Kritik der reinen Toleranz

Henryk M. Broder

Durchschnittliche Gesamt-Lesermeinung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 29 Bewertungen)


Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de):

thema wichtig, umsetzung schlecht      1 von 5.00 Punkten       Verfasser
Das Buch war bei mir ein Spontankauf. So kannte ich schon ein Buch aus dem Pantheon Verlag (Schatten der Globalisierung von Joseph Stiglitz), erwartete ich auch wieder ähnliche intelligente Argumentation. Der Verlag, das Erscheinungsbild und der Titel weckten dieses Vertrauen.

Beim Lesen der ersten Kapitel kam das böse Erwachen und die Reue um den Kauf in mir auf. Mit einer Aneinanderreihung von Zeitungszitaten, Politiker-Zitaten, vorwiegend aus Deutschland, versucht er uns zu zeigen, zu was falsch verstandene Toleranz führt. Inhaltlich konnte ich zwar häufig zustimmen, aber die Qualität ist einfach schlecht. Jedes Kapitel liest sich wie ein Weltwocheartikel; es geht rein um die Polemik eines Journalisten, aber ausser dieser bleibt nichts übrig. Herr Broder mag klug aussehen (so wie wir ihn auf dem Umschlag sehen mit dieser Brille), aber er weiss kaum Konstruktives zu erörtern. Wo bleibt die philosophische analytische Betrachtung, das scharfe Nachdenken und sachliche Argumentieren? Solche Aspekte fehlen im Buch grösstenteils. Ja, es ist eine Kritik-Schrift, aber nur das, und dazu eine schlechte. Wenn ich etwas kritisiere, versuche ich zu erklären warum, wieso in einem konkreten Fall das Toleranzverstänis wohl überzogen wurde und welche Alternativen denkbar oder eben halt doch nicht denkbar sind.

Herr Broder, als Vollblutjournalist, scheint über das Tagesgeschehen top informiert zu sein. Nunja, ich bin es auch, und er braucht mir nicht zusammengefasst zu erzählen, was zwischen Iran und Deutschland bezüglich der Urananreicherung gelaufen ist. Ich habe die Zeitung auch gelesen, danke!, und wann kommt Ihre Eigenleistung? Von Diplomatie, juristischen und philosophischen Abwägungen hat er m.E. wenig Ahnung. Vielleicht verurteilt er dies als abgehobenes "Gelehrtengeschwätz".

FAZIT:
Ich rate vom Kauf dieses Buches ab. Wer etwas wirklich von Toleranz und Gerechtigkeit erfahren will, lese die Experten wie Platon und andere.

Klare Kante      4 von 5.00 Punkten       Verfasser
Herr Broder zeigt die Merkwürdigkeiten der Betrachtungsweise der westlichen Demokratien hinsichtlich der "erlernten" Toleranzverhalten gegenüber Gruppen an, die unser System "nutzen", um ihre Sichtweisen an den "Mann" zu bringen. Toleranz ist prinzipiell ein falscher Begriff, denn Toleranz kann gegeben, aber auch genommen werden. Tolerant kann nur die Mehrheit sein. Wir in der großen Mehrheit haben inzwischen Angst vor der aggressiven Art der Vorgehensweise der Islamisten. Wir haben verlernt, klare Kante zu zeigen und eine wehrhafte Demokratie zu sein. Keine präventiven Rückzieher mehr, kein Wegducken-und Gucken. Was das Buch immer wieder aufzeigt, ist, dass Demokratie nicht etwas ist, was uns immer automatisch gegeben wurde. Man muss auch dafür einstehen und sie verteidigen!Kritik der reinen Toleranz

gnadenlos intolerant      5 von 5.00 Punkten       Verfasser
Ein wichtiges Buch. Leider wird die beschriebene Entwicklung so weiter gehen. Irgendwann wird alles irgenwie erklärbar und wer Klartext redet hat nur noch Nachteile. Man muß sich dieser, falschverstanden Toleranz intolerant entgegenstellen. Das heißt nicht sich respektlos zu verhalten, nicht sich andere Meinungen nicht anzuhören. Intoleranz in diesem Sinne aber macht einsam. Die Leute haben Angst anzuecken, Angst mit einer Meinung allein dazustehen. Ach!, es ließe sich noch viel schreiben. Lest das Buch selbst und lasst Euch hinterfragen und prüft alles, das Gute aber behaltet.

Ein Rufer in der tosenden Brandung!      5 von 5.00 Punkten       Verfasser
Broder ist bekannt für seine provokante Art. Seine scharfzüngigen Beiträge in TV-Diskussionsrunden und diversen Magazinen und Zeitungen empfindet man entweder als Erleuchtung oder Arroganz. Henryk M. Broder ist keine leichte Kost. Vor allem nicht für Leser seichter, politisch korrekter Schriften. Viel mehr nutzt Broder seine Stellung als Journalist und seine ethnische und kulturelle Herkunft, um der verstaubten politischen Bühne Deutschlands ihre eigene Feigheit um die Ohren zu hauen.

Gekonnt setzt er Paradebeispiele gescheiterter politischer Bestrebungen diverser Parteien und Gruppen ein, um seine These zu untermauern, dass absolute Toleranz einem politischen und wirtschaftlichen Selbstmord gleicht. Broder entlarvt die gutmenschliche Masche der Verschleierung und reißt dem Leser die rosafarbene Brille aus dem Gesicht, um unerbittlich zu konstatieren: "Es ist nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen!". Dieses Buch ist spannend bis zur letzten Seite, gefüllt mit allerlei kuriosen Begebenheiten der deutschen Innen- und Außenpolitik, die der Normalbürger in der Tageszeitung überliest. Er stellt Zusammenhänge zwischen der "social disorder" und der politischen Unfähigkeit her und begründet dies nachvollziehbar. Er bleibt seinem ehrlichen und konsequenten Stil auch in dieser Auflage treu und scheut sich nicht, sich selbst zum Feindbild fragwürdiger politischer Bewegungen zu machen.

Broders Stil und Standpunkt bereiten mir immer wieder Freude, da ich meinen eigene Sichtweise wiedererkenne und neue Erkenntnisse erlangen kann. "Kritik der reinen Toleranz" ist Broder vom Feinsten und ein Muss für jeden Kritiker des politischen Zeitgeistes.

Danke.      5 von 5.00 Punkten       Verfasser
Danke für dieses Buch!
Politisch in der Tat unkorrekt, ist es aufrüttelnd und legt den Finger in die Wunde.
Eine nüchterne, aufgeklärte Sicht der Dinge.
Auch wenn man nicht mit allen seinen Ansichten übereinstimmen muss: Es ist gut, dass es Leute wie Henryk M. Broder gibt. Viel zu häufig werden bei uns inzwischen quasi schon Denk- und Äußerungsverbote erteilt. Er schert sich nicht drum. Und das ist wirklich gut so.
Double-H.

Klasse - sehr lesenswert      5 von 5.00 Punkten       Verfasser
mag es auch in Teilen "auf die Spitze" formuliert zu sein, so trifft es doch sehr den Kern der Sache. Absolut zu empfehlen

Kritik der übertriebenen Toleranz      4 von 5.00 Punkten       Verfasser
In seinem Buch "Kritik der reinen Toleranz" hält Henryk M. Broder der westlichen Gesellschaft den Spiegel vor, wie sie sich krampfhaft um Konsens und political correctness bemüht. Der Grad der Toleranz, der beispielsweise in Deutschland geübt wird, führe dabei oft geradezu zu einer "Inländerfeindlichkeit". Anhand von zahlreichen Beispielen führt Broder auf, wo Toleranz - nüchtern betrachtet - zu weit getrieben wird. Und auch, wie die übersteigerte Toleranz instrumentalisiert wird; von Staaten wie dem Iran aber auch Einzelnen in der westlichen Gesellschaft. Diese verstehen es, die Toleranz als Mittel gegen die Tolerierenden zu verwenden, um sich damit selbst Vorteile zu verschaffen.

Es werden zahlreiche Probleme angesprochen und auch, wie sie oft aus intellektuell-toleranter Sichtweise kleingeredet werden. In einigen Punkten findet sich der gebildete Leser sicher selbst wieder. Leider stellt Broders Kritik aber keine konstruktive Kritik dar. Zumindest verzichtet er darauf, explizite Anregungen zu geben und Forderungen zu stellen. Dies ist jedoch auch nicht unbedingt seine Aufgabe oder die Aufgabe des Buches. Vielmehr zeigt er ein Problem auf, das Beachtung verdient. Dabei wendet er sich nicht gegen Toleranz an sich, nur gegen eine übersteigerte, nahezu pathologisch wirkende Toleranz!

Broder hat einen hervorragenden eingängigen Schreibstil. Auch wenn er selbst es hin und wieder unterschwellig an political correctness mangeln lässt oder teils etwas polemisch wirkt, so sieht man es ihm gerne nach. Schließlich ist er ein "Bürger mit Migrationshintergrund": seine Eltern waren polnische Juden. Deswegen ist es ihm gestattet sich auf solche Weise zu äußern - oder etwa nicht?

Brandmelder und Brandstifter zugleich      3 von 5.00 Punkten       Verfasser
Wer eine philosophische Herangehensweise zum Thema "Toleranz" erwartet, dem ist mit diesem Buch nicht gedient.

Broder hat eine andere Zielsetzung, er möchte das aus seiner Sicht unnatürliche, selbstverleugnerische, ja gar selbstzersörerische Verständnis der Deutschen und der übrigen westlichen Welt im Umgang mit der Toleranz vor Augen führen und anhand vieler Beispiele verdeutlichen.
Hinter der Maske der Toleranz verbirgt sich häufig nur Opportunismus, Feigheit, Schwäche, Ideologische Verblendung.
Mit viel Polemik und dem für ihn üblichen Sarkasmus vermittelt Broder diese Inhalte. Sein Schreibstil ist angenehm, leicht zu lesen und trotz der Ernstahftigkeit der Themen, gespickt mit beissendem Humor. Die Beispiele an Hand derer Toleranzmissbrauch gezeigt wird haben überwiegend mit dem Verhältnis islamischer Staaten zur Weltgemeinschaft oder mit dem Thema muslimischer Integration in die Gesellschaften der westlichen Welt zu tun. Niemand wird bestreiten, dass Broders Beispiele treffen. Es gibt einen Clash of Civilizations. Religiöse Fanatiker nutzen unsere Neigung zu Toleranz kaltblütig, schlagen uns mit unseren eigenen Mitteln und tanzen uns auf der Nase herum.
Allerdings gibt es jede Menge Beispiele des Toleranzmisbrauches auch in anderen Bereichen, die nicht mit dem Islam verbunden sind. Wie wäre es z.B. mit dem Asylrecht oder mit der Ausbeutung der Sozialen Sicherungssysteme?

Obwohl man dem Autor in allen seinen Punkten zustimmen muß, weniger polarisierend, vollständiger, versöhnlicher, konstruktiver und fairer integrationswilligen Muslimen gegenüber wäre das Buch wenn auch andere Bereiche kritisiert worden wären.

Das Buch ist inhaltlich interessant, informativ und unterhaltsam aber leider einseitig und m.E unvollständig.
Es trägt nicht zur Verständigung der Kulturen bei sondern eher zur Spaltung, deswegen nur 3 Punkte.


Scharfkantiges Portrait der Gesellschaft: eine vernichtende Bestandausnahme      5 von 5.00 Punkten       Verfasser
"Broder geht dorthin, wo es wehtut!" So urteilt die Tageszeitung "Die Welt" auf dem Buchumschlag. "Nein", muß man korrigieren, nicht er: die deutsche Gesellschaft geht dorthin, wo es wehtut. Er selbst hält ihr nur den Spiegel hin, damit sie erkennt, in welch alarmierendem, desolatem Zustand sie sich befindet.

Grund dafür ist, daß sie sich einer Gruppe von Gegnern gegenübersieht, die auf Toleranz mit Intoleranz antwortet, also Gleiches nicht mit Gleichem vergilt. Angeführt wird diese Gruppe laut Broder von militanten Islamisten und Migranten aus dem Nahen Osten. Anstatt sich aber zur Wehr zu setzen, reagiert die deutsche Gesellschaft mit vorauseilender Kapitulation und läuft dabei Gefahr, ihre Freiheit zu verlieren.

Broder schlägt aber den Bogen weiter. Die Symptome, die sich in deutschen Städten manifestieren, sind Anzeichen einer weltweiten Entwicklung, die bereits Huntington in seinem Buch "Kampf der Kulturen: Die Neugestaltung der Weltpolitik im 21. Jahrhundert" vorausgesagt hatte. Die Rückständigkeit des Islam "im Vergleich mit den Werten und Normen der Modernität" (S.185), die der niederländische Politiker Pim Fortuyn kurz vor seiner Ermordung 2002 beobachtete, hält auch Broder für eine der zentralen Ursachen der Zustände. Denn "anders als Christen- und Judentum" hat der Islam "nicht den Prozess der Aufklärung durchgemacht". (S.185)

Broders feuilletonistischer Stil ist passagenweise sensationell in seiner Brillanz. Mit spitzer Feder entlarvt er die von innen verrotteten, überlebensunfähigen Institutionen, die sich die Bürger per Gesetzgebung und Auslegungspraxis geschaffen haben. Dabei nimmt er kein Blatt vor den Mund und nennt die Dinge beim Namen. Seine klare Sprache entlarvt politische Korrektheit als Scharlatanerie, die in ihrer perversen Logik erst den Schaden anrichtet, den sie verhindern will. Sein dringender Appell: sich unverzüglich zu besinnen und den moralischen Kompaß wieder in Ordnung zu bringen.

Wie das Buch mit Kant ins Verhältnis zu setzen ist, auf den er sich ja in seinem Titel direkt bezieht, bleibt offen. "Kritik" ist im Kantschen Sinn nichts weiter als eine wissenschaftliche Erörterung. "Rein" im Kantschen Sinne ist eine Kritik dadurch, daß sie sich dem Denker und Verfasser allein aus dessen theoretischen Erkenntnisvermögen erschließt, ohne auf praktische Erfahrungen aus der Welt der Dinge zurückzugreifen. Davon ist Broder aber in diesem Buch meilenweit entfernt. Broder hält sich jedenfalls nicht mit theoretischen Traktaten im Stil von Kant auf, bei ihm geht es ausschließlich praktisch zu. "Vernunft" im Kantschen Sinn wird in diesem Buch nicht berührt.

"Toleranz" hat zunächst gar keinen Kantschen Bezug. Wollte Broder auf das gleichnamige Werk von Robert Paul Wolff A critique of pure tolerance aus den 1960er Jahren Bezug nehmen? Immerhin vertritt Wolff die Überzeugung, daß es die Pflicht jedes Einzelnen ist, sich selbst zum Urheber seiner Entscheidungen zu machen und sich weder vom Staat noch von anderen reinreden zu lassen. Mit anderen Worten, Wolff befürwortet die Anarchie. Was wir aber auf den Straßen von Berlin vorfinden, ist eine Form der Anarchie, nämlich das Privileg für eine de facto vom Staat geschützte Minderheit, die sich fast alles erlauben kann.

Es gibt soziobiologische Nachweise für Kooperationsstrategien (so bei Eckart Voland: Die Natur des Menschen: Grundkurs Soziobiologie, Soziobiologie: Die Evolution von Kooperation und Konkurrenz), wie beispielsweise das Beuteteilen unter Jäger- und Sammlergemeinschaften, um die Überlebenswahrscheinlichkeit zu erhöhen, aber ebenso kennt die Soziobiologie unbestreitbare Beweise von Abgrenzung, Rudelbildung und Konkurrenzstrategien zwischen Gruppen, bei der am nur ein Gewinner übrig bleibt. Die Deutschen wissen nur zu gut, wie geschickt hier die nationalsozialistische Ideologie sich dieser Veranlagungen im Menschen bedient hat. Siehe hierzu auch Gustave Le Bon: Psychologie der Massen.

Wenn Broder sich auf Kants Hauptwerk bezogen wissen will, kann es sich nur um die Aufforderung handeln, zu einer allgemeingültigen, a priori gewonnenen Definition von Toleranz zu gelangen, die allein für die Gesellschaft die Grundlage jeglicher praktischen Anwendung bilden muß. Wann können wir mit Broders Beitrag hierzu rechnen?

Broder übertrifft sich selbst      5 von 5.00 Punkten       Verfasser
Obwohl ich schon viele Bücher von Henryk M. Broder gelesen habe, finde ich dieses am besten. Sein zynischer Schreibstil erkennt die Mißstände der Republik messerscharf und bringt es auf den Punkt. In diesem Buch wird wieder einmal der deutschen Gutmenschlichkeit der Spiegel vorgehalten und die ganze Absurdität der Migrationsindustrie aufgedeckt.
Kurz, wer sich über die Zustände im "Einwanderungsland" Deutschland informieren möchte und den schwarzen Humor eines Henryk Broder mag, ist mit diesem Buch bestens bedient.

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