Namen, die keiner mehr nennt: Ostpreußen - Menschen und Geschichte (sachbuch)

Marion Dönhoff

Durchschnittliche Gesamt-Lesermeinung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 7 Bewertungen)


Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de):

keeping the spirit alive      5 von 5.00 Punkten       Verfasser
"Namen, die keiner mehr nennt" takes you back to a time that once was. In a land that once was. Told by a representative of its aristocracy that once was.

Writer Marion Dönhoff leaves no doubt that everyone took the landscapes of former East Prussia to his or her heart. Thereafter she treats us to some agricultural realities of the past, followed by an extensive review of her most important noble ancestors.

Let us keep the spirit alive. This must have been Marion Dönhoff's principal guideline in writing "Namen, die keiner mehr nennt". As far as I can and may judge, she succeeded excellently.

Erinnerungen an ein verlorenes Land, eine verlorene Zeit      5 von 5.00 Punkten       Verfasser
1961 gab die spätere Chefredakteurin und Herausgeberin der Zeit ein Büchlein heraus mit Artikeln über ihre alte Heimat Ostpreußen. Ihre Flucht 1945 schilderte sie darin; das Schicksal derjenigen, die nicht geflohen sind, eine Erinnerung an einen Freund, der am 20.Juli 1944 beteiligt, von den Nazis gehenkt wurde und eine Geschichte ihrer Familie, verwebt mit der Geschichte Ostpreußens.

Als sie das schrieb, lag der Schmerz über den Verlust der Heimat bereits lange genug zurück, aber war doch noch nahe genug, dass sie sich deutlich an Einzelheiten erinnern konnte.

Herausgekommen ist eine Sammlung von Erzählungen und Essays, die jedes für sich zeigen, was für eine hervorragende Autorin die Dönhoff war. Auf vierzig Seiten schildert sie das Ende im Winter 1945, als die rote Armee Ostpreußen einkesselte, die Nazis die Flucht verboten und schließlich die Autorin auf ihrem Pferd 1500 Kilometer nach Westen flieht. Allein diese Erzählung wäre schon den Preis des Buches wert, man muss diese Schilderung nur einmal mit dem Roman "Die Flucht" ihrer Großnichte vergleichen, die es auf vierhundert Seiten schafft, erheblich weniger, dafür aber deutlich langweiliger zu erzählen. Mit wenigen Strichen kann dagegen die Zeit-Herausgeberin Personen und Szenarien in unserem Kopf entstehen lassen.

Gleiches gilt für alle Artikel in diesem Band. Natürlich lässt sich das eine oder andere dagegen einwenden, etwa die manchmal ein wenig verklärte Rolle der ostpreußischen Aristokratie und der Feudalgesellschaft gegenüber, die bis 1945 noch weitgehend intakt war. Aber das ist es auch, was ihrer Schilderung Lebendigkeit verleiht und dem Leser vorführt, dass hier nicht nur ein verlorenes Land besungen wird, sondern auch ein untergegangenes Zeitalter, ein Zeitalter mit Pferden statt Traktoren, mit Junkern und Bauern, mit Dörfern und Alleen statt Großstädten und Autobahnen.

So entstand eine Buch, das ich jedem empfehle, der sich mit Ostpreußen vor 1945 beschäftigen möchte.

(C) Hans Peter Roentgen

Berühmte Skizzen...      5 von 5.00 Punkten       Verfasser
Dieser 1962 veröffentlichte Band vereint die inzwischen berühmten 6 historischen Skizzen der aus altem ostpreußischen Adel stammenden und inzwischen verstorbenen Zeit-Redakteurin. Die erste Geschichte "Nach Osten fuhr keiner mehr" handelt von ihrer überstürzten monatelangen Flucht nach Westen per Pferd vom jahrhundertealten Landsitz der Dönhoffs 1945 beim Herannahen der russischen Armee. "Ritt durch Masuren" ist eine Liebeserklärung an die ostpreußische Landschaft, Tagebuchskizzen für den Bruder über einen 1941 unternommenen mehrtägigen Ausritt, den sie mit ihrer Freundin Sissy Lehndorff unternahm, schon im Bewusstsein des anderswo geführten Krieges und der drohenden Vertreibung aus Ostpreußen. Der dritte Aufsatz "Die zu Haus blieben, sind nicht mehr allein" wurde 1947 für die "Zeit" geschrieben und erinnert anlässlich des 3. Frühlings nach der Flucht aus Ostpreußen an der Gräfin gut bekannte Personen, die in den Kriegswirren umkamen. "Leben und Sterben eines ostpreußischen Edelmannes" stellt eine Hommage an Heini Graf Lehndorff dar, Bruder ihrer Freundin Sissy, der früh beschließt, an dem Hitlerattentat zum 20. Juli 1944 mitzuarbeiten und schließlich dafür gehenkt wird. Im 5. Bericht über ein "Wirtschaftwunder vor zweihundert Jahren" wird die Arbeit an der Dissertation Marion Dönhoffs über just ihren Familienbesitz geschildert. Die sehr ausführliche Herleitung der Dönhoffschen Familiengeschichte ist schließlich Gegenstand des letztes Essays "Stets blieb etwas vom Geist des Ordens", worin die Familiengeschichte über die fast 700 Jahre preußischer Geschichte in allen Wirren der Zeitläufte genaustens ausgebreitet wird.
Das Büchlein ist lesenswert, weil es - wie der Untertitel verrät - Menschen und Geschichte Ostpreußens aus der ganz persönlichen Wahrnehmung der Dönhoff widerspiegelt, und zwar ohne jedes landsmannschaftliche Ressentiment oder eines Revanchismus. Schließlich waren die Dönhoffs mal in polnischen, mal in preußischen Diensten gestanden, das nationale Element war ihnen nie so wichtig erschienen wie das verantwortliche Leben der Toleranz in ihrer Landschaft. (9.01.06)

Ostpreußen - Heimat      5 von 5.00 Punkten       Verfasser
Wer auch immer eine Verbindung zu Ostpreußen hat, dem sei dieses Buch wärmstens ans Herz gelegt. Erinnerungen tauchen auf, Erzählungen der Eltern bekommen ein Bild und die Geschichte ein Gesicht. Und auch derjenige, der keine Wurzeln dort besitzt, möge dies lesen, um zu sehen, daß Preußen eben nicht das Klischee des dumpfen militärischen Starrsinns ist, sondern eine ganz besondere Heimat, die von denen, die dort ihre Wurzeln haben, von ganzem Herzen in aller Stille geliebt wird.

Liebeserklärung an Ostpreußen      5 von 5.00 Punkten       Verfasser
Eher zufällig ist mir dieses Buch in die Hände gefallen. Eher unwillig habe ich darin zu lesen begonnen, denn Ostpreußen war nicht die Materie, von der ich glaubte, daß sie mich interessieren würde. Doch schon nach wenigen Seiten hat mich das Buch so gefesselt, daß ich es binnen zwei Tagen gelesen hatte.

Ein Sachbuch soll es sein - das ist im Hinblick auf die geschichtlichen Aspekte und die Analysen über den ostpreussischen Adel bestimmt richtig. Mehr noch als ein Sachbuch ist es aber ein aufregender Bericht über die Menschen, mit denen Marion Gräfin Dönhoff gelebt hat und über sich selbst, über eine großartige Vergangenheit und ein großartiges Land.

Wer ein Faible für die jüngere deutsche Geschichte oder Ostpreußen hat, dem sei dieses Buch ebenso empfohlen, wie all jenen, die gerne Geschichten über Menschen und ihr Leben lesen.


Eine bedeutende deutsche Familie im Strudel der Zeiten      4 von 5.00 Punkten       Verfasser
Wieder wälzen sich Flüchtlingsströme aus vielen Orten der Welt in langen Fußmärschen in vermeintlich sichere Gebiete und manchmal wissen sie nicht einmal wohin.

Da ist es gut, sich zu erinnern, dass es diese Umschichtung von Völkern als Folge des Zweiten Weltkrieges auch bei uns gab.

Gräfin Dönhoff beschreibt in diesem Buch, wie sie 1945 dem Einmarsch der Russen in Ostpreußen entkam, in dem sie erst zusammen mit Bediensteten des elterlichen Gutshofes (d.h. der Gutshöfe) auf dem Rücken ihres Pferdes in Richtung Westen floh. Als ihre Begleiter sich aufgrund der unmenschlichen Bedingungen des Flüchtlingstrecks entschlossen, nach Ostpreußen zurückzukehren oder zu bleiben, wo sie gerade angelangt waren, entschloss sie sich, den gefahrvollen Weg alleine fortzusetzen. Sie konnte sich unterwegs ein Bild davon machen, was der Krieg angerichtet hatte. Wie sie waren Tausende von Menschen mit ihrem Tieren überwiegend
zu Fuß in Eis und Schnee unterwegs. Viele blieben erfroren am Wegrand zurück. Die Menschen waren zu geschwächt, um die Toten zu begraben - was auch wegen des bis in die Tiefe gefrorenen Bodens nicht möglich war.- Im Kapitel "Ritt durch Masuren" ist dies in klarer Sprache ohne Wehleidigkeit beschrieben.-

Das Schicksal derer, die "zu Hause blieben" war nicht weniger grausam.- Sie waren Fremde geworden in der Heimat für lange Zeit. Allen, die ihren Weg begleiteten von Kindheit an bis zur Flucht setzt Marion Gräfin Dönhoff schreibend ein Denkmal.

Ein Kapitel ist dem Beitrag ihrer weitläufigen Familie im Widerstand gegen Hitler gewidmet

In zwei weiteren Kapiteln verfolgt die Autorin die Geschichte ihrer vor 700 Jahren aus Westfalen in die Gegend von Königsberg ausgewanderten Familie. Viele Dönhofs waren in fast allen Jahrhunderten mitgestaltend beteiligt an der preußischen (und deutschen) Geschichte. Sie taten dies als Gutsbesitzer, Militärs, Diplomaten oder in politischen Ämtern. Anhand dieser Familiengeschichte führt sie dem Leser vor Augen, wie wechselvoll die Geschichte Ostpreußens verlief und wie es z.B. dazu kam, dass es einen polnischen Zweig der Familie gibt.

Es wird in diesem sehr lesenswerten Büchlein kein Zweifel daran gelassen, dass die Autorin der Meinung ist, dass Kriege schon zu allen Zeiten nichts zum Guten gewendet haben. Immer wechselten glanzvolle Siege mit schmählichen Niederlagen ab und das "Volk" hatte stets am meisten zu leiden - und sei es nur in Form von "Entwurzelung".

Gräfin Dönhoff kennt die Geschichte Europas bestens und den Platz ihrer Vorfahren inmitten des Geschehens. Sie hat tapferen, klugen, opferbereiten und verantwortungsbewußten Menschen ein Denkmal gesetzt, indem sie "ihre Namen" nennt, die inzwischen nur noch wenige Menschen der Gegenwart kennen, die aber nicht vergessen werden sollten.

Man lernt und erfährt viel in diesem kenntnisreich und fesselnd geschriebenen "Familienalbum".


Die Geschichte der Familie Dönhoff      4 von 5.00 Punkten       Verfasser
Die Autorin schrieb ihre Doktorarbeit über ihre Familiengeschichte. Dieses Buch ist eine anregend zu lesende Kurzfassung dieser Arbeit. Der größte Teil des Buches beschäftigt sich mit der von ihr selbst miterlebten Familiengeschichte während des Zweiten Weltkriegs. Sie beschreibt die Flucht aus Ostpreußen aus ihrer eigenen, subjektiven aber dadurch sehr anschaulichen Sichtweise. Aber sie geht auch noch weiter zurück bis in das Jahr 1330, um von ihren Urahnen zu berichten. Auch hier hat man das Gefühl, sie sei mit dabei gewesen.

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