Euthanasie im NS-Staat: Die Vernichtung lebensunwerten Lebens
Ernst Klee
Durchschnittliche Gesamt-Lesermeinung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 4 Bewertungen)
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de):
Ungesehen, unerhört, Mahnung, die keiner haben will 5 von 5.00 Punkten
Verfasser Klees Report - Trilogie ist ein Muß für die Geschichtsaufarbeitung. In iener nüchternen Art wird ein Mordkapitel dargestellt, bei dem Deutschalnd schuldig wurde, durch Wegsehen, durch Ignorieren durch Entwerten. Die Schuld reichte lange nach dem zweiten Weltkrieg hinein, noch heute sind Massenmörder unter uns udn viele konnten in einem "Rechtsstaat" unbehelligt untertauchen. Dies ist nicht nur ein Kapitel für Ärzte sondern auch für Juristen, die ihre Geschichte weiter bearbeiten wollen.
Die Darstellung der grausamen Wirklichkeit im NS- Staat 5 von 5.00 Punkten
Verfasser Es müssten sich mehr Menschen mit diesen Thema auseinandersetzen, denn dies ist ein Kapitel, leider, unserer Vergangenheit und ich denke, jeder sollte sich über sein Handeln gegenüber anderen Menschen bewusst sein und diesen kritisch hinterfragen.
Dieses Buch lohnt sich einfach zu lesen!
Fürsorge als Schädlingsbekämpfung 5 von 5.00 Punkten
Verfasser Mit Euthanasie bezeichnete man ursprünglich die Sterbehilfe für unheilbar Kranke und Schwerstverletzte mit dem Zweck, ihnen qualvolles Leiden zu ersparen.
Mit "Sterbehilfe" in diesem Sinne hatte die ideologisch motivierte "Vernichtung lebensunwerten Lebens" im Dritten Reich allerdings nichts zu tun, denn im Nationalsozialistischen Deutschland ging es niemals darum, irgend jemand einen "Gnadentod" zu gewähren, es ging um den geheimzuhaltenden Massenmord aus wirtschaftlichen und militärischen Gründen.
Erschreckend ist nicht allein, was und wie es geschah. Erschreckend ist die Tatsache, dass fast alle damals freiwillig mitmachten und ausführten, was im Namen des Führers befohlen wurde, denn zahlreiche offizielle Stellen und viele Personen waren dabei beteiligt und wussten davon: Reichbahn, Reichspost, die Gesundheitsverwaltungen, Arbeitsämter, Gerichte, Polizei, Staatsanwaltschaften und nicht zuletzt auch die Heilanstalten, in deren Obhut sich die Kranken, Behinderten und Pflegebedürftigen befanden.
Dass es dabei nachweislich nicht um Sterbehilfe ging, belegen die vielen verschiedenen Dokumente aus unterschiedlichen Quellen, die der Autor zusammengetragen hat, unter anderem die Kopie eines Original-Aktendeckels aus der Registratur des Württ. Innenministeriums mit der Aufschrift: "Heilanstalt Grafeneck - Eingaben und Beschwerden ", denn unter der Überschrift findet sich ein Stempel: "Nicht in Feindeshand fallen lassen! Bei Feindgefahr vernichten!" (abgebildet im Band: "Dokumente zur Euthanasie", hrsg. ebenfalls von Ernst Klee).
Die an dem Massenmord beteiligten Stellen hatten nämlich den Befehl, vor dem Eintreffen alliierter Truppen alles belastende Material zu vernichten, was jedoch offensichtlich nicht in jedem Fall und vollständig gelungen ist.
Der Autor versucht in seinem Buch aber "nicht nur auf die Täter zu starren", sondern insbesondere der Frage nachzugehen, "wie es geschehen konnte, daß Kranke, Arbeitslose, Behinderte, Alkoholiker, Alte, Nichseßhafte usw. von ihren Fürsorgeverbänden schon vor dem Nationalsozialismus zu minderwertigen und Lebensunwerten deklariert wurden - was ihre spätere Tötung letztlich erst ermöglichte." Die ideologischen Grundlagen für die Euthanasie wurden nämlich bereits vor 1933 gelegt.
Und Erst Klee schreibt an einer anderen Stelle: "Die Euthanasie zeigt, wohin der Weg letztlich führt, wenn Menschen über den Leisten einer Kosten-Nutzen-Relation geschlagen und Hilfe-Bedürftige zu Pflegeware degradiert werden. Jeder Ansatz dazu ist sträflich."
Interessante Aufarbeitung eines verdrängten Themas 5 von 5.00 Punkten
Verfasser Wie wir Deutschen mit den Juden oder den Sinti und Roma verfuhren, ist uns heute weitestgehend bewusst. Dass wir aufgrund scheinbarer rassischer Merkmale einen industriemässig betriebenen Mord veranstalteten, ist jedem beuwsst. Mordlager wie Auschwitz, Treblinka oder Sobibor sind so vielen auch im Land der Täter ein Begriff, dass die Verbrechen des Nationalsozialismus abgearbeitet scheinen.
Aber auch der Holocaust hat seinen unmittelbaren Vorläufer. Die Vernichtung "lebensunwerten Lebens" begann in einem Mord am eigenen Volk, an "Schwachsinnigen" und chronisch Kranken. Gaskammern entstanden in Kliniken, und der Vorläufer der Deportation war der Abtransport Kranker in diese Vernichtungsanstalten. Durch eine gemeinnützige Transportgesellschaft.
Als das Volk merkte, dass die Führung so ruchlos mordete, kam es sogar hierzulande zum Widerstand. Die Gaskammern in den Kliniken wurden eingemottet. Aber skrupellose Rassehygeniker mordeten weiter, mit Hungertod und Betäubungsmitteln, Alte, Kinder und wehrlose Kranke.
Vor den Juden kamen die Volksgenossen. Rassenhygiene konnte niemals enden, sie war von den Nazis als von oben auferlegter darwinistischer Ausleseprozess angelegt.
Wer wissen will, woher die grosse Befangenheit gegen Gentechnik, als Umgestaltung des Menschen, oder gegen das Töten unrettbar Kranker, die das selbst wollen, kommt, findet hier die Antworten und den Ursprung. Frühere "Weltverbesserer" und "Rasseverbesserer" hielten auch den Mord im Namen scheinbar hehrer Ziele für gerechtfertigt, und Ungleichheit und Abweichen von der Norm waren Anlass genug für staatliche Tötungshandlungen.
Euthanasie war ursprünglich nicht das, was heute in den Niederlanden erlaubt ist: Sterbehilfe. "Eu" bedeutet gut und "Thanatos" Tod. Aber der "gute Tod" der Nazis war die Hinrichtung im Namen der Gesellschaft, nicht auf die Erlösung von Schmerz ausgerichtet.
Wo der Mensch nur zum statistischen Begriff einer Kosten-/Nutzenrechnung verkommt, zum genormten Erbringer von Leistungen, zum Spielball derer, die sich anmassen, die Schöpfung neu schreiben zu wollen, ohne ethische Mindestgrundsätze, dort lauert auch heute noch das Gespenst und der Geist eben dieser Euthanasie im Schatten.