Und möchte mit Fremden tanzen
Oliver Fehn
Durchschnittliche Gesamt-Lesermeinung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 4 Bewertungen)
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de):
Ein Buch wie ein Traum 5 von 5.00 Punkten
Verfasser Ich erlebte Oliver Fehn auf der Frankfurter Buchmesse 2006, wie er im schwul-lesbischen Kulturhaus aus seinem Roman las: Ein kräftiger, jugendlich wirkender Typ in Jeans und Lederjacke, der sofort Kontakt zum Publikum fand und erstaunlich gut vortrug. Obwohl mich mehr die Lesbenliteratur gelockt hatte, ließ ich mich an jenem Abend zum Kauf des Romans "Und möchte mit Fremden tanzen" animieren. Ich habe es nicht bereut.
Das Buch handelt von der morbiden Beziehung zwischen dem 17jährigen Vincent (der Beschreibung nach eine Art "Alter Ego" des Autors) und seinem Klassenkameraden Marlon, einem smarten Großstadtjungen, der Vincents Gefühle jedoch nur ausnutzt. Die beiden küssen sich und prügeln sich, sie lieben sich und hassen sich, und können doch nicht voneinander lassen. Wie perfide Marlon wirklich ist, zeigt sich erst zum Schluss des Romans, der gleichermaßen brutal und ergreifend ist.
Richtig unterhaltsam wird das Buch auch durch die vielen Nebenfiguren: Da ist Vincents beste Freundin Rebecca, mit der er "Mädchengeheimnisse" tauscht. Da ist Rebeccas Bruder Klette, ein flippiger Typ mit Pferdeschwanz, der wie ein Pausenclown die Handlung von Zeit zu Zeit auflockert. Da ist Vincents Kumpel Lucky, ein zurückhaltender und unscheinbarer Junge mit einem großen Geheimnis. Da ist der geheimnisvolle Ephraim, den Vincent nie gesehen hat, und von dem er regelmäßig Liebesbotschaften bekommt. Und da ist vor allem Vincents großer Bruder Gabi, die bezauberndste Figur des Romans: eine freche Partytunte mit einem Riesenherz, die der Leser nie wieder vergisst.
"Und möchte mit Fremden tanzen" ist ein schönes Buch auch deshalb, weil Oliver Fehn so meisterhaft mit Stimmungen umgehen kann: Es gibt Kapitel, über deren bissigen Humor man sich kringelt, und andere, bei denen zumindest ich laut geheult habe. Dass dieser Roman ausgerechnet bei Himmelstürmer erschienen ist, wo man sich weitgehend auf Sex ohne literarischen Anspruch spezialisiert hat, verwundert schon sehr. Denn Fehns Stil erinnert nicht selten an große Autoren wie T. C. Boyle oder John Fante.
Falsch wäre es auch, das Buch einen typischen "Schwulenroman" zu nennen. Die Konflikte zwischen Vincent und Marlon könnten ebenso gut in einer Hetero-Beziehung stattfinden. Als lesbische Leserin fühlt man sich unter lauter Jungs und Männern sonst oft ein wenig verloren. Aber in Vincent konnte ich mich verlieben, und in Gabi erst recht. Das Buch ist ein Traum. Ich empfehle es als eine der schönsten Neuerscheinungen des Jahres 2006.
insgesamt ein schönes Buch 4 von 5.00 Punkten
Verfasser Der Roman "Und möchte mit Fremden tanzen" hat mir insgesamt ganz gut gefallen. Oliver Fehn zeigt auch in diesem Werk seinen einwandfreien Schreibstil. Ich habe dem Buch trotzdem nur 4 Punkte gegeben, weil ich im ersten Teil ein wenig die Spannung vermisst habe. Die Story braucht sehr lange, um sich aufzubauen, das hat mich als "Nichtleser" etwas Geduld gekostet. Man hätte hier und da etwas mehr Handlung einbauen und stattdessen einige Schülerdialoge ohne wirklichen Sinn weglassen können. Ab dem zweiten Teil wird es dann schon interessanter. Schön auch das Ende. Nicht alles wird gut, doch der Ausgang ist auf jeden Fall zufriedenstellend.
Fehn vermag es ebenfalls, das bunte Treiben im Leben eines Schülers real darzustellen, so dass es auch für Erwachsene lesenwert ist.
Die Erotik/Sexszenen sind dem Alter der Schüler angepasst und wirken nicht aufgesetzt. Man kann auf weitere Romane von O.Fehn gespannt sein.
Alles was ein Roman braucht 5 von 5.00 Punkten
Verfasser Als Frau interessiert man sich für Romane, in denen Schwule im Mittelpunkt stehen, natürlich nur peripher. Aber dieses Buch, das ich mir zuerst von einem Freund ausgeliehen und dann selber gekauft habe, handelt in erster Linie von Menschen, und dass die zufällig schwul sind, hat wohl mit den Prioritäten des Verfassers zu tun, ist aber im Endeffekt egal.
Um typische Jugendliche geht es, um Flaschendrehen und Küsse, um Liebeskummer, Joints und Partys. So wie das Buch könnte auch eine amerikanische High-School-Komödie beginnen. Doch bald schon zeigt sich: Jeder dieser unbeschwerten Youngster verbirgt hinter seiner Maske einen dunklen Schatten. Keiner zeigt sein wahres Gesicht, und erst nach und nach erkennt der Leser, was es wirklich auf sich hat mit der flippigen Tunte Gabi, mit dem erlebnishungrigen Jungdichter Vincent, mit dem braven, zurückhaltenden Lucky, mit der verständnisvollen Schulsprecherin Rebecca und ihrem chaotischen Bruder Klette.
Passenderweise - denn das ganze Leben ist Theater - spielt der letzte Teil auch auf einer Bühne, wo Tennessee Williams' "Glasmenagerie" aufgeführt wird. Dort kommt es zum großen Eklat, und dort bereitet sich auch das überaus tragische Ende des Romans vor.
Ich habe mich ein bisschen über den Verfasser schlau gemacht, und seine Biografie bestätigt die deutlich sichtbare Neigung des jungen Romanhelden Vincent Larousse zur Dekadenz und Exzentrizität. Oliver Fehn steht der Church of Satan nahe, charakterisiert sich selbst als ein "über alle Maßen selbstverliebtes Genie" und sorgte mit seinen provokativen Büchern zum Thema Satanismus für eine Menge kontroversen Gesprächstoff.
Was mich am meisten freute: Dem Verfasser gelingt es, ein Happy End zu erschaffen, wo der Leser keine Hoffnung mehr auf einen guten Ausgang sieht. Das letzte Kapitel ist bestimmt das schönste des ganzen Romans. Sehr zu loben auch die knappe, aber intensive Sprache Oliver Fehns, dessen Sätze stets klar und ballastfrei sind. "Und möchte mit Fremden tanzen" hat alles, was ein guter Roman braucht: eine spannende Handlung, lebendige Figuren, jede Menge Humor und an manchen Stellen sogar eine Prise Horror. So bereue ich es keineswegs, mich als Frau mal an einem Schwulenroman versucht zu haben.
Echt literarisch 5 von 5.00 Punkten
Verfasser Dass gute Unterhaltung und literarischer Anspruch sich nicht ausschließen müssen, beweist Oliver Fehn mit seinem Roman "Und möchte mit Fremden tanzen".
Es ist die Geschichte eines sympathischen, ansatzweise arroganten schwulen Rotzlöffels namens Vincent und seines Bruders Gabi, der sich seine Abenteuer in Homosexuellenbars und einschlägigen Kneipen sucht. Die beiden sind ein Herz und eine Seele, bis Vincent sich in einen neuen Mitschüler verliebt und ihn für Gabis Theatergruppe vorschlägt. Und dann sind da noch jene anonymen Liebesbotschaften, die Vincent ins Haus flattern.
Ich kannte Oliver Fehn bisher nur von seinen Büchern über Satanismus. Mit diesem Roman beweist er, daß er es auch in Sachen Belletristik mit den guten Gegenwartsautoren aufnehmen kann. Man liest das Buch fast in einem Zug runter. Und jede Szene ist so spannend und humorvoll geschrieben, dass man einfach immer wieder umblättern muss.
Außerdem kann ich mich nicht erinnern, je ein Buch gelesen zu haben, dessen Schluss so überraschend und tieftraurig ist. Wer beim letzten Kapitel nicht heult, muss wirklich ein versteinertes Herz haben.