Du hast den Max umgebracht: Erlebnisse und Anekdoten aus dem Journalistenalltag

Arno Wiedergut

Durchschnittliche Gesamt-Lesermeinung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 3 Bewertungen)


Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de):

Abwechslungsreich, unterhaltsam, tiefgründig - aus dem Journalistenalltag gegriffen      4 von 5.00 Punkten       Verfasser
"Wer bist du denn, mein Sohn?" fragte Papst Johannes Paul II. den schon leicht entnervten Fotografen Wilhelm Jellitsch. Dieser drehte sich leicht entnervt um, nahm an, es sei wieder eine jener Saalordner, die ihn schon zweimal daran gehindert hatten, einen guten Standplatz für ein Foto vom Papst einzunehmen. Überrascht blickte er aber jetzt auf den Papst, schlug die Haken zusammen, salutierte und sagte mit fester Stimme: "I bin's, der Willi aus Klogenfurt".

Und so geht es im Buch munter weiter: "Ein Hemd für den toten Peter Vogel", "Die Geschichte vom Sperma", "Edith Klinger und ihre Muschi", "Ein Doppler für Juhnke", "Fronleichnam fällt heuer auf einen Donnerstag", "In all seiner Dummheit begraben", "Der Herr Bundespräsident und der Volltrottel" oder "Das Örtchen war nicht still". Und warum man nicht bei offenen Wirtshausfenstern im ersten Stock Parteisitzungen abhalten sollte!

Auf über 210 Seiten im handlichen Kleinformat erzählt Arno Wiedergut, gebürtiger Villacher, seine und Erlebnisse seiner Journalistenkollegen. Von 1988 bis 2008 leitete er das Nachrichtenbüro APA in Klagenfurt und so ist es nicht verwunderlich, dass viele seiner amüsanten Erzählungen sich um Erlebtes in Kärnten drehen. Aber auch Bruno Kreisky, Chruschtschow, Honecker, Klestil oder Waldheim spielen zentrale Rollen in Beiträgen.

"Journalisten kommen als Journalisten auf die Welt. Arno Wiedergut ist ein klassisches Exemplar dieser Spezies" steht auf der Rückseite des Buches über den Autor geschrieben. Das kann ich voll und ganz unterstreichen. Selbst wenn man nicht aus dem Journalistenmetier stammen sollte, liest sich das Buch sehr gut, unterhaltsam und manchmal kopfschüttelnd. Die einzelnen Kapitel sind nicht lang, so kann man jeden Tag ein paar genießen und muss das Buch nicht in Einem lesen.

Journalismus unzensiert und unverschämt - ein Blick 'hinter die Kulissen'      5 von 5.00 Punkten       Verfasser
'Ich will keinen Autor mehr lesen, dem man anmerkt, er wollte ein Buch machen, sondern nur jene, deren Gedanken unversehens ein Buch wurden.' Dieses Zitat von Friedrich Nietzsche wäre eine mögliche Erklärung dafür, was sich der Autor beim Schreiben seines Buches gedacht haben könnte, zumindest wird es dem Leser so vermittelt, denn in amüsanter und unverblümter, manchmal sogar fast schon peinlich ehrlicher Art und Weise wird dem Leser der Alltag von Journalisten näher gebracht; ein heiterer Blick hinter die Kulissen des Journalismus für jeder Mann und jede Frau.

'Du hast den Max umgebracht' zeigt beispielhaft auf, wie skurril und mit Situationskomik behaftet genauso wie auch manchmal leider tragisch der berufliche Alltag eines Journalisten zu sein vermag, welch überraschende Wendung ein zuvor bis ins Detail geplanter Pressetermin oft nehmen kann und mit welch unvorhergesehenen Dingen Journalisten im Laufe ihrer Karriere konfrontiert werden.

Betont heiter und unbeschwert plaudert der Autor aus dem Nähkästchen, er nimmt kein Blatt vor den Mund und schildert unverhohlen, mit fast schon einer 'unverschämten Ehrlichkeit' Erlebnisse und auch 'Pannen', die Journalisten im Laufe ihrer Karriere widerfahren.

Wer Lust hat auf ein Buch zum Schmunzeln, das aber dennoch Tatsachen unzensiert ans Licht bringt, das eine oder andere Mal vielleicht ein kleines 'Berufsgeheimnis' oder einen 'Insiderschmäh' verrät, der sollte einen Blick hinein werfen.

In 'Du hast den Max umgebracht' finden sich Kurzgeschichten aus Politik, Sport, Kultur und Entertainment aus dem In- ebenso wie dem Ausland, als interessantes Detail sei erwähnt, dass der Autor ausschließlich wahre Begebenheiten schildert, wobei er als besonderes 'Extra' Vor- und Zunamen der Protagonisten erwähnt, der Leser kann entsprechend jedem Namen auch ein Gesicht zuordnen, was die Sache natürlich umso spannender macht.

Ein gelungenes Buch, in dem für jeden etwas zu finden ist, für den Journalisten und jene, die wissen wollen, wie es in besagtem Berufsalltag zugeht, für am Weltgeschehen Interessierte, die endlich einmal die 'wahren' Hintergründe ihnen bisher ausschließlich aus den Medien bekannter Ereignisse wissen wollen, und letztendlich all jene, die Sinn für Humor haben und einmal ein 'ganz anderes' Buch lesen wollen.

Kurioses, Alltägliches und Amüsantes aus dem Journalistenalltag      4 von 5.00 Punkten       Verfasser
Glaubt man Meinungsumfragen ist der Beruf des Journalisten in etwa genauso unbeliebt wie der des Politikers. Doch während man Politikern eher eine gewisse Faulheit unterstellt gelten Journalisten zu Recht als ungleich engagierter und sind wie Arno Wiedergut in "Du hast den Max umgebracht" für eine gute Story sogar bereit ihr letztes Hemd zu geben und das ist wohl etwas, womit man bei einem unserer Volksvertreter kaum rechnen würde. Es sind heitere und interessante Anekdoten die Wiedergut zusammengetragen hat und damit einen sehr lebhaften Einblick in Journalistenalltag ermöglicht, der zwar von einem Kärntner/Südösterreichischen Blickwinkel geprägt ist, doch deshalb sicher nicht weniger interessant ist.

Doch neben und teils auch hinter dem Heiterem verbirgt sich auch eine höchst lesenswerte Beschreibung der journalistischen Praxis, die einem einmal die andere Seite hinter den Nachrichten zeigt. Eines wird bei der Lektüre klar, Journalisten sind auch nur Menschen, die sich ihren Lebensunterhalt eben durch Berichte über Geschehenes verdienen, doch für diese oft mühevolle Recherchen auf sich nehmen und Informationsstückchen für Informationsstückchen zusammentragen müssen, damit der Aufmacher des Tages nicht als Einspalter im eigenen Blatt endet. Dieser Druck interessante Geschichten liefern zu müssen spornt jedoch zu so mancher Höchstleistung und listigen Finte an, wie sie Arno Wiedergut unterhaltsam präsentiert.

Doch Journalisten und ihre Medien sind zugleich auch eine für manchen weniger amüsante Macht, die schon zu Aufstieg und Fall mancher Persönlichkeit in der Öffentlichkeit beigetragen haben. So auch im Falle des titelgebenden Kärntner Finanz- und Wirtschaftslandesrats Max Rauscher, der an einem etwas feucht-fröhlichen Abend die Idee entwickelte eine fingierte APA-Meldung über seine Rückzugsabsichten in Umlauf zu bringen und so die Machtfrage innerhalb der Kärntner SPÖ zu seinen Gunsten zu klären. Der Plan ging jedoch schief und Rauscher musste schlussendlich das Feld räumen, weshalb sich Arno Wiedergut als Rauschers damaliger Stichwortgeber auch heute noch die Beschuldigung gefallen lassen muss er habe "den Max umgebracht", zum Glück aber nur politisch.

Fazit:
Unterhaltsame und doch auch hintergründige Lektüre.

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