J. Robert Oppenheimer: Die Biographie
Kai Bird
Durchschnittliche Gesamt-Lesermeinung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 6 Bewertungen)
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de):
Der Zerrissene 4 von 5.00 Punkten
Verfasser Diese kompetent und akribisch recherchierte Biographie vermittelt einen umfassenden Einblick in Leben und Werk von J.R.Oppenheimer. Angetrieben von unbändigem Ehrgeiz hat dieser Hochbegabte rastlos ein Ziel nach dem anderen verfolgt und ist dabei in die Fallstricke der Politik geraten. Oppenheimers tragisches Geschick ist aus anderen Quellen bereits gut bekannt, was dieses Buch aber absolut lesenswert macht, ist einerseits die spannende Art der Darstellung und andererseits die Vielfalt an Information, die weit über die Person Oppenheimer hinausgeht und sämtliche Facetten des Umfeldes umfasst. So verfolgt man interessiert den Wissenschaftsbetrieb im allgemeinen und den der Physik im speziellen und lernt die Wissenschaftspolitik sowie generell die Politik der McCarthy-Ära im Detail kennen. Keine erfreulichen Fakten! Die Darstellungen sind jeweils mit den in diesen Bereichen agierenden Figuren belebt, so dass ein steter Fluss persönlicher und sachlicher Information den/die Leser(in) fesselt. Wenn Kritik zu üben ist, dann am Ungleichgewicht der Beschreibungen der Los Alamos- und der späteren Untersuchungs-Szenerie; bei ersterer kommt Einiges zu kurz, letzterer hätten Kürzungen gut getan. Aber das sind Feinheiten, die der hohen Qualität des Werkes keinen Abbruch tun.
Selten hat mich ein Leben so gefesselt 5 von 5.00 Punkten
Verfasser Ich habe das Buch verschlungen. Was für eine Recherche muß hinter diesem Buch stecken, und wie leicht lesbar das dann auch verpackt wurde. Einfach toll. Und man braucht keine Scheu vor naturwissenschaftlichen oder physikalischen Themen zu haben, die werden nicht lang und breit erklärt. Man kann als Leser auch tief in die Geschichte eintauchen, ohne einen Fatz von Physik zu verstehen.
Die Person Oppenheimer wird sehr faszinierend beschrieben, es muß einfach ein Gewinn gewesen sein, ihn zu kennen. Die Entwicklung seiner politischen Ansichten, seine persönliche und berufliche Entwicklung, seine Karriere, all das ist sehr interessant.
Die beschriebene Anhörung vor dem Ausschu0 ist sehr detailliert und streckenweise sehr faktenlastig. Aber es wird nie langatmig. Und gleichzeitig darf man als Leser auch ein Stück amerikanische Zeitgeschichte miterleben.
Ein Lehrstück über Charakter, Freundschaft, Genialität und Politikgeschichte.
Mehr kann keine Biographie leisten.
Ein Leben in purer Ambivalenz 5 von 5.00 Punkten
Verfasser Man könnte es ganz kurz machen: Wer die Geschichte der Wissenschaft des 20. Jahrhunderts verstehen möchte, der sollte dieses Buch lesen und in Oppenheimers Welt eintauchen.
Dieses Buch ist die Beschreibung des Lebens einer der widersprüchlichsten Personen des 20. Jahrhunderts. Und zugleich ist es das Leben eines Wissenschaftlers, in dem die Ambivalenzen ausgeleuchtet werden, die in dem Menschen waren, der zur Entwicklung der Atombombe maßgeblich beigetragen hat. Es drängt sich oft die unbeantwortbare Frage während jeder Buchseite auf, wie die Welt ohne die Person Robert Oppenheimer heute da stehen würde. Der geniale Physiker und der Projektmanager der Atombombe, der begabte und vielseitig intellektuelle Kettenraucher war so vieles, das man die einzelnen Facetten kaum fassen kann. Trotz eines Bachelor in Chemie war er nicht dazu in der Lage einfachste Versuche im Labor durchzuführen. Unbegabt im Labor, genial in der Theorie wäre ein Ansatz, der jedoch bei diesem komplexen Menschen viel zu kurz gegriffen wäre, um die Persönlichkeit zu beschreiben. Den Autoren Sherwin und Bird ist die Lebensbeschreibung jedoch so faszinierend gelungen, dass diese Biographie seinesgleichen sucht.
Es würde den "Fall Oppenheimer" in der Mc Carthy Ära, seinen Sturz als Berater der amerikanischen Regierung, nicht einmal gebraucht haben, um von diesem Mann in den Bann seines Lebens gezogen zu werden. Doch jene traurige Epoche der USA macht die Ambivalenz noch evidenter. Es ist eine Biographie über Oppenheimer, aber auch ein bedeutendes Zeugnis amerikanischer Geschichte. Und es ist eine Beschreibung, in der deutlich gemacht wird, welche politischen Gründe die Atombombenabwürfe hatten.
Man glaubt "Seite um Seite" die nervöse Energie dieses Menschen spüren zu können. Man hat die Wirkung seines Auftretens vor sich, in den Spiegelbildern der Beobachter. Diese Biographie entwirft ein offenes, ehrliches und detailliertes Bild.
Sukzessive wird dem Leser die Welt der Wissenschaft und der handelnder Personen spannend nahegebracht. Das Buch taucht in mehreren Ebenen ein. Da ist die reizvolle Figur des Robert Oppenheimer, die Geschichte, der Tod Hundertausender Menschen, diese furchtbare und unheilvolle Waffe. Das Buch bringt die Widersprüche der Politik im Zusammenspiel mit der Wissenschaft jener Zeit sehr nahe.
Oppenheimer hat gesagt: "Nun bin ich der Tod geworden, der alles raubt, Erschütterer der Welten."So pathetisch es sich anhören mag. Es findet sich viel Wahrheit darin!
Und das sagt vieles über die Geschichte aus. Über unsere Geschichte! Eine Geschichte in der Oppenheimer seinen traurigen Teil eingenommen hat.
Der Zauberlehrling 4 von 5.00 Punkten
Verfasser Die Autoren unternehmen mit diesem Buch den Versuch, einen umfassenden Einblick in J. Robert Oppenheimers Leben zu geben - und das ist ihnen gelungen. Wenn man das Buch zu Ende gelesen hat, glaubt man ihn besser zu kennen, als sich selbst. Oppenheimer gilt als der amerikanische Prometheus, der das Feuer bzw. die Atombombe durch das Manhattan Projekt in Los Alamos auf die Erde brachte, und hat damit das Ende des zweiten Weltkriegs in Asien sowie den Ablauf der Weltgeschichte seit 1945 beeinflusst. Das ist mehr, als ein Mensch tragen oder verantworten kann, und es war auch zuviel für Oppenheimer. Er war der Zauberlehrling in Goethes gleichnamigen Gedicht: Die ich rief, die Geister, werd ich nun nicht los. Man hätte ihm etwas mehr von dem gewünscht, was so altmodisch als Weisheit bezeichnet wird, aber die war wohl schon zu seiner Zeit aus der Mode gekommen. Oppenheimer hasste es, als Vater der Atombombe bezeichnet zu werden, aber sein Vermächtnis sind die Toten von Hiroshima und Nagasaki sowie der lange Schatten des Kalten Krieges - in Form von Tausenden von nuklearen Waffen. Einziger Wehmutstropfen, oder was ich vermisst habe: Über den eigentlichen Bau der Atombombe und die Probleme, die Oppenheimer und sein Team zu überwinden hatten, liest man so gut wie nichts. Die Biographie vermittelt den Eindruck einer akribischen Recherche, liest sich stellenweise wie ein Thriller und beschreibt letztendlich ein Stück amerikanische Zeitgeschichte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Nach den Ereignissen von 1954 bis zu seinem Tode 1967 kommt nicht mehr viel - Oppenheimer aber blieb, was er immer war: Ein Ketten-Rauchender, vielschichtiger, ambivalenter, selbstverliebter und hochintelligenter Widerspruch auf zwei Beinen. Wer sich mit den Themen Bau der ersten Atombombe, Kalter Krieg und Wettrüsten beschäftigen will kommt meiner Meinung nach nicht an diesem Meisterwerk vorbei. Den Pulitzer Preis bekommt niemand umsonst.
Detailiertes Lebensbild 4 von 5.00 Punkten
Verfasser Das in dieser Biografie viel Arbeit steckt merkt man natürlich, aber ich frage mich, ob man als Nicht-Amerikaner im Jahr 2009 alles so genau über Oppenheimers FBI-Akte wissen muss. Ich gebe zu, mir gefällt die Biografie von Klaus Hoffmann aus dem Jahr 1995 besser. Auf "nur" 306 Seiten zeichnet Hoffmann trotzdem ein breiteres Bild. Man erfährt auch etwas über Atomforschung, an der Oppi nicht beteiligt war, vom eigentlichen Bau der Bombe bekommt man ein anschaulicheres Bild, und auch das deutsche Atomprojekt wird behandelt. Hoffmann stellt auch den Menschen Oppenheimer zufriedenstellend dar. Sherwins Biografie ist wertvoll, aber für den Durchschnittsleser langatmig und gelegentlich sogar verwirrend.
Spannend wie ein Krimi 5 von 5.00 Punkten
Verfasser Ich hatte, bevor ich diese Biografie las, einiges über Oppenheimers Arbeit beim Bau der Atombombe in verschiedenen Magazinen oder Büchern gelesen. Aber nirgendwo wurde so auf den Menschen J. Robert Oppenheimer eingegangen. Sein Leben und die Zeit, in der aufwuchs und arbeitete, wird ebenso dargestellt wie die Personen, mit denen er zu tun hatte und die ihn bzw. die er beeinflusste. Ich kann auch für Nicht-Wissenschaftler diese Biografie nur empfehlen. Sie stellt die Umstände des Baus der Atombombe ebenso wie die Verfolgungen in den 50er Jahren wegen "unamerikanischer Umtriebe" klar dar und erschafft ein Bild der Zeit vom zweiten Weltkrieg bis weit in die 60er Jahre des letzten Jahrhunderts hinein, in dem die Person J. R. Oppenheimers ihren eindeutigen Platz findet.