man deutlich übers Ziel hinaus geschossen und hat den Text so mit antiquierten, exotischen oder aus sonstigen Gründen ungebräuchlichen Begriffen und Redewendungen vollgestopft, dass der Lesefluss darunter leidet und der Text an einigen Stellen sogar ins unverständliche abdriftet. Ein paar Beispiele? Dass der Wochentag mal mit Sonnabend und mal mit Samstag übersetzt wird betrachte ich noch als (unnötiges) Stilmittel. Wenn, übrigens nur in den Kapiteln über Nordafrika, von "zu ebener Erde" bzw. von "Gebäuden zu ebener Erde" zu lesen ist, wird es schon schwieriger (im Erdgeschoss bzw. eingeschossige Gebäude) aber wenn dann in einem Absatz über Thailand mehrmals von "Firnis" zu lesen ist, war es für mich Zeit den Duden zu befragen (und ich bin mit noch immer nicht sicher, ob ich wirklich verstanden habe, was TS eigentlich sagen wollte). Ich behaupte mal, dass wer die Bedeutung des Begriffs kennte entweder Germanist, Historiker oder Hobbymaler ist. Für mich unverständlich sind die Probleme beim Übersetzen von Motorrad spezifischen und technischen Begriffen.
"Das schlimmste am Alter ist nicht der körperliche Verfall, sondern dass man sich an die Veränderungen der Welt nicht mehr anpassen will oder kann und einem die Welt dadurch immer fremder wird". Ich weiß nicht mehr wo ich diesen Satz aufgeschnappt habe, aber er ist mir beim Lesen von Jupiters Träume immer wieder in den Sinn gekommen.
Große Teile des Buches sind nach dem Muster gestrickt: Damals erlebet ich in X....ich bin mal gespannt was mich erwartet.....leider wurde ich enttäuscht, weil das vor 30 Jahren erlebte nicht mehr reproduzierbar war, weil die Menschen gestorben, weggezogen oder einfach nicht mehr auffindbar waren, aus kleinen Wegen breite, geteerte Straßen wurden oder aus Dörfern Städte. Eigentlich ist nichts mehr so wie es war. TS selbst ist älter geworden. Aus dem namenlosen Vagabunden ist eine kleine Berühmtheit mit (Email-)Bekanntschaften und Beziehungen auf der ganzen Welt geworden. Aus einer Fahrt ins Blaue ist eine Reise mit vielen Verpflichtungen und Terminen geworden. Sponsoren wollen befriedigt werden, ein Film über die Reise wird gedreht, PR-Termine und Veranstaltungen dürfen nicht verpasst werden und schließlich musste auch noch der weltweite Bekanntenkreis gepflegt werden. Die Veränderungen der wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Verhältnisse sind dann schon fast Nebensache. Natürlich bemerkt TS diese Veränderungen und er dokumentiert sie, aber es fällt ihm offensichtlich schwer sie einzuordnen oder zu verstehen und immer wieder kommt zwischen den Zeilen ein "früher war alles besser" durch. Am Ende seiner Reise kann TS den Veränderungen der Welt immer noch wenig positives abgewinnen, aber er schafft es mit sich selbst Frieden zu schließen. Ob dies wirklich ehrlich ist, oder mehr um dem Buch ein versöhnliches Ende zu geben, will ich nicht beurteilen.
Fazit: In meinen Augen mehr ein Buch über das Älter werden und darüber, dass nichts so bleibt wie es war/ist als klassische Reiseliteratur. Durch die Wiederholung des Muster, damals habe ich erlebt...bin mal gespannt...leider wieder nichts, für mich schon fast monoton. In meinen Augen wäre es mit 150 Seiten weniger besser. Ein Buch, dass man lesen kann aber keines dass man lesen muss. Dafür 3 Punkte.
Gute Unterhaltung 4 von 5.00 Punkten
Verfasser Ein Reisebericht braucht meiner Meinung nach eine gute Mischung zwischen der Beschreibung von Land und Leuten, Darstellung des Reisegefährtes und der menschlichen Komponente.
Auch beim zweiten Buch ist das sehr gut gelungen - wirklich gute Unterhaltung.
klasse Buch 5 von 5.00 Punkten
Verfasser Sehr gut geschrieben, man denkt man ist dabei.An manchen Stellen etwas abschweifend aber nie langweilig. Auch als nicht "Bücherwurm" findet man beim lesen kein Ende.
ein meilenstein in der reiseliteratur 5 von 5.00 Punkten
Verfasser es mag sein, dass sein erstes buch frischer ist, jünger ist, hungriger ist, leidenschaftlicher ist. es mag auch sein, dass eine reise ohne sponsoren für einen leser, der ebenfalls nicht gesponsored wird, nachvollziehbarer ist.
ted simon ist der, der er ist, bekannt und erfahren. er vergleicht alle eindrücke dieser reise mit derjenigen von vor 30 jahren. das ist gut, denn das kann wohl sonst kaum jemand. die vergleiche sind teilweise ernüchternd, und dies ist nicht jedem leser gefällig.
es ist kein nachteil, sponsoren für eine solche reise zu haben, denn ohne diese fände eine solche reise nicht statt.
es ist kein nachteil, eine persönlich negative bilanz der entwicklung von fast 30 jahren weltgeschichte zu ziehen, sondern in ausserordentlicher weise wertvoll und interessant und lehrreich.
es ist kein nachteil, den mut zu haben, seine eigene vergangenheit zu zitieren und im spiegel der jahre zu reflektieren. dazu gehört größe und furchtlosigkeit.
dieses buch ist ein meilenstein in der reiseliteratur.
Einfach genial !! 5 von 5.00 Punkten
Verfasser Es war mir ein Vergnügen dieses Buch zu lesen. Auch die persönlichen Lebenserfahrungen des Autors und dessen äußerst realistische Weltanschauungen kommen deutlich zum Tragen.
persönlich überzeugender als sein Buch 4 von 5.00 Punkten
Verfasser Vorab: seine persönliche Darstellung der Reise ist besser als sein Buch.
Trotzdem schreibt Ted Simon sehr professionell und die Erfahrung seiner vielen Reisejahre spürt man deutlich.
Zu viel Professionalität macht Bücher glatt, aber Ted Simon schreibt sehr erfrischend, da er einen gewissen Abstand zu den Dingen hat und sich under restlichen Welt nichts mehr beweisen muss.
Über seine Leistungen kann man nur den Hut ziehen.
Ich persönlich fand seine erste Reise ursprünglicher.
Der zweiten Reise haftet der besondere Reiz nicht mehr an.
Vielleicht sollte man in seinem Alter andere Grenzen ziehen?
FaziT: lesenswert und sicher kein rausgeschmissenes Geld
Die unwiederholbare Reise... 3 von 5.00 Punkten
Verfasser Ted Simon ist kein Held, wie er selbst sagt...aber manchmal führt er das Leben eines Helden. Ein Widerspruch? Es ist ihm hoch anzurechnen, daß er das Abenteuer einer Wiederholung seiner fantastischen ersten Reise im gesegneten Alter von 70 Jahren noch einmal ins Auge faßt, dazu gehört Mut.
Aber leider auch Geld. Denn um die Reise überhaupt zu finanzieren, läßt sich Simon von verschiedenen Seiten sponsern und dazu überreden, für Filmaufnahmen an diversen Orten seiner Route zu posieren. Nicht mal sein Motorrad gehört ihm. Zudem promotet er sein kommendes Buch durch die kontinuierliche Reiseberichterstattung auf seiner Website, was ihn in ständigem Kontakt zur Außenwelt und unter Termindruck hält. Dagegen ist zwar prinzipiell nichts einzuwenden, aber war bei seiner ersten Reise noch Romantik, Individualität und Freiheitsdrang allgegenwärtig zwischen den Zeilen spürbar, halten ihn jetzt die permanenten Verpflichtungen der Berichterstattung an der kurzen Leine. Simon ist kein Abenteurer mehr, der namenlos in die weite Welt fährt. Seine Kontakte scheinen schier unerschöpflich, in fast jeder Stadt hat er irgendwelche Freunde zu besuchen, die ihm weiterhelfen und seine Probleme lösen...einerseits praktisch, andererseits für Nostalgiker desillusionierend. Während bspw. andere Globetrotter tagelang auf ein Visum für den Sudan warten, läßt Simon nach Stunden frustrierender Warterei seine Kontakte zur UN spielen und darf weiterfahren...allerdings ohne wie früher in dem Maße als Held bestaunt und verehrt zu werden, RTW (Round The World) ist mittlerweile Normalität. Die Welt ist nicht mehr, wie sie mal war, stellt er schließlich lakonisch fest...und die Veränderungen sind selten positiv...weniger Gastfreundlichkeit, mehr Gewaltbereitschaft und Umweltzerstörung. War ich vom ersten Buch noch fasziniert, so ist dieses Werk inhaltlich eher großteils ernüchternd...eine Reise ist halt nur geographisch wiederholbar.
Simon ist hoch anzurechnen, daß er sich selbst kritisch sieht und hinterfragt, seine Bescheidenheit und Unaufdringlichkeit macht ihn sympathisch und durch sein literarisches Talent hebt er sich von der Masse der schreibenden Reisenden wohltuend ab.
Ein offener Blick in die Welt und in sich selbst 4 von 5.00 Punkten
Verfasser Ted Simon ist mit dem Bericht seiner zweiten Weltreise als über 70jähriger auf dem Motorrad wieder ein äußerst lesenswertes Buch gelungen. Ich hatte schon das Vergnügen, seinerzeit seine Reise online zu verfolgen, regelmäßig stellte er seine täglichen Erlebnisse online. Schön, daß daraus ein doch wieder aus anderen Gründen lesenswertes Buch wurde - wenn auch zum Teil etwas schlampig Korrektur gelesen: Ein absolut lesenswerter und subjektiver, freundlicher und bescheidener Blick auf die Welt und in das innerste des Autors, mit einer außerordentlichen und nicht gezierten Bescheidenheit und Demut, Selbstkritik und der nötigen Distanz zu sich selbst.
Ich habe Ted Simon gerne das dritte Mal durch die Welt begleitet.
Die Zukunft ist auch nicht mehr das was sie mal war 4 von 5.00 Punkten
Verfasser Das Zitat am Anfang des Buches Die Zukunft ist auch nicht mehr das was sie mal war" ist sehr treffend für das Buch. Knapp 30 Jahre später nach seiner ersten Weltumrundung mit dem Motorrad macht sich Ted Simon mit 70 Jahren wieder auf den Weg. Weniger um Neues zu entdecken, sondern um zu sehen, wie sich die Menschen und Länder entwickelt haben. Simon zieht eine, vom Verschwinden der Diktaturen in Südamerika abgesehen, negative persönliche Bilanz. Ähnlich wie Indiana Jones erleidet er sein Abenteuer, während der Fahrt ereignen sich diverse Stürze, Knochenbrüche, Konflikte mit Behörden oder technische Probleme. Und hier das Positive - immer bekommt er Hilfe, Menschen die die Probleme lösen oder dabei behilflich sind. Ted Simon ist, wie er zugibt, auch nicht der versierte Motorradfahrer, so hat das Buch hier nicht seinen Schwerpunkt und ist auch für Leser, die für Motorräder weniger übrig haben, geeignet. Er versucht, wie er schreibt, kein Held zu sein, ist freundlich und bescheiden, wie ich in einem zufälligen Treffen in Kananchanburi selbst feststellen konnte.