Du mußt dein Leben ändern: Über Religion, Artistik und Anthropotechnik
Peter Sloterdijk
Durchschnittliche Gesamt-Lesermeinung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 29 Bewertungen)
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de):
Super Buch ! 5 von 5.00 Punkten
Verfasser Eins scheint klar zu sein: die meisten Rezensionen hier sind geistvoll und die Rezensenten lassen durchblicken, dass sie das Buch verstanden haben.
Nach dem Lesen etlicher Rezensionen habe ich das Gefühl, das Buch gelesen zu haben. Kompliment.
Ich kann jetzt mitreden ohne mir das Buch kaufen zu müssen.
Gleichzeitig folgt hieraus, dass die Rezensionen fast alle zu lang sind.
Zwischen den Stühlen 5 von 5.00 Punkten
Verfasser Peter Sloterdijk hat über eine Phänomenologie des Übens sein Eintreten für Fleiss, Leistung und das Abmühen aufgedeckt. Das ist angesichts des eigenen Schaffensdrangs und seiner Belesenheit nicht verwunderlich. Er lässt damit seiner Generation die bunten Pluderhosen etwas herunter, in der zuweilen die kultivierte Funktions- Leistungsstörung als Evolution verstanden wird.
Daher der Aufschrei in manchem Feuilleton, der Mann sei reaktionär konservativ geworden. Die konservative Seite findet es auch nicht nur klasse, weil die Änderung eingefordert wird zu den aktuellen Krisen, also auch dezidiert der ökologischen und der wirtschaftlichen. Dabei fällt durchaus ein Name wie Hans Jonas. Das Einrichten im Gemütlichen, der unangestrengten Kunst und einer Schulerziehungskultur ohne Werte und Leistungskultur werden ebenfalls Absagen auf die Zukunftsfähigkeit erteilt. Globalisierte Herausforderungen benötigten gemeinsame Werte und die Zurückdrängung des Hegemoniellen.
Für den Rundumschlag holt er fast 700 Seiten lang aus in einer Detailierung- ja fast Apotheose- des Übens. Artistik, Askese, trainierende Übertreibung und Sport werden behandelt- auch in ihren Auswüchsen. Die vergessene Meisterschaft des lange erlernten Handwerks hat ihren Platz. Eine Aufnahme im Geistigen über 3000 Jahre von den Stoikern über die Brahmanen und östlichen Meister zu christlichen Exercicienleitern der Kirchenväter arbeitet erstaunliche Parallelen heraus.
Nitzsches philologische Kulturleistung begegnet einem ebenso wieder wie das bekannte Arsenal des Autors von Hugo Ball bis Heidegger. Der Titel des Buches, der für sich nahe am Punktabzug wäre, stammt aus einem Gedicht Rilkes, dessen furiose Interpretation alleine schon "das Eintrittsgeld" wert wäre.
Angesichts vergangener Debatten wundern die Hiebe auf die Frankfurter Schule ebenso wenig, wie die kritische Sicht zu Sartres Gulagleugnung und eigener geistiger Leistung. Man könnte noch mehr erzählen, doch lesen Sie lieber selbst! Es lohnt sich.
Lesbar 4 von 5.00 Punkten
Verfasser Sloterdijk geht von einem Rilkezitat aus und beschreibt Denkprozesse von Heraklit ueber Nietsche,Wittgenstei,Foucalt und andere in einer Sprache ,die auch ein Nicht-Philosoph gut verstehen kann.Lesenswert.
Hammer!! 5 von 5.00 Punkten
Verfasser Ich muss schon sagen, das Buch hat es in sich. Als Laie, der sich gern intellektuell betätigt, bin ich erst auf Seite 24, habe aber derartig viele Denkanstösse erhalten, dass ich das Buch schon jetzt als sehr gut bezeichnen kann. Vieles, was ich fühle und ahne, hat Sloterdijk in Worte gefasst, so dass ich denke, "ja, genauso ist es". Hoffentlich lesen es ganz viele, denn es vermittelt Lässigkeit in Fragen der Religion - kluges Werk!!
Unauflösbarer Eigensinn von Vorstellungsinhalten der Erste-Person-Perspektive 3 von 5.00 Punkten
Verfasser Sloterdyck hält den Naturalisten vor, (diese seien heute vor allem durch forsche Neurologen - er meint wohl die Gehirnforscher - vertreten), "...die Tatsachen des Bewusstseins in funktionaler Verfremdung und äusserer Reflexion aufzufassen, ohne dem unauflösbaren Eigensinn von Vorstellunginhalten, wie sie in der Erste-Person-Perspektive auftreten, gerecht werden zu können...".
Natürlich kann es, wie bei Sloterdyck, spannend sein, in dessen eigensinnige Vorstellungswelt seiner Erste-Person-Perspektive und dem Meer seiner zahllosen mehr oder weniger einleuchtenden assoziativen Reflexionen mit Genuss einzutauchen. Aber wer, wenn nicht eine dritte Person-Perspektive, könnte sicher eine potentielle Grenzlinie zu abnormen, grenzwertigen, essayistischen Krüppelgedanken eines singulären, schizoid Abwegigen ziehen ? (mit dem ich hier nicht unbedingt Sloterdyck meine !)
Peter Sloterdyck gelingt es selten, eine sprachliche Verallgemeinerungsbrücke (oder eine formulatorische Vereinfachung) - zwischen seinen privaten z.T. begnadeten Erste-Person-Appercus und einer allgemeinen Gültigkeit einer Dritte-Person-Perspektive zu bauen . Er verfügt offenbar nicht über architektonischen Mittel, dieses Pontifikat zu beherrschen.
Jedes einzelne Appercu erhält dadurch eine eingeschränkte, temporäre Gültigkeit. Der Spagat zur Beliebigkeit seiner zahlloser Gedanken ist zu gross.(z.B."..Wer Gott sein will, kann es in wenigen Sitzungen werden Für jeden Organismus ist seine Umwelt seine Transzendenz - Religion gibt es nicht..." )
So kommt es, dass man am Ende des Buches sich einerseits angeregt fühlt, wie nach dem Hören einer grossen Klaviersonate, aber Sloterdycks Anspruch auf Mehrung seines kognitiven Potentials nicht gerecht geworden ist. Zu vieles erscheint als eine post-festum Argumentation , zu austauschbar, umkehrbar, zu willkürlich und beliebig, zu getupft und nicht fixiert, manches gut verpackte Trivialität.
Wenn es dunkel ist, leuchten diejenigen die leuchten besonders stark 5 von 5.00 Punkten
Verfasser Ein heller Kopf der Gegenwart, wenn nicht der hellste, ist sicherlich Peter Sloterdijk. Der Mann ist umtriebig und veröffentlich sich zu nahezu allen Themen der Zeit: Weltzustände, Lebensgefühle, Systeme, Trainer und Kommentatoren und so einiges mehr. Das trifft oft auf den Nerv der Zeit und hat gleichsam eine epische Tiefe, die uns das Zivilisationsmuster vor Augen führt. Für Manche ist das schwer zu lesen, weil er sich einer evolutionären Sprache bedient, die ständig neue Begriffe für die Mysterien der Zeiten entwickelt. Manche sagen daher »sloterdijkesk«. Man darf vermuten eher abwertend, so wie es die tun, die den Dingen nicht wirklich folgen können.
Trotzdem denke ich sein Denken ist ungeheuer profund auf engem Raum. Wenn einer kritisch-analytisch mit dem Zeitgeist umgehen kann, dann er. Ein absoluter Monolith in bewegten Zeiten.
Auch in diesem Buch wird er seinem Ruf gerecht!
Und was nun? 3 von 5.00 Punkten
Verfasser Wer, wie zum Beispiel ich, erwartet, dass Sloterdijk in seinem Buch darlegen wird wie wir auf den unbedingten Imperativ "Du musst Dein Leben ändern" antworten sollen ist hier auf dem falschen Dampfer. Das Buch behandelt vielmehr fast ausschließlich in einem Durchgang durch die (Kultur- und Philosophie-) Geschichte wie Menschen an einer Lebenssteigerung gearbeitet haben, aus der dann letztlich nach Sloterdijk so etwas wie "Hochkultur" entstanden ist. Dabei hält sich aber Sloterdijk mit Inhalten gar nicht groß auf, es geht ihm offensichtlich mehr um die Darstellung der bloßen Formen der Lebenssteigerungsübungen, die sich im Laufe der Geschichte finden. Das Ethische ist für ihn begründet in dem sich Ausstrecken des übenden Menschen an dem Unglaublichen und im Grunde Unerreichbaren. Dabei arbeitet Sloterdijk auch die Wandlungen dieser Übungen im Laufe der Jahrtausende heraus. Der heutigen Zeit etwa attestiert er eine Entspiritualisierung der Askese und zwar mit Hilfe der Technik. Dadurch würde dem vormaligen Asketismus der Boden entzogen, denn nunmehr erreicht man seine Übungsziele viel besser mit nicht-metaphysischen und nicht-heroischen Mitteln (die industriepolitische Umstellung von Knappheit auf Überangebot, die Arbeitsteilung zwischen Höchstleistendem und weniger Angestrengtem in Wissenschaft und Sport, die Derregulierung der Sexualität, der Übergang von Massenkultur zur feindlosen Kooperationspolitik und einer postheroischen Sterbekultur). Dabei wird der Asketismus aber dennoch, so Sloterdijk, in seiner allgemeinen Tendenz bestätigt, nämlich der Verbesserung und Erhöhung des Lebens. Sloterdijk spricht von unserem Zeitalter als dem silbernen, dass sozusagen das vormalige eiserne Zeitalter des heroisch-metaphysischen Asketismus abgelöst habe. Um zu diesen "Ergebnissen" zu kommen braucht es satte 714 Seiten in 6 großen Buchabschnitten "Der Planet der Übenden", "Die Eroberung des Unwahrscheinlichen. Für eine akrobatische Ethik", "Übertreibungsverfahren", "Die Exerzitien der Moderne", "Rückblick", "Ausblick". Das Buch kommt nicht geradlinig zur Sache, sondern es gibt immer wieder Abschweifungen und wieder von vorne Beginnen, die es mir zu Anfang schwer machten überhaupt zu verstehen worauf der Autor in seinem Buch hinaus will: Denn von einem "Sachbuch" erwartet man ja gemeinhin gut aufbereitete "Fakten". Dieses Buch hat dagegen sicher aber auch literarisch-künstlerische Ambitionen (mit einer anspruchsvollen und über weite Strecken irgendwie faszinierenden Sprache) und beschränkt sich fast ausschließlich auf deskriptive Analyse denn auf Vorschlägen für normative Problemlösungsrichtlinien. Letzteres hat mich doch etwas enttäuscht. Die verabsolutierende Perspektive des Menschen als eines Übenden und der Bezug von hier auf die Ethik empfinde ich als Verkürzung trotz der vielen interessanten Aspekte und Einblicke, die sich dadurch eröffnen.
Der Sport wird zur Religion erhoben 5 von 5.00 Punkten
Verfasser Peter Sloterdijk, geboren 1947, ist Professor für Ästhetik und Philosophie an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe und lehrt an der Akademie für Bildende Künste in Wien.
Mit diesem Werk hat Sloterdijk wieder einmal bewiesen, dass es um unsere Gesellschaft und um die Einstellung zum Leben zwar schlecht steht, wir aber die Chance haben uns zu verändern. Wir müssen sie nur nützen. Sloterdijk führt uns vor Augen, was seit Anfang der Kultur schief gelaufen ist, mehr noch, wie unsere Kultur zu einem Haufen willenschwacher Menschen werden konnte. Statt Theologie als Hoffnungsspender tritt heute immer mehr der Spitzensport in den Vordergrund, nur mit dem Unterschied, dass es keine Spiritualität mehr gibt. Wer einen Iron Man mitmacht beweist Glaube, Stärke, Wille, Durchsetzungs- und Durchhaltevermögen. Sloterdijk plädiert für die Einsetzung unseres Willens und unserer Intuition. Was ist der Mensch? Mit dieser Frage beschäftigt er sich in diesem Buch aber auch mit der Frage: was soll der Mensch tun um glücklich zu werden? Er kommt zu dem Fazit, dass der Mensch ein Übungstier ist und dass es wichtig ist, dass der Mensch sich in allen möglichen Disziplinen übt um besser, stärker, willensstärker zu werden. Ich glaube herausgelesen zu haben, dass der Mensch auf dieser Welt ist um ein Leben lang zu lernen und zu üben. Das Buch ist relativ schwer geschrieben, die Sprache Sloterdijks ist keine einfache Sprache. Dafür wird man mit neuen Gedanken belohnt, mit ganz viele verschiedene Sichtweisen, die jedoch immer auf das gleiche hinauslaufen: der Mensch sollte üben um sich aus seiner Selbstentfremdung zu befreien, die ihn im Laufe der Jahrhunderte aus verschiedenen Gründen gefangen gehalten hat.
Er beschäftigt sich sehr lange mit Glaubensbewegungen: mit dem Christentum, dem Buddhismus, Hinduismus, mit Aberglaube. Auch die Postmoderne kommt hier stark zu Wort. Zwei weitere Stichwörter, die immer wieder im Zusammenhang mit menschlicher Kultur erwähnt werden sind: horizontal und vertikal. Der Mensch ist dann richtig Mensch wenn er den vertikalen Weg geht, den schwierigeren Weg, aufwärts oder abwärts, jedenfalls nicht gerade aus.
Viele bekannte und weniger bekannte Philosophen, Schriftsteller, Wissenschaftler - alte und neue - werden erwähnt, wie z.B. Johann Amos Comenius, Nietzsche, Marc Aurel, Klaus Berger, Jesus, Carl Friedrich von Weizsäcker, Hugo Ball, Cioran, Karl Barth, Gotthard Günther, Foucault, Heidegger, Derrida, Lacan, Alasdair MacIntyre, Aron Zalkind usw.
Es war für mich eine sehr bereichernde Lektüre voller inspirierender Sätze wie die folgenden:
In einer Welt von Mitläufern beim kollektiven Selbstbetrug sind die Zirkusleute die einzigen, die nicht schwindeln - wer auf dem Hochseil läuft, kann keinen Augenblick lang so tun als ob.
Er (Cioran) weigert sich, das eigene Dasein als Bestandteil eines gut geordneten Ganzen zu akzeptieren, es soll vielmehr die Misslungenheit des Universums belegen. Die christliche Umdeutung des Kosmos als Schöpfung wird von Cioran nur insoweit akzeptiert, als dabei Gott als der anklagbare Verursacher eines totalen Fehlschlags ins Spiel kommt. Für einen Augenblick gerät Cioran in die Nähe von Kants moralischem Gottesbeweis, obschon mit umgekehrtem Vorzeichen: Die Existenz Gottes ist mit Notwendigkeit zu postulieren, weil Gott sich für die Welt entschuldigen muss.
Der wahre Gott ist jener, der den Menschen bedingungslos überfordert, während der Teufel ihn auf seiner Ebene abholt (Karl Barth)
Es ist das von Gott gespannte Seil, über das die Artisten der Überwindung gehen und Überwindung heißt stets: das Wunderbare als das Mühelose ausgeben.
Die "Gewohnheit", als Wort wie als Sache, steht für die faktische Besessenheit der Psyche durch einen Block von schon erworbenen und mehr oder weniger irreversibel verkörperten Eigenschaften, zu denen überdies die zähe Masse der mitgeschleppten Meinungen gerechnet werden muss. Solange der Block unbeweglich verharrt, kann die neue Belehrung nicht beginnen. Dass Beobachtungen dieser Art auch in der asiatischen Welt gesammelt und festgehalten wurden, zeigt die bekannte Anekdote von dem Zen-Meister, der beim Eingießen von Tee in eine Tasse zum Erstaunen seines Schülers nicht Halt machte, als die Tasse voll war, sondern fortfuhr einzugießen: Damit sollte gezeigt werden, man könne einen vollen Geist nicht lehren. Das Studium besteht dann im Nachdenken über die Frage, was zu tun sei, um die Tasse zu leeren.
Das Individuum erscheint nun eher wie ein Trainer, der die Auswahl seiner Talente betreut und die Mannschaft seiner Gewohnheiten antreibt. Ob man die "Mikropolitik" nennt oder "Lebenskunst" oder "Selbstdesign" oder "Empowerment" ist bloß eine Geschmacksfrage.
Die Rückkehr des Erhabenen! Ein ethischer Imperativ? 4 von 5.00 Punkten
Verfasser Sloterdijk Reflektionen betrachten einen Zeitraum von fast 3000 Jahren Menschengeschichte. Sie gehen von der ersten Religion zu den bekannten antiken Philosophen, den Heiligen des Mittelalters, bis zu Wittgenstein, Kierkegaard, Kafka und Nietzsche. Bei diesen Reflektionen werden auch die asiatischen Philosophen und Weisen einbezogen.
Für die Leser die sich mit diesen Philosophen schon beschäftigt haben, ist das Buch eine wunderbare Zusammenstellung zu dem Gedanken der "vertikalen Spannkraft", zwischen dem Menschen und Gott. Für Leser die sich noch nicht mit philosophischen Gedanken beschäftigt haben, kann das Buch eine Anregung sein, sich mit den Gedanken von Seneca, Platon, Heraklit, Marc Aurel, usw. zu beschäftigen.
Der Autor zeigt dem Leser die Bedeutung der von "oben" ansetzenden Zugkräfte. Mit einem sehr plastischen Beispiel beschreibt der Autor dieses Phänomen der Vertikalspannungen mit Rainer Maria Rilkes Sonett Archaischer Torso Apollos. Dieser Torso ist eben keine vollendete Statue antiker Schönheit. Der Leser erkennt, er selber ist dieser Torso, er kann aber auch aus ihm heraus treten und sich selber betrachten und so die fehlenden Teile erkennen. Der Betrachter hat nun die Möglichkeit sich selber zu vervollständigen.
Gleichzeitig wird der Mensch vom Torso betrachtet. Dabei spiegelt der Torso Religion, Ethik und Askese, die von oben (Gott) abstrahlt, als die durchlichtete Äußerung des Seins. Die "Stimme" aus dem Stein mahnt den Betrachter, widersetz dich nicht dem Appell zur Form! Diese Wechselwirkung mit dem "Inneren Wächter" ist die Spannkraft und gleichzeitig die Aufforderung an den Betrachter: "Du mußt dein Leben ändern."
Der Autor verfolgt dann diesen Imperativ im Laufe der Menschheitsgeschichte und verweist in dem Buch z.B. auf den Satz von Baltasar Gracián: "Mit einem Wort, ein Heiliger sein". Ist damit alles gesagt, reicht bereits diese kluge Trainingsanleitung für den oben genannten ethischen Imperativ?
Oder muß die Philosophie, wie es Foucault fordert, wieder zu einem Exerzitium der Existenz werden?
Reicht unter Umständen bereits die Empfehlung die Jean Genet dem Seiltänzer mit gab, "Sich immer bewußt zu halten, daß er dem Seil alles verdankt."
Müßte der Betrachter des Torsos vielleicht nur auf die innere Senkrechte achten und prüfen wie der Zug von oben auf ihn wirkt?
Möglicherweise sollte man Sokrates folgen der im Kriton sagte: "Gehen wir den Weg den der Gott uns führt."
Vielleicht sollte man lieber einen ökologischen Imperativ beachten, der wie folgt lautet: "Handle so, daß die Wirkungen Deines Handelns verträglich sind mit der Permanenz echten menschlichen Lebens auf Erden"?
Fragen über Fragen! Erfahren sie in dem Buch, ob man durch Selbstreflektion und täglicher Übung dazu kommt, dem Torso die fehlenden Teile hinzufügen....
(Wem diese Reflektionen auf fast 710 Seiten zu schwer sind, findet ähnliche Gedanken in dem Buch Morgendämmerung der neuen Zeit. Vom Sinn im Sein)
Nur Philosophie, keine Wahrheit 3 von 5.00 Punkten
Verfasser Meiner Ansicht nach bleibt Sloterdijk, wie die meisten Philosophen, im Rationalen stecken. Er stellt nur Beziehungen von Konzepten dar, zugegebenermassen oft mit einem neuen, originellen Blick. Sein Begriff der Vertikalspannung ist bei genauerer Betrachtung seltsam. Die Ausrichtung an der Vertikalen, im Feld der Gravitation, zwischen Himmel und Erde, kann schon auf der Ebene von Gehirn-Körper die Spannung in der Existenz mindern oder tendenziell überwinden. Das Vertikale tendiert zur Zeitlosigkeit, das Horizontale ist Zeit und verselbständigtes Denken und erzeugt Spannung, eher als die Vertikale. Die Übungssysteme waren oft ein Neben- oder Folgeprodukt von Wahrheitslehren. Aus der rationalen Sicht ist der 'spirituelle Weg' und der 'spirituelle Meister' als Wegweiser zur inneren Befreiung eben Humbug. (über seine Zeit/Erfahrungen bei Osho habe ich in dem Buch nichts gefunden). Ich weiß nicht, wie gründlich P.S. die angegebene Literatur liest, mir fehlt da Genauigkeit und Tiefe, zum Beispiel in den wenigen Anmerkungen zur Lehre J. Krishnamurtis. P.S. hätte hier zum Beispiel auf Krishnamurtis Aussagen zum Wesen von Denken, Zeit und Furcht eingehen können. Über die Dialektik/Spannung/Dualität zwischen Übung(ssystemen) und Sein häte man noch tiefer ansetzen können. Spirituelle Wege wollten auch aus dem Übenmüssen befreien, das übersieht er. Ich finde gut, dass er immer wieder neue Themenfelder entdeckt, dafür drei Sterne.