Mittelalterliche Kampfesweisen II. Der Kriegshammer, Schild und Kolben: Kriegshammer, Schild und Kolben. Talhoffers Fechtbuch Anno Domini 1467
André Schulze
Durchschnittliche Gesamt-Lesermeinung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 3 Bewertungen)
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de):
Mittelalterliche Kampfesweisen II. Der Kriegshammer, Schild und Kolben: Kriegshammer, Schild und Kolben. Talhoffers Fechtbuch An 4 von 5.00 Punkten
Verfasser Sehr tolles Buch!
Bissel zuviel Biographie von Thalhoffer und schmückendes Beiwerk und bissel zu wenig Kampftechnik. Aber wie im Buch beschreiben steckt das alles, was Luzerner Hammer , Streitkolben und so anbelangt noch in den Kinderschuhen.
Für diesen Preis bissel wenig Buch. Aber trotz alledem sehr sehr sehr toll!
Mittelalterliche Kampfesweisen II. Der Kriegshammer, Schild und Kolben: Kriegshammer, Schild und Kolben. Talhoffers Fechtbuch Anno Domini 1467
Kampfkunst vom Feinsten 5 von 5.00 Punkten
Verfasser Mit dem zweiten Band über mittelalterliche Kampfesweisen hat der Philipp von Zabern-Verlag in Mainz sein großes Projekt fortgesetzt, die Kampfkunst dieser Zeit in sechs Bänden, geordnet nach Waffenarten, zu verlegen und sie damit Fachleuten und interessierten Laien in Beiträgen kompetenter Autoren und in einer Fülle noch nie gesehenen Bildmaterials zugänglich zu machen. Daß es für den Autoren und Herausgeber André Schulze um die Verwirklichung eines Traumes geht, spürt man schon beim Aufschlagen des Bandes. Hervorragend die Ausstattung durch den Verlag und ein Layout, das dem Leser ebenso wie dem Betrachter der Abbildungen eine Freude ist. Konnte man im ersten Band über Das lange Schwert noch die eine oder andere photographische Ungeschicklichkeit kritisieren, so einen gelegentlich unruhigen Hintergrund oder auch einmal eine mangelnde Schärfe oder Ausleuchtung, haben Herausgeber und Photographen diesen Mangel im vorliegenden Band behoben. Auch wurde gelegentlich moniert, die Kleidung der Kämpfer sei entweder nicht zeitgemäß oder alternativ eben nicht abstrakt-modern; unabhängig, für wie wichtig man diesen Punkt hält, man hat nunmehr darauf geachtet, die Kostüme der Zeit und den Abbildungen Talhoffers anzugleichen. Eine enorme Bildauswahl und ein bewährtes Glossar runden die technische Ausstattung des Buches aufs Erfreulichste ab.
Den Reigen der einzelnen Beiträge eröffnet Dr. Sandra Fortner, ihres Zeichens Archäologin, die mit den Rechtsbräuchen der Epochen und Regionen bestens vertraut ist, wie schon ihr Beitrag im ersten Band zeigte. Das Zusammentragen von Beispielen aus ganz Europa machen das Verständnis der Rechtsverhältnisse, die zum Zweikampf führten, besonders spannend, auch durch die Tatsache, daß die Autorin kenntnisreich, fesselnd und in einem angenehmen Stil zu schreiben weiß. Eine für den Laien überraschende Einsicht ist zum Beispiel die Tatsache, daß zum Ordal auch Knechte, Kaufleute und Bauern zugelassen waren, denen zwar 1152 durch kaiserlichen Erlaß dieses Recht genommen werden sollte, sie es aber trotzdem noch für längere Zeit wahrnahmen. Und weniger überraschend, aber in der Kontroverse immer wieder ein Thema, die Segnung der Waffen, die bis in die neueste Zeit von der Kirche bestritten wurde, seinerzeit aber als Selbstverständlichkeit galt; nur die Verwendung des Schwertes wurde verboten und mit der Exkommunikation bedroht, wohl um den tödlichen Ausgang des Zweikampfes zu verhindern.
Der Biographie Talhoffers und der Einordnung der Fechtschulen ist ein weiteres Kapitel gewidmet. Die schon im ersten Band vorgestellten, leider recht spärlichen Kenntnisse um den berühmten Meister stellt Schulze gut verständlich formuliert in seine Zeit, wobei ein paar Betrachtungen ex post gestattet sein mögen. Dieter A. Bachmann fügt für Fachleute und Laien interessante Ausführungen und Differenzierungen zu den Fechtschultraditionen an und stellt die sechs Codices vor, die von Thalhoffer bekannt sind. Die Diskussion über gegenseitige Einflüsse der berühmten Fechtmeister, die Traditionen ihrer Schulen und Beziehungen untereinander runden das interessante Kapitel ab.
Großen Raum nimmt das Kapitel über Kleidung, Waffen und Rüstkunde ein, ein Gemeinschaftswerk mehrerer Autoren: André Schulze, Andrea Rottloff, Arno Eckhardt, Marcel Dorfer und Roland Warzecha. Der Leser findet eine reichhaltige Zusammenstellung und Interpretation der zeitgenössischen Kleidung mit besonderem Bezug auf den historischen Kontext, besonders aber auf ihre Verwendung im Kampf. Die Tendenz hin zur italienischen Renaissance ist unübersehbar und war schon damals heftig in der Kritik, zumal kirchlicher Stellen, die entsprechende Auswüchse auch beim Klerus einzudämmen versuchten. Nicht nur diese Entwicklung ist sehr schön in der Abfolge der Talhofferschen Codices von 1443 über 1459 bis 1467 zu beobachten, sondern auch die Steigerung der künstlerischen Qualität der Abbildungen. Spannend werden auch die Bemühungen geschildert, die alte Kampfkleidung aus modernen Materialien nachzuschneidern, ein berechtigter Kritikpunkt an Band 1, der damit gegenstandslos geworden ist. Sehr gut herausgearbeitet ist die Entwicklung der Metallrüstungen, gerade im italienisch-deutschen Kontext, fesselnd die Schilderung der Schwertherstellung von der Stahlgewinnung bis zur Bearbeitung aus der Sicht des Waffenschmiedes. Und wer eine allzu romantische Vorstellung von Rittern, Turnieren und ihrem Kriegshandwerk hatte, wird durch eindrucksvolle Schnittests an Tierkadavern eines besseren belehrt, welche die fürchterlichen Verletzungen dokumentieren, die sich die Kontrahenten im Ernstfall beibrachten. Es folgt die Beschreibung von Stechschild und Axt und eine Übertragung des Jeu de la hache darmes, des Axt-Spiels, aus einer Handschrift der Pariser Nationalbibliothek, ein authentisches Beispiel um den Kampf mit der Axt.
Das Kapitel über die Fechthandschrift für den Grafen Eberhard im Bart von Württemberg von André Schulze schließt den Textteil des Buches ab. Leben und Wirken des noch heute im Bewußtsein der Schwaben gegenwärtigen Herrschers werden vorgestellt und die Anwerbung des berühmten Fechtmeisters Talhoffer an den Uracher Hof, der hier seine letzten Spuren hinterließ, dann verlieren sich die Nachrichten über sein Leben; allenfalls hat er noch als Mitbegründer der Fechtergesellschaft der Marxbrüder fungiert. In ansprechenden, wenn auch fiktiven Gedanken nähert sich der Autor der Beziehung zwischen Graf Eberhard und dem Meister. Zuletzt stellt er Hans Talhoffers Fechtbuch aus der Bayerischen Staatsbibliothek (Cod. Icon. 394a) vor und analysiert die Darstellungen der Tafeln, die von ihm und seinen Partnern nachgestellt werden.
Dasselbe Ziel verfolgt der zweite Teil des Werkes, der Tafelteil. Er ist, wie schon im ersten Band, auf das Prächtigste rekonstruiert und in jeweiliger Gegenüberstellung von den Autoren in ihren Bewegungsabfolgen dokumentiert.
Zusammenfassend haben Herausgeber, Autoren und Verlag den zweiten Band eines Werkes geschaffen, das schon jetzt als Standardwerk über die Fechtkunst des Mittelalters gelten kann und das noch mehr als schon der erste Band mit Information, Detailtreue und, nicht zu vergessen, gerade als Augenschmaus der Freude des interessierten Lesers dient. Auf die Folgebände und das Faksimile des Königseggwalder Codex darf man gespannt sein!
Ein Buch, das Lust zum Lesen und Üben macht! 5 von 5.00 Punkten
Verfasser Wie aus dem Vorgänger, den ich im Übrigen auch sehr empfehlen kann, wird bereits auf den ersten Seiten dieses Schmöckers deutlich, dass den Autoren dieses Themengebiet sehr am Herzen liegt:
Ein erneuter Abriss über Thalhoffers Leben und Wirken, sowie eine Kurzbiographie über seine "Arbeitgeber" führen den Erstleser ein und den Zweitleser (vom ersten Band) gelungen weiter, während der Technikteil auf dem gewohnt hohen Neveau weitergeführt und vor allem im Bereich der erklärenden Zusatztexte erheblich verbessert wurde!
Die einzige Schwachstelle, dieses Werks ist meiner Einschätzung nach, der schwer zu verstehende Abschnitt über Metalle und Schmiedetechniken, da sie einfach etwas zu kurz erscheinen für die geballte Ladung von Informationen.
Ein kliener Kritikpunkt, der alledrings durch den ausführlichen und wie von selbst erklärenden Technikteil wieder vollends ausgebügelt wird.
Kurz und gut: Es ist eine gelungene Fortsetzung einer höchst interessanten Buchreiche für historisch und fechterisch Interessierte. (Letztere sollten allerdings vor Nachahmung der gezeigten Techniken etwas Unterricht in der Materie geben lassen *g*)