Reden, die die Welt veränderten
Gerhard Jelinek
Durchschnittliche Gesamt-Lesermeinung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 6 Bewertungen)
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de):
Ein empfehlenswertes Buch, das man nutzten kann wie ein historisches Lesebuch 4 von 5.00 Punkten
Verfasser Oft wird dem gesprochenen Wort nicht viel zugetraut. Worte sind Schall und Rauch, heißt es im Sprichwort und doch gibt es Worte, gesprochen in bestimmten wichtigen Augenblicken, im richtigen Kairos, wie die Bibel sagt, "die die Welt veränderten".
Der Journalist Gerhard Jelinek, der zuletzt mit seinen "Nachrichten aus dem 4. Reich" zu überzeugen wusste, in dem er überlebende Juden in Amerika interviewte, die nach dem "Anschluss" 1938 emigriert waren und damit ihr Leben retteten ("Die Jungen sind nicht verantwortlich für das, was damals geschah, aber für das, was in der Geschichte daraus wird"), legt in dem vorliegenden Band solche Reden vor, die in ihrer Zeit, manche aber bis zum heutigen Tage eine Wirkung entfalten, die weltverändernd ist, zum Negativen wie zum Positiven.
Von Jesus Christus, der in seiner Bergpredigt sagte "Ich aber sage euch, liebt eure Feinde", über die Rede Martin Luthers auf dem Reichstag in Worms, Theodor Herzls Aufruf "Der Zionismus ist die Heimkehr zum Judentum noch vor der Rückkehr ins Judenland", Adolf Hitlers Begründung des Polenfeldzugs "Seit 5.45 Uhr wird zurückgeschossen...", bis hin zu John F. Kennedys "Ich bin ein Berliner" und Neil Armstrongs Satz: "Das ist ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein gewaltiger Sprung für die Menschheit" ( um nur einmal einige der fast zwei Dutzend historischen Beispiele zu nennen),
werden die jeweiligen Reden im Original abgedruckt ( schon für diese Sammlung muss man dankbar sein) und dann in ihrem jeweiligen zeitgeschichtlichen Zusammenhang erklärt.
"Eine große Rede spiegelt nicht immer die Wahrheit einer Epoche wieder", schreibt Jelinek, "es sind auch die großen Lügen, die Geschichte machen. Worte haben Kriege gewonnen und Frieden geschaffen. Und sie künden von großer Weisheit - oder fatalen Irrtümern."
Ein empfehlenswertes Buch, das man nutzten kann wie ein historisches Lesebuch.
Reden als Ausdruck der Geschichte 4 von 5.00 Punkten
Verfasser Es ist wohl nicht zuletzt dem Friedensnobelpreisträger und US-Präsidenten Barack Obama zu verdanken, dass die gute alte Redekunst zumindest kurzfristig wieder mediale Wertschätzung erlangt hat. Die Macht der Rede war es natürlich nicht allein die zu Obamas Aufstieg vom Regionalpolitiker zu einem der mächtigsten Männer der Welt gemacht hat, doch sie hat viel dazu beigetragen und seinen Mythos zementiert. Beide Reden Obamas (jene im Fleet Center 2004, mit der er vom kleinen Vorredner zum Shootingstar der Demokraten avancierte, sowie die gewissermaßen Nobelpreis prämierte 2009 in Kairo) welche gewissermaßen die Ecksteine seiner Karriere bis 2009 bildeten sind im vorliegenden Buch als meisterhafte Beispiel für "Reden die die Welt bewegten" enthalten.
Während das Buch mit Obamas Rede an die arabische Welt endet beginnt es mit einem Klassiker unter den gerne zitierten Ansprachen der westlichen Weltgeschichte, der allerdings frei erfunden ist, Marcus Antonius Rede an die Römer aus William Shakespeares "Julius Cäsar". Auf den ersten Blick also ein Buch das den Anspruch erhebt mustergültige Reden der Weltgeschichte zusammenzufassen und kommentiert wiederzugeben. Auf den ersten Blick, denn nach diesem beginnt man sich meist schon zu fragen, was der treibende Gedanke hinter der vorliegenden Zusammenstellung ist. Reden die Geschichte geschrieben haben oder zumindest Ausdruck der Geschichte sein sollen hat Gerhard Jelinek für seine Auswahl in Beschlag genommen und dazu die jeweiligen geschichtlichen Hintergründe analysiert. Geprägt von einer österreichischen (mitteleuropäisch, westlichen) Perspektive was in der Auswahl deutlich wird (Kreisky statt Adenauer, kein Lincoln und Washington, keine südamerikanischen oder asiatischen Staatsmänner bzw. Heroen der Redekunst).
Über die Zusammenstellung der Reden und den "roten Faden" kann man streiten, das war auch dem Autor bewusst der darauf im Epilog sogar zurückkommt. Es sind nicht alle, es sind nicht einmal zwangsweise die besten (sofern sich diese überhaupt ausmachen ließen) oder geschichtsträchtigsten, es sind wohl, um ehrlich zu sein, schlicht und einfach jene die den sehr vielschichtigen Aussiebeprozess überlebt haben. Allerdings und das sei angemerkt, Jelinek bemüht sich sehr die historischen Hintergründe als Ausdruck und Anlass deren die Reden entstanden sind prägnant zu erläutern, wobei man ihm manche Kürzungen verzeihen möge.
eher schwach 2 von 5.00 Punkten
Verfasser Das Buch hält leider nicht was der Titel verspricht.
Zuerst ist es problematisch anderssprachige Reden in Deutsch anzugeben. Dadurch geht in der Übersetzung einiges verloren. Das wäre verkraftbar, würde man beide Versionen angeben, aber nur die Übersetzung...?
Des weiteren sind die Reden stark gekürzt. Eine 2h Rede auf 1 Seite zu reduzieren ist schon sehr fragwürdig.
Die an eine Rede folgende Erklärung ist dann voll mit der geschichtlichen Auffassung des Autors, die historische Richtigkeit (so schwierig diese auch herauszufinden bzw. zu belegen sei) steht nicht im Vordergrund.
Das Buch war leider ein Fehlkauf
Vor allem sehr praktisch 5 von 5.00 Punkten
Verfasser Wie das Quellenverzeichnis angibt, sind diese Reden auch alle im Internet abrufbar. Aber erstens sind einige schlecht und andere gar nicht übersetzt, zweitens erspart uns der Autor die mühselige Suche, und drittens liegen sie so gleich auf Papier vor. Das Buch des österreichischen Journalisten Gerhard Jelinek hat für mich also vor allem praktischen Charakter, bin ich doch öfters auf der Suche nach guten Mustervorlagen und Ideen, wenn mir ein Auftrag für Ghostwriting in die Mailbox flattert.
"Eine große Rede spiegelt nicht immer die Wahrheit einer Epoche wider. Es sind auch die großen Lügen, die Geschichte machen. Falsches Pathos - schlichte Wahrheit." Mit diesen Worten weist Gerhard Jelinek in seiner Einleitung auf eines seiner Auswahlkriterien hin. Er nahm Reden auf, die vom Publikum verstanden wurden und mit denen es dem Vortragenden gelang, dass die Zuhörer eine Gemeinschaft bildeten. Es finden sich aber auch kurze Texte wie der von Neil Armstrong, die mit wenigen Worten ein Lebensgefühl beschreiben. Auffallend ist, dass Reden mehrheitlich von Männern stammen, was ein Abbild der Wirklichkeit ist, aber nur in Ansätzen erklärt wird. Und der Leser wird auch daran erinnert, dass Reden, die Geschichte machten, für die Zuhörer meist nichts Gutes bedeuteten. Doch wenn wir in einer Zeit leben, in der gute Redner selten sind, heißt das noch lange nicht, es stehe alles zum Besten und wir müssten uns keine Sorgen machen. Eher ist dies ein Zeichen moderner Beliebigkeit und Gleichgültigkeit.
Mein Fazit: Die 35 aufgenommenen Texte decken ein großes Spektrum ab, sei es formal oder inhaltlich. Was jedoch allen kurzen und langen Reden gemeinsam ist, zeigt ihre Gesamtschau. Es sind klug ausgewählte und arrangierte Worte in Übergangszeiten, die beim Publikum etwas auslösten oder bereits vorhandene Gefühle verstärkten. Im Anhang finden sich eine ausführliche Literaturliste, die Quellen der Originalreden und Links, die zu Originalaufnahmen führen.
Geschichte komprimiert in Reden 4 von 5.00 Punkten
Verfasser 35 Reden, welche die Welt veränderten. In Auszügen und in der deutschen Übersetzung bzw. im deutschen Original. Chronologisch geordnet von Marcus Antonius (nach William Shakespeare) bis Barack Obama. Dazu Interpretationen, Einordnung in den historischen Kontext und Internet-Links zu den Original-Reden. Im Nachwort weist Autor Gerhard Jelinek darauf hin, dass sein Buch aus westeuropäischer Sicht geschrieben ist und es fraglos zahlreiche weitere, bedeutende Reden gegeben hat. Jelinek versteht die Lektüre des Buchs als "Anregungen, sich mit spannenden Momenten der Zeitgeschichte zu beschäftigen".
Viele der Reden sind weltberühmt, etwa die Bergpredigt von Jesus Christus oder Martin Luther Kings "Ich habe einen Traum". Oft sind von diesen Reden Bruchstücke in die Alltagssprache eingegangen, mitunter auch zweckentfremdet, missverstanden und verkürzt. Um so interessanter ist es sich intensiver mit diesen Reden zu beschäftigen und mehr über die Hintergründe zu erfahren. Jelineks Ausführungen sind unterschiedlich lang, während sein Kommentar zu Kaiser Hirohitos Abdankungsrede von 1945 etwas arg knapp ist, sind die Informationen über die Frauenrechtlerin Emmeline Pankhurst ausführlicher und sehr spannend.
Das Barack Obama, als einziger Redner (neben Kennedy) in diesem Buch, gleich mit zwei Reden vertreten ist, wirkt etwas befremdlich. Und die Auswahl der Rede von Leopold Figl lässt sich wohl damit erklären, dass Reden, die die Welt veränderten im österreichischen Ecowin Verlag erschienen ist.
Obwohl Reden nicht dafür konzipiert sind gelesen, sondern gehört, erlebt und der Redner gesehen zu werden, ist es doch sehr interessant sie zu lesen. Die berühmte Rede zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs etwa liest sich extrem plump und hat, ohne die Stimme ihres Redners, eine weit schwächere Wirkung. Der gleiche Mann, wird an anderer Stelle zitiert. Er verstand es nicht, warum die Briten sich überhaupt die Mühe gaben, mit Gandhi zu verhandeln und riet ihnen schlicht dazu, ihn zu erschiessen.
Der überwiegende Teil der Reden in diesem Buch ist ernst und politisch, Ausnahmen bilden etwa Steve Jobs und Marie Curie, deren Plädoyer für die vermeintliche Wunderkraft der Radioaktivität gegen Krebs, aus heutiger Sicht sehr bitter wirkt. Interessant sind auch die Rede von Luftfahrtpionier Charles Lindbergh und die Anmerkungen dazu. Mit seiner offen geäusserten Bewunderung für das vermeintlich hocheffiziente NS-Reich demontierte Lindbergh seinen Heldenstatus. Dabei wollte er sich nur für eine Nicht-Einmischung der USA in den europäischen Krieg einsetzen?
Was dem Buch aber komplett fehlt, sind unfreiwillig komische Reden. Kein George W. Bush, kein "niemand hat die Absicht eine Mauer zu bauen". Dafür allerdings Chamberlains tragische "Frieden für unsere Zeit" Ansprache. Jelinek erläutert, warum dieser Politiker, teilweise zu Unrecht mit so viel Spott überschüttet wurde.
Reden, die die Welt veränderten ist ein sehr inspirierendes, spannend zu lesendes und gut verständliches Buch über gut 2000 Jahre Geschichte (der Schwerpunkt liegt aber eindeutig auf dem 20. Jahrhundert), dokumentiert in Reden.
Spannende Geschichte 5 von 5.00 Punkten
Verfasser Ein spanndener Ritt durch mehr als 2000 Jahre Geschichte. Die (in Kurzversionen) abgedruckten reden liefern den Einstieg für spannende Exkurse in die geschichte. 35 Anlädsse, Weltgeschichte zu beschreiben. Der Autor begründet die Auswahl der Reden schlüssig, beschränkt sich nicht nur auf die nahliegenden Favoriten (ohne sie auszulassen), sondern nimmt den Buchtitel ernst, welche Rede hat die Wqelt verändert. So beschreibt Gerhard jelinek auch die Protagonisten von gesellschaftlichen Bewegungen, wie den Schwulenaktivisten Harvey Milk, die Feministin Emmeline Pankhurst oder Max Yasgur, den Bauern, dem das gelände des Woodstock-festivals gehört hat. Eine spannende Lektüre,gescheit, ohne obergescheit zu sein.