Winter im Sommer - Frühling im Herbst: Erinnerungen

Joachim Gauck

Durchschnittliche Gesamt-Lesermeinung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 6 Bewertungen)


Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de):

vier Jahreszeiten      5 von 5.00 Punkten       Verfasser
Die Gauck-Behörde ist sicher jedem irgendwie ein Begriff.

Wer ist aber der Mann, der dieser Behörde den Namen gab?

Joachim Gauck ist Jahrgang 1940 und wurde in Rostock geboren. Er studierte Theologie und war mehrere Jahre als Pfarrer tätig. Er war Mitbegründer des Neuen Forums. Schon früh war er in von seinen Gedanken her so weit, dass er mit den Machenschaften des Sozialismus und der Diktatur in Opposition ging.

Von 1990 bis zum Jahr 2000 war er dann der erste Bundesbeauftragte für die Unterlagen der Staatssicherheit. Seit 2003 ist er Vorsitzender des Vereins Gegen Vergessen - Für demokratie. Er lebt momentan in Berlin.



Inhalt und Gliederung:
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Das Buch ist in 14 Kapitel, Dank und Bildnachweis gegliedert.

Wo ich her bin ..."
Winter im Sommer
Gehen oder bleiben
Wege - Suche - Wege
Aufbruch in ein Missionsland
Kirche im Sozialismus?
Schwarze Pädagogik in rot
Zum Beispiel
Frühling im Herbst
Volkskammer: frei und frei gewählt
Aufbau ohne Bauplan
Turbulente Jahre
Freiheit, die ich meine"
Berlin. Mai

Dank
Bildnachweis

Ein kleines Dorf an der Ostsee war Gaucks Kindheitsparadies. Nachdem er Theologie studiert hatte, war sein Arbeitsumfeld die Kirche in Mecklenburg. Er wahrte immer schon Distanz zum DDR-System. Es ergab sich logischerweise, dass er einer Bewegung beitrat, die mitverantwortlich war für den Umbruch von 1989.

Politisch verantwortlich war Gauck dann nach der Wende. Er wurde Abgeordneter. Das erste freie Parlament der DDR war nun sein Tätigkeitsfeld.

Er wurde erster Beauftragter für Stasi-Unterlagen (Aha - daher auch der Name !!)
10 Jahre war er hier tätig.

Nun ist er 70 Jahre und dachte sich, dass er seine zahlreichen Erinnerungen - zum einen von der DDR und zum anderen vom Umbruch und der Zeit danach - der Nachwelt zum Lesen und Erinnern geben sollte.

Meine Meinung zum Buch:
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Ich finde, dass dieses Buch sehr gut die Kurve bekommt zwischen einem politischen Werk, einer Biografie und einer persönlichen Erinnerung. Nichts kommt zu kurz und das Buch insgesamt kommt sehr locker rüber, liest sich super und gibt doch so viele Informationen preis, die den Leser fesseln, die dem Leser sehr viel Interessantes vermitteln, auf leicht verständliche Art, die einen Einblick in Gaucks Leben gewähren, aber auch einen Einblick in die politische Lage beider Seiten.

Gauck lässt den Leser an seinen Gedanken und Gefühlen teilhaben, lässt ihm aber auch Freiraum, sich selbst während dieser Umbruchszeit wieder zu entdecken und sich Gedanken machen, wie und warum alles so kam.

Das Buch birgt sehr viel Hintergrundinfos und tolles Bildmaterial.

Man kann während der Kapitel von Anbeginn nachvollziehen, wie sich Gauck in seinem Leben, Denken und Wirken entwickelt hat, man kann aber auch perfekt nachvollziehen, wie die Wende sich gestaltete. Der Inhalt ist so gewählt, dass man von Beginn an ein Leben verfolgen kann und Geschichte live verspürt.

Es geht los in Wustrow, wo Gauck aufwuchs, wo er Sommer erlebte und was er auch mit Sommer verbindet. Hier sind seine frühsten Erinnerungen beheimatet. Seine Familie ist hier in seiner Erinnerung. Daran lässt er auch den Leser teilhaben. Es ist sozusagen der Einstieg in ein relativ politisches Leben und Denken eines bekannten Menschen aus Ost und West.

Hier wird auch beschrieben, wie Gauck zur Kirche fand. Zahlreiche erklärende und persönliche Bilder, u.a. auch aus dem Kriegssommer 1940 im Garten der Wohnung in Wustrow oder Ostern 1943 mit Vater, Mutter und Schwester untermalen die zu Herzen gehenden Texte.

Kapitel zwei beschäftigt sich zuerst einmal mit dem 27. Juni, der für die Familie Gauck eine große Rolle spielte. Es war das Jahr 1951 und Großmutter Antonia wurde 71 Jahre alt. Aber das war nicht alles: VATER WURDE ABGEHOLT !!! war die Schreckensnachricht...

Nun geht eine Kindheit zu Ende, Gauck macht sich Gedanken, was da wohl passiert sein kann. Er beschreibt dies aus der Sicht eines Kindes/Jugendlichen. Er schreibt es auch in der Ich-Schreibweise, was die Geschichte noch realistischer macht. Der Lese empfindet es so, als ob Gauck ihm seine Lebensgeschichte persönlich erzählt.

Gehen oder bleiben" beschreibt Gauck als 15jährigen Jugendlichen. Wieder ist Sommer ... Er und sein Cousin waren in Paris. Das Verhältnis West/Ost - die vielen Unterschieden fielen ihm schon hier auf. Auch der Schriftsteller Uwe Johnson und seine Schwägerin Jutta und dessen Schwester Elisabeth spielen hier eine Rolle. Johnson schrieb Die Mutmaßungen über Jakob" Darin ging es um den Ost-West-Konflikt. Gauck las dieses Buch ...

Aufbruch in ein Missionsland:

Gauck ist verheiratet, er und seine Frau Hansi" Er skizziert hier das normale" Leben eines damaligen DDR-Bürgers in einem Plattenbau ... Wie er dies alles empfand mit seiner Familie. Auch der TRABI kommt hier zur Sprache ...

Ein Kapitel beschäftigt sich mit dem Thema Kirche im Sozialismus. Es werden auch Zahlen genannt, also dieses Buch ist nicht nur" ein reiner biografischer Roman, sondern zeigt dem Leser auch sehr viele interessante Details aus dem DDR-Alltag auf. Heinrich Rathke, Landesbischof - frischer Wind, Jugendarbeit in der DDR und und und .... ALLES THEMEN, DIE MAN NICHT VERGESSEN SOLLTE !!!

Martin ist Gaucks 15jähriger Sohn, auch er wird im Buch natürlich erwähnt. Er hatte einen Parka aus dem Westen bekommen. Alltägliches im DDR-Alltag ... Kleine und große, familiäre und weltbewegende Ereignisse und Szenen und Details werden im Buch sehr gut verknüpft und ergeben einen interessanten, spannungsgeladenen gut strukturierten Roman, der ein Leben zeichnet, welches zwischen Ost und West steht, zwischen Kirche und Staat und der jetzt nun in diesem Roman uneingeschränkt aufgearbeitet wird.

Aber ohne Wehmut aufgearbeitet wird, sondern sehr realistisch und mit einer Herangehensweise, die mich sehr beeindruckt hat.

Dann kommt der Umbruch - DIE WENDE !!!

Die Zeiten ändern sich, ohne das man etwas tun kann, man schwimmt im Strom mit und kann sich nun politisch zeigen und äußern ....
Gauck zeigt seinen Lesern, wie er zu diesem Menschen wurde, der dann erst berühmt" wurde. SEHR INTERESSANT - wie das Leben so spielt !!!

Es ist während des Lesens auch sehr gut die Veränderung nicht nur historisch gesehen nachzuvollziehen, sondern auch die Veränderung eines Menschen innerhalb seines Lebens - seine Höhen und Tiefen, seine persönlichen Rückschläge und seine guten und weniger guten Charakterzüge. Alles schreibt Gauck in seinen Erinnerungen auf und der Leser kann sich, wenn er sich darauf einlässt - mitziehen lassen, von der Ostsee 1940 - bis in die heutige Zeit, da vieles in Vergessenheit zu geraten droht ...

Ein wirklich lesenswertes Buch !!!!

Zeitgeschichte aus erster Hand      5 von 5.00 Punkten       Verfasser
Joachim Gauck ist den Deutschen, die die Wiedervereinigung miterlebt haben, als erster Wächter über die Stasi-Unterlagen wohlbekannt. Sein Ernst und seine Sachlichkeit in Interviews haben den Eindruck der Würde und Unbestechlichkeit hinterlassen. Dieser Eindruck wiederholt sich in diesem Buch. Er erzählt sein Leben von Kindheit an bis zur Gegenwart, und der Leser erfährt oder bekommt bestätigt wie es wirklich in der DDR war, wie die Stasi alles Leben bewacht, jede freie Meinungsäußerung unmöglich ge-macht hat. Wer nach dem Lesen dieses Buches immer noch sagt, daß die DDR kein Unrechtsstaat war, ist nicht zu retten.

tolles Dokument der Zeitgeschichte      5 von 5.00 Punkten       Verfasser
Ein tolles Buch!
Herr Gauck verdeutlicht noch einmal mit aller Klarheit, wie das Leben im "real existierenden Sozialismus" war - insbesondere für die Menschen, die nicht zu einhundert Prozent systemkonform waren.
Gerade in Zeiten einer gewissen "DDR-Nostalgie" und Verklärtheit, sind solche Dokumente der Zeitgeschichte von großem Wert.
Joachim Gauck erzählt neben einer Reihe von Fakten und historischen Ereignissen sehr ergreifend von vielen "betroffenen" Personen.
Das Buch ist eine absolute Empfehlung.

Erinnerungen von J. Gauck      5 von 5.00 Punkten       Verfasser
Ein sehr persönlich, aber objektiv gehaltenes Werk über die neue Geschichte der DDR. Wer die Lebensgeschichte, den Werdegang, die Ausbildung und die eindrücklichen Schilderungen der "friedlichen Revolution" von 1989 von J. Gauck gelesen hat, versteht, auch die heutige, politische Entwicklung der neuen Bundesländer einiges besser.

Beeindruckende Biografie eines wahrhaften "Citoyens"      5 von 5.00 Punkten       Verfasser
Eine Biografie, die persönlich ist und doch nie zu privat wird. Das Politische interessiert Joachim Gauck eindeutig mehr, als das allzu Psychologische und Private. Dennoch erfahren wir genug über seine Kindheit, die Eltern, das plötzliche und willkürliche Verschwinden des Vaters 1951 - abgeholt durch die Stasi - das den jungen Joachim prägt und ihn fast automatisch zu einem kritischen Gegner des kommunistischen Regimes werden lässt. Gauck erzählt zwar chronologisch, beleuchtet in den Kapiteln aber auch einzelne Schwerpunkte, wie die Kirche im Sozialismus oder den Beginn des organisierten Widerstandes usw. Besonders spannend sind die Kapitel, welche den Aufbau der nach ihm benannten Gauck-Behörde beschreiben, wie praktisch aus dem Nichts und in kürzester Zeit ein Weg gefunden werden musste, um das Interesse der Bürger an "ihren" Akten zu befriedigen. Und wie viele unterschiedlichen Ansichten und und Bedenken es gab, dieses Vorhaben zu verwirklichen. Das Buch ist in Zusammenarbeit mit Helga Hirsch geschrieben und liest sich gut. Es wird ausserdem durch einzelne dazwischen gestreute Zusatztexte bereichert. So erzählt zum Beispiel Hansjörg Geiger, der als Jurist und Gaucks Stellvertreter die Bundesbehörde für die Stasi-Unterlagen mit aufbaute, aus seiner Sicht, wie er von einem Tag auf den anderen seine Stelle beim Bayerischen Datenschutzbeauftragten aufgab. Er zog nach Berlin und unterstützte Gauck dabei, den Bürgern die uneingeschränkte Einsicht in ihre Akten zu ermöglichen. Der Erfolg des Modells und die riesige Nachfrage nach Akteneinsicht gab beiden Recht. Gauck plädiert in seinem Buch vehement gegen das Prinzip des "Deckel drauf" und wie ein roter Faden durchzieht den Text seine Leidenschaft für demokratische Grundrechte wie Meinungsfreiheit, Glaubensfreiheit, die Freiheit der Berufswahl, Versammlungs-, Forschungs- und Veröffentlichungsfreiheit, welche die "Wessis" manchmal fast zu selbstverständlich hinnehmen. Sie kennen nichts anderes. Joachim Gaucks Buch versteht es, die Augen dafür wieder neu zu öffnen. Die beeindruckende Biografie eines wahrhaften "Citoyens".

Solche furchtlosen, mutigen und hoffnungsfrohen Menschen bräuchte das Land mehr      5 von 5.00 Punkten       Verfasser
Dieses Buch von Joachim Gauck ragt unter den vielen Veröffentlichungen, die in diesem Jahr zum 20.Jahrestag des Mauerfalls und des Ende des Kalten Krieges auf den Markt gekommen sind, in einzigartiger Weise heraus.

Vielleicht hängt es damit zusammen, dass hier ein absolut integrer Mann sich an sein Leben in der DDR erinnert, dass schon 1951,als sein Vater "abgeholt" wurde, als Joachim gerade mal 11 Jahre alt war, geprägt war von Opposition gegen kommunistisches Unrecht. Für Joachim Gauck war nicht nur dieses Erlebnis prägend. Später, als er schon evangelischer Pfarrer war und in den achtziger Jahren Kirchentage als Keimzelle dessen, was sich später entwickeln sollte zum großen, gewaltfreien Bürgerprotest, organisierte, wurde er selbst zum Dissident.

Nach der Wende war Joachim Gauck ab dem Jahr 2000 der erste Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR, danach auch die "Gauck-Behörde" genannt.

Neben seinen lesenswerten Erinnerungen an die Zeit in der DDR, die bewegenden Monaten vor und nach der Wende, ist an diesem Buch eines ganz besonders wichtig: Gauck beschreibt aus einer detaillierten Innenkenntnis das Wesen des Stasisystems. Unglaubliches ist da zu lesen über den Umfang und die Intensität des staatlichen Spitzelwesens.

All dies bringt ihn immer wieder in diesem Buch zu dem Schluss, dass die Freiheit und die Grundrechte ein so hohes Gut sind, das die Bürger im Westen, aber auch diejenigen ehemaligen DDR-Bürger, die ihren damaligen Staat heute noch schön reden wollen, oft gar nicht recht ermessen können oder wollen. In der DDR, so schreibt er, konnte man nur wählen zwischen dem jeweiligen Grad der Anpassung. Nun leuchte die Freiheit, Frühling im Herbst . Diese Botschaft wird er im ganzen Buch nicht müde immer wieder denen zuzurufen, die kleinmütig sind und zweifeln, hier und dort.

Ein beeindruckendes Leben wird hier lesenwert und mit der Unterstützung von Helga Hirsch beschrieben. Solche furchtlosen, mutigen und hoffnungsfrohen Menschen bräuchte das Land mehr.

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