Anmerkungen zu Hitler.

Sebastian Haffner

Durchschnittliche Gesamt-Lesermeinung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 53 Bewertungen)


Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de):

Das Schlaueste, was es über Hitler zu lesen gibt      5 von 5.00 Punkten       Verfasser
Die "Anmerkungen" lese ich nun schon zum drittenmal, sie sind es einfach wert. Haffner stellt Hypothesen auf, die alles andere als Hirngespinste sind. Überzeugend baut er seine Theorien über Ziele und Denkweisen des "großen Diktators" auf und hat den Mut auch über die durchaus beeindruckenden Leistungen Hitlers zu schreiben. Damit liefert er mehr als jeder andere Autor eine überzeugende Antwort zu der immer wieder aufgeworfenen Frage, warum die Deutschen diesem Mann so bedingungslos gefolgt sind (jedenfalls eine Zeit lang). Lobend sei auch die leicht verständliche "Schreibe" Haffners erwähnt, mit der er sich -nicht nur in diesem Werk- von den Arbeiten der meisten Profi-Historiker abhebt.

kompakt und brilliant      5 von 5.00 Punkten       Verfasser
Über Sebastian Haffner wurde schon viel Kluges geschrieben.
Nur soviel: Das Buch ist kompakt, publizistisch-provokant und brilliant.
Man darf keinen sachlich-sauberen Historiker erwarten, sondern darf sich an seinen neuen, zugespitzen Sichtweisen erfreuen.
Wen die erste Seite begeistert, der wird das gesamte Büchlein mit Freude und Gewinn lesen.

Aufschlussreich, informativ, lehrreich, einfach lesenswert      5 von 5.00 Punkten       Verfasser
Der Aufbau meines Geschichtsunterrichts zu meiner Gymnasialzeit (bis 2006) wurde sehr wahrscheinlich in den 50er Jahren festgelegt, nach dem Prinzip wir bösen Deutschen, schämt euch für eure Vergangenheit und seid weder selbstbewusst noch patriotisch.
Meine Mutter meinte zur WM 2006 zu mir, häng dir bloß keine Fahne an das Auto, sonst wird es noch zerkratzt! Ich tat es trotzdem und das Auto blieb heil...welch Wunder!
Irgendwie glaube ich, dass dieses Sportereignis teilweise eine Wende in Deutschland in Gang setzte.
Zu Weihnachten geschenkt bekommen und so schnell es ging verschlungen.
Es ist gelungen gegliedert, sehr interessant geschrieben, beschreibt Hitler nicht so einseitig wie ein Schulbuch, wie gesagt, sehr lehrreich und absolut lesenswert!

Ein kluger Kopf      4 von 5.00 Punkten       Verfasser
Bis etwa zur Hälfte des Buches wirklich brilliant. Ab dem Jahr 1942 werden die Konturen etwas unschärfer und die Analyse ein wenig spekulativ. Dennoch ein wirklich hervorragendes Werk.

Ein Standardwerk!      5 von 5.00 Punkten       Verfasser
Jedem, der sich intensiv mit den fatalen Verstrickungen und den Unmenschlichkeiten im Dritten Reich auseinandersetzen möchte, sei dieses Buch empfohlen. Wie in wenigen sonst, gelingt es Sebastian Haffner, die feinen Netze und Abhängigkeiten einer totalen Helden- bzw. Führergläubigkeit transparent zu machen und sie mit dem Charakter des AH zu verbinden. In einer verständlichen, klaren Sprache.

Unnötig hier, eine weitere Inhaltsangabe zu bringen. Ich möchte mich auf eine Stelle beziehen, die exemplarisch das Denken von Haffner erklärt und die in Zusammenhang steht zum 20 jährigen Jubiläum des Endes der DDR.

Haffner formuliert, dass nicht Kapitalismus und Sozialismus Gegensätze sind, sondern Sozialismus und Individualismus. "Eine Art Kapitalismus ist nämlich der Sozialismus im Industriezeitalter ganz unvermeidlich ebenfalls. Auch ein sozialistischer Staat muss Kapital akkumulieren, erneuern, erweitern; die Arbeitsweise eines Managers ist im Kapitalismus und im Sozialismus exakt die gleiche." Nach seinen theoretischen Ausführungen sagt Haffner gerne und zurecht: "Sprechen wir konkret." Die Entfremdung durch die Arbeit war für ihn im Westen identisch wie im Osten. Was die DDR zu den alten Bundesländern unterschied, und damit der Hitlerdiktatur glich, war der Zwang zum Glück in der Freizeit- bzw. Vereinsgemeinschaft.

"Das Schulkind gehörte zum Jungvolk im Dritten Reich, in der DDR den Jungen Pionieren, die Freie Deutsche Jugend war das Pendant zur Hitlerjugend, der Sport der DDR wurde ähnlich geregelt, ja noch perfektioniert etc. etc. Haffner nennt viele weitere Beispiele. "Hitler war in dieser Hinsicht unzweifelhaft Sozialist - ein sehr leistungsstarker Sozialist sogar - , dass er die Menschen zu diesem Glück zwang."

Haffner stellt die Frage in Richtung DDR in das Heute: "War es ein Glück"? Wenn man Ältere, die das Dritte Reich noch erlebt haben, befragt, stehen die Glückserlebnisse der Gemeinschaftsaktivitäten sehr stark im Vordergrund. Kraft durch Freude, durch Urlaube, Hitlerjugend, Abenteuer etc.: Diese erlebte "Glücksmauer" verhinderte ganz bewusst im Sinne Hitlers, hinter die wirklichen Absichten des Regimes zu blicken.

Haffner möchte und kann diese Frage natürlich nicht beantworten, aber auch ich habe heute das Gefühl im Gespräch mit ehemaligen Bewohnern der DDR, dass diese die Gemeinschaftserlebnisse als etwas Schönes und Bereicherndes ansehen. Etwas, das sie im individualisierten Egoismus der Westgesellschaft vermissen. Selbstverständlich ohne die zweifellos vorhandenen Übersteigerungen durch Profisportler bzw. Doping. Mich würde interessieren, wie Zeitzeugen diese Rolle der Gemeinschaftserlebnisse in der ehemaligen DDR einordnen würden.

Kurz aber voller Einsichten      5 von 5.00 Punkten       Verfasser
Einige Thesen Haffners regen mich zum Widerspruch, aber das ist gut so. Selten habe ich ein Buch so schnell "verschlungen". Die Kerneinsicht war für mich, dass Hitler alle Ziele (insbesondere die verbrecherischen) in seiner Lebenszeit erreichen wollte. All die bunten Fernsehdokumentationen über die Zeit sind blass gegenüber diesem kleinen Buch.

Sehr empfehlenswert      5 von 5.00 Punkten       Verfasser
Sebastian Haffner ist ein äußerst kompetenter Autor, der auch dazu noch sehr geeignet ist als Sprecher. Das macht sein ohnehin hoch interessantes Buch noch ansprechender. Sehr empfehlenswert.

Zutiefst beeindruckt      5 von 5.00 Punkten       Verfasser
Ich wage, zu behaupten: Nach allem was ich je über den Verbrecher Hitler gelesen habe, ist diese beeindruckende Zusammenfassung des mittlerweile verstorbenen Autoren mit Abstand das Beste, weil kurz, knapp, präzise der Kern des Charakters dieser braunen Ungestalt, aus dem sich fast alles erklärt, offengelegt ist.
In sieben Kapiteln LEBEN - LEISTUNGEN - ERFOLGE - IRRTÜMER - FEHLER - VERBRECHEN - VERRAT wird Hitlers Handeln und die damit verbundenen Folgen auf das Wesentliche reduziert, wobei auf eine Schilderung seines höchst unwichtigen und kümmerlichen Privatlebens verzichtet wird.
Erst 1997 wurde der Vernichtungsbefehl über die Juden aufgefunden (Die Zeit: Volker Ullrich, 12/1997) und somit auch das in den ANMERKUNGEN Haffners bestätigt, was bis dahin zumindest von interessierten Kreisen bestritten wurde.
Auf rund 200 Seiten im Taschenbuchformat wird alles Wesentliche über Hitler gesagt, was über diese Figur zu sagen wert ist. Obgleich Haffner kein Historiker sondern Kolumnist war, ist es ihm in genialer Weise gelungen, selbst jedem geschichtlich Unbeleckten diese Gestalt verständlich zu machen, so unglaublich und unfasslich dessen Handlungen auch waren.
Haffner schildert das Wesentliche. Mit keiner Zeile werden dabei Zusammenhänge oder Hintergründe vernebelt und unerklärt gelassen.
Würde man dieses Buch als Unterrichtsstoff an den Schulen ab der achten Klasse einführen, könnte sich Mancheiner dummes Geschwätz zu einem düsteren Teil deutscher Geschichte ersparen. HMcM


Unverstandenes verständlicher machen      5 von 5.00 Punkten       Verfasser
noch nie zuvor habe ich soviel über eine Zeit erfahren, die ich bisher nicht verstanden habe, vieles bleibt für mich trotzdem ein Rätsel, aber dieses Buch zeigt mutig, herangehensweisen an, unfassbares, transparenter zu machen. Es wäre zu wünschen, dass dieses Buch auch an unseren Schulen behandelt wird.

Buchtipp für JBK und viele andere Deutsche      5 von 5.00 Punkten       Verfasser
Hätte Sebastian Haffner als Experte zur Verfügung gestanden, wäre Eva Herman 2007 wohl nicht aus der Johannes-B.-Kerner-Show geflogen. Denn Haffner wagt es (und dank seiner Belesenheit und der entwaffnend schlichten Logik seines Argumentationsstils gelingt diese Gratwanderung, an der nicht nur Eva Herman, sondern knapp zwanzig Jahre zuvor auch Philipp Jenninger scheiterte), Hitler seine Leistungen und Erfolge nicht abzusprechen, "nur weil es eben Hitler war", dem sie gelangen. Keine Ausflüchte bei der Beschreibung der Dominanz Hitlers auf der europäischen Politbühne der dreißiger Jahre (Saarland-Abstimmung, Wiederbewaffnung, Münchner Abkommen) oder bei der Beseitigung des Elends von sechs Millionen Arbeitslosen. Die Umstellung des Heers auf integrierte, selbstständig operierende Panzerdivisionen, die sich als entscheidender Vorteil beim Vormarsch in den ersten Kriegsjahren erweisen sollte und die Hitler mit taktischem Weitblick gegen preußisch-konservative Kräfte innerhalb des Militärs durchgesetzt habe, gehört laut Haffner ebenfalls in die Liste seiner unbestreitbaren Leistungen.
Ebenso konsequent ist der Historiker dann auch bei der Benennung seiner Verbrechen. Hitler habe das deutsche Staatswesen demontiert und an dessen Stelle selbstherrlich lediglich seine eigene Person gesetzt, ohne Vorsorge für die Zeit nach seinem Tod zu treffen (und das trotz ständiger Bereitschaft zum Selbstmord). Hitler gehöre in die "Kriminalchronik" der Geschichtsschreibung, weil er massenhaft und industriemäßig dem Morden nachgegangen sei, und das aus Motiven, die "dem Frauenvertilger Kürten und dem Knabenvertilger Haarmann" auf ihre Weise genauso für ihre Morde genügt haben. Er sei grausam wie Stalin gewesen, habe anders als dieser aber auch dann gemordet, "wenn ihm die Staatsräson nicht den geringsten Grund oder auch nur einen Vorwand dafür bot", mitunter sogar ganz gegen die Staatsräson.
Ähnlich unvernünftiges Verhalten sei zu erkennen bei der Kriegserklärung an die USA, der Liquidierung polnischer und russischer Eliten, die oftmals gar nicht deutschfeindlich waren, oder bei der Durchführung des Massenmordes zu einem Zeitpunkt, da eben diese Verbrechen jeden vorzeitigen Friedensschluss zur glimpflichen Beendigung des verlorenen Krieges unmöglich machen mussten. Besonders erhellend sind in diesem Zusammenhang Haffners Ausführungen zu den Wochen rund um den 30. Nov. 1941. In dieser Zeit, so formuliert es der Autor, dankte "der Politiker Hitler endgültig ab zugunsten des Massenmörders Hitler". Damit leitet Haffner über zu seinem Schlusskapitel "Verrat", zugleich eine Art Bilanz seiner "Anmerkungen zu Hitler". Denn mit der sich abzeichnenden Niederlage im Weltkrieg habe Hitler sein wahres Gesicht gezeigt, das eines hemmungslosen Egomanen und besinnungslosen Visionärs, dem das Schicksal, das Wohlergehen, der deutschen Nation total gleichgültig war. Beklemmend die Erkenntnis, dass Hitler selbst das war, was er den Juden zum Vorwurf machte: kein Patriot, sondern ein Parasit, der sich ein Wirtsvolk sucht (Hitlers Auswanderung nach Deutschland), dieses aussaugt, infiziert und am Ende todkrank zurücklässt. Mehr noch: Die Vernichtung Deutschlands war Hitler willkommen, da er selbst gescheitert war. Seine Ziele, so macht Haffner einsichtig, nämlich Beherrschung der Welt als Führer und Oberhaupt der deutschen "Herrenrasse" und Ausrottung der Juden, ließen sich parallel verfolgt im Grunde auch gar nicht miteinander vereinbaren, liefen einander entgegen. Am Ende sollte Deutschland mit Hitler untergehen, aber Hitler hätte der Welt wenigstens ein, wie er wohl tatsächlich glaubte, verdienstvolles Erbe hinterlassen: die Vernichtung des jüdischen Volkes. Ihr allein galt Hitlers Interesse nach der Kriegswende Ende 1941.
Es seien ja gerade die "Binsenweisheiten", so Haffner, die man so leicht übersehe. Das ist gleichsam die Quintessenz seines Buches: Die meisten Informationen sind nicht neu, aber viele Schlussfolgerungen, zu denen sie eigentlich zwingen, werden trotzdem gern übersehen. Und so neigen die Deutschen auch dazu, zu übersehen, dass der zu großen Teilen gelungene Versuch der Vernichtung der europäischen Juden nicht nur ein grausamer Völkermord war, sondern dass er gleich in mehrfacher Hinsicht auch gleichbedeutend war mit einem kolossalen Verrat am deutschen Volk. Dass der ausgeblieben wäre, wenn Hitler den Krieg nicht verloren hätte, kann man nach der Lektüre dieses brillanten Buches nicht mehr glauben.

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