Weltrisikogesellschaft: Auf der Suche nach der verlorenen Sicherheit (suhrkamp taschenbuch)
Ulrich Beck
Durchschnittliche Gesamt-Lesermeinung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 4 Bewertungen)
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de):
Globalisiertes Risiko - ein wichtiges Thema unserer Zeit! 4 von 5.00 Punkten
Verfasser Risken verändern sich im Laufe der Zeit. Mit der Globalisierung veränderte sich der Grad und die Intensität von Lebensrisken. Beck beschreibt einige dieser Risikoaspekte, analysiert diese und stellt auch die Hintergründe dar. Bis in etwa der Hälfte dieses Buches wird man von dieser Thematik gefesselt. Ab dann wird es ein wenig mühsam da immer akademischer und man unterliegt zunehmend der Versuchung Seiten ungelesen umzublättern. Erst gegen Ende wird das Thema wieder interessanter aufgenommen.
In Summe gesehen stellt dieses Buch eine wichtigen Beitrag zur soziologischen Aufarbeitung und Darstellung unserer aktuellen Weltenrisken dar. Wenn auch ab und wann recht zäh "dargestellt".
Lesenswerte Analyse unserer Zeit 4 von 5.00 Punkten
Verfasser Risiken lauern hinter jeder Straßenecke: ob in Gestalt von betrunkenen Autofahrern, Terroristen oder durch den Klimawandel bedingten Naturkatastrophen. Nur: Wer (abgesehen von der Versicherungsindustrie) hat wirklich Lust und Mut, sich eingehend mit den Gefahren der Gegenwart und der Zukunft zu beschäftigen? Ulrich Beck ist so ehrgeizig und setzt deshalb auf seinen 1986 erschienenen Klassiker "Risikogesellschaft" noch eins drauf. Er diskutiert und theoretisiert, benennt die Ursachen der globalisierten Risiken und macht in der Kosmopolitisierung der Interessengruppen einen Hoffnungsschimmer am Rande des Abgrunds aus. Sein Ziel ist eine neue Soziologie des Risikos, nicht mehr und nicht weniger. Allerdings geht er dabei auch immer wieder selbst ein Risiko ein, nämlich die Aufmerksamkeit seiner Leser zu verlieren: Die Analyse komplexer soziologischer Konzepte wechselt sich ab mit anekdotischen "Beweisen" und bangen rhetorischen Fragen. Kein Wunder, dass Beck an mehreren Stellen mit dem Zaunpfahl winkt und auf den roten Faden zeigt - wäre dieser doch ohne Hilfestellung für das ungeübte Auge kaum noch auffindbar. Doch davon abgesehen empfiehlt getAbstract das Buch nachdrücklich als brillante Beschreibung unserer Weltrisikogesellschaft.
Neuauflage ? 3 von 5.00 Punkten
Verfasser Aus der Risikogesellschaft wurde nun die Weltrisikogesellschaft.
Das Buch "Risikogesellschaft - Auf dem Weg in eine andere Moderne" war brilliant.
20 Jahre Erfahrung im Umgang mit dem Thema sind nun hinzu gekommen. Doch wo findet man sie in dem Werk ?
Ulrich Beck erklärt uns nach wie vor seine Perspektive, welche sich ihm damals von dem Hügel am Starnberger See aus eröffnete - das fast immer strahlende Himmelchen nun allerdings durch dunkle Wolken am Horizont abgelöst.
Lesenswert - doch falls man sein Buch von 1986 noch nicht gelesen hat tue man besser dies.
Wer sich nicht in Gefahr bringt, kann trotzdem sterben. 4 von 5.00 Punkten
Verfasser Wieder ein Ulrich Beck, wie man ihn kennt. Nur, vor zwanzig Jahren war alles Neu und nun: ... zum Jahrestag +1 von Tschernobyl 1986 eine interessante Wiederbelebung einer 21jährigen Theorie. Nur eben als Rückblick unter dem Vergleich, ob Theorie zur Wahrheit geworden ist, sei es eine nur wahre oder eine bittere Wahrheit. In der Tat gilt auch bei Paul Nolte's "Riskante Moderne" der Reaktorunfall im April 1986 als Teil eines Risikos, den die Gesellschaft eingeht (einging)und tragen muss. Aber viel mehr kommt die bittere Wahrheit zum Tragen, denn Beck hat in den Maße der zunehmenden Individualisierung bereits den Verlust der stabilen, sich selbst helfenden Gemeinschaft prognostiziert, die Schirrmacher in "Minimum" heute als wiederentdecktes Mittel zur Reanimation der deutschen Zukunftsfähigkeit definiert. Beck sah schwindendes Erkennen von Lebenszusammenhängen, zunehmend private Wahrnehmungsformen, die die Konvergenz von Historie und Gegenwart fördert bis zur Konzentration auf das den Augenblick bevorzugende Individuum, des Ichs.
"Riskante Freiheiten" nannte Beck später die Folge der Individualisierung und dieses Zurückgeworfensein auf sich selbst verhinderte das, was in einer immer globaler agierenden Welt eine notwendige Größe unabhängig von Herkunft und Nationalität darstellt: Respekt. Insbesondere ist westliche Meinungs- und Pressefreiheit im Westen nach wie vor gültig, in der gesamtpolitischen Sphäre jedoch auf Toleranz und Rücksichtsnahme gegenüber anderen Religionsgemeinschaften vor Ausübung zu prüfen. Soweit zur Einholung der Zukunft aus historischer Betrachtung. Dieses Beispiel mag Anlass genug sein, sich aktuell nochmals Becks Risikogesellschaft anzunehmen. Denn die subjektive Auswirkung dieser Individualisierung wird sich auch in der nahen Zukunft verstärkt zeigen, sie wird spürbar werden, wo doch der Staat weg von der Versorgung auf immer mehr Eigenverantwortung setzt und trotz staatlichem Handeln im nationalem Gefüge wird die persönliche Biographie schon zur Weltgesellschaft geöffnet, mehr noch: damit wird die "Weltgesellschaft Teil der eigenen Biographie", nämlich letztendlich zur Weltrisikogesellschaft mit Bumerangeffekt.
Was macht Beck nun neu gegenüber all den schon prognostizierten Szenarien dieser Welt? Neu ist, dass er den Teil der Selbstverschuldung deutlich macht. Waren es immer Natureignisse, Erzfeinde in einer zweigeteilten Welt, ist mit der Aufhebung der Feindbilder die Welt zu einer stressfreien Zone erklärt, aber nie wirklich geworden. Daher begrüsst er, wenn man so will, den Terrorismus als Neugestaltung von Feindbildern und in Folge zur Gestaltung eines national- oder global orientierten neuen Zusammenschlusses der Nationen. Und so "findet die Gedankenwelt des Getötetwerdens langsam wieder Platz in Deutschland, notfalls auch das Töten." Was Beck vorhat, ist nicht mehr als ein sich Recht geben bzgl seiner alten Theorien. Doch gibt es zweierlei wirklich Neues: Die bisherigen Randgesellschaften werden eingebunden in die Risikolage, insbesondere in Fragen des Klimas und dessen Veränderung. Westliche Wissenschaften haben sich eben nach seiner Meinung noch nicht der Sichtweise einer Globalisierung und deren Folgen angepasst. Diese bedarf einer Neuorientierung.
Den weiteren Punkt sieht er in der Kultur, die Konstruktivismus und Inszenierung betreibt und wenn man an Freud denkt, erneutes Unbehagen erzeugt. Angst wird also real kommuniziert, bevor das Ereignis eintritt, das sie rechtfertigt.
Insgesamt möchte Beck denjenigen gern Garaus machen, die glauben, die alte Moderne sei noch nicht tot. Postmodernes muss also her, was insgesamt einer eigenen Theorie des Terrorismus (s.o.) zuträglich ist. Dabei zeigt er den Amerikanern den erhobenen Zeigefinger, kommt dabei aber nicht umhin, Terrorismus gleichzusetzen mit den üblichen globalen Fällen wie Vogelgrippe, Kern- oder Gletscherschmelze. So geht es nicht. Da hilft ihm nicht, Medien zu Beschuldigen an der Selbstgefährdung durch Terrorismus beteiligt zu sein (dänische Karrikaturen). Gentechnische Veränderung ist da schon etwas anderes.
Beck kommt mit dieser Argumentation natürlich nicht zu einem Punkt, der konkretes Handlungsspektrum sein kann. Da versagt er wie Nolte vor einem Jahr. Der immerwährende Hinweis, Kooperation möge alles lösen, wird nicht helfen, wenn das Riskio eines Tsunamis, eines Vulkanausbruchs oder eines Erdbebens kommt. Diese dann geforderte Schnelligkeit im Handeln bedarf nicht einer zuvorgehenden Kooperationsverhandlung.
Dennoch, Beck ist Anreger zum Denken. Lesen lohnt sich allemal.
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